in kleinen Partien , tauscht dagegen Garn ein oder kauft es , von welcher Qualität es auch sein möge , und überläßt es dann wieder mit einigem Profit im größern an die unterhalb ansässigen Fabrikanten . Als nun die Unbequemlichkeit , hinter den Maultieren herzuschlendern , abermals zur Sprache kam , lud mich der Mann sogleich ein , mit ihm ein Seitental hinabzusteigen , das gerade hier von dem Haupttale sich trennte , um die Wasser nach einer andern Himmelsgegend hinzuführen . Der Entschluß war bald gefaßt , und nachdem wir mit einiger Anstrengung einen etwas steilen Gebirgskamm überstiegen hatten , sahen wir die jenseitigen Abhänge vor uns , zuerst höchst unerfreulich ; das Gestein hatte sich verändert und eine schiefrige Lage genommen ; keine Vegetation belebte Fels und Gerölle , und man sah sich von einem schroffen Niederstieg bedroht . Quellen rieselten von mehreren Seiten zusammen ; man kam sogar an einem mit schroffen Felsen umgebenen kleinen See vorbei . Endlich traten einzeln und dann mehr gesellig Fichten , Lärchen und Birken hervor , dazwischen sodann zerstreute ländliche Wohnungen , freilich von der kärglichsten Sorte , jede von ihren Bewohnern selbst zusammengezimmert aus verschränkten Balken , die großen , schwarzen Schindeln der Dächer mit Steinen beschwert , damit sie der Wind nicht wegführe . Unerachtet dieser äußern traurigen Ansicht war der beschränkte innere Raum doch nicht unangenehm ; warm und trocken , auch reinlich gehalten , paßte er gar gut zu dem frohen Aussehen der Bewohner , bei denen man sich alsobald ländlich gesellig fühlte . Der Bote schien erwartet , auch hatte man ihm aus dem kleinen Schiebefenster entgegengesehen , denn er war gewohnt , wo möglich immer an demselben Wochentage zu kommen ; er handelte das Gespinst ein , teilte frische Baumwolle aus ; dann ging es rasch hinabwärts , wo mehrere Häuser in geringer Entfernung nahe stehen . Kaum erblickt man uns , so laufen die Bewohner begrüßend zusammen , Kinder drängen sich hinzu und werden mit einem Eierbrot , auch einer Semmel hoch erfreut . Das Behagen war überall groß und vermehrt , als sich zeigte , daß St. Christoph auch dergleichen aufgepackt und also gleichfalls die Freude hatte , den kindlichsten Dank einzuernten ; um so angenehmer für ihn , als er sich , wie sein Geselle , mit dem kleinen Volke gar wohl zu betun wußte . Die Alten dagegen hielten gar mancherlei Fragen bereit ; vom Krieg wollte jedermann wissen , der glücklicherweise sehr entfernt geführt wurde und auch näher solchen Gegenden kaum gefährlich gewesen wäre . Sie freuten sich jedoch des Friedens , obgleich in Sorge wegen einer andern drohenden Gefahr ; denn es war nicht zu leugnen , das Maschinenwesen vermehre sich immer im Lande und bedrohe die arbeitsamen Hände nach und nach mit Untätigkeit . Doch ließen sich allerlei Trost- und Hoffnungsgründe beibringen . Unser Mann wurde dazwischen wegen manches Lebensfalles um Rat gefragt , ja sogar mußte er sich nicht allein als Hausfreund , sondern auch als Hausarzt zeigen ; Wundertropfen , Salze , Balsame führte er jederzeit bei sich . In die verschiedenen Häuser eintretend fand ich Gelegenheit , meiner alten Liebhaberei nachzuhängen und mich von der Spinnertechnik zu unterrichten . Ich ward aufmerksam auf Kinder , welche sich sorgfältig und emsig beschäftigten , die Flocken der Baumwolle auseinanderzuzupfen und die Samenkörner , Splitter von den Schalen der Nüsse nebst andern Unreinigkeiten wegzunehmen ; sie nennen es erlesen . Ich fragte , ob das nur das Geschäft der Kinder sei , erfuhr aber , daß es in Winterabenden auch von Männern und Brüdern unternommen werde . Rüstige Spinnerinnen zogen sodann , wie billig , meine Aufmerksamkeit auf sich ; die Vorbereitung geschieht folgendermaßen : Es wird die erlesene oder gereinigte Baumwolle auf die Karden , welche in Deutschland Krempel heißen , gleich ausgeteilt , gekardet , wodurch der Staub davongeht und die Haare der Baumwolle einerlei Richtung erhalten , dann abgenommen , zu Locken festgewickelt und so zum Spinnen am Rad zubereitet . Man zeigte mir dabei den Unterschied zwischen links und rechts gedrehtem Garn ; jenes ist gewöhnlich feiner und wird dadurch bewirkt , daß man die Saite , welche die Spindel dreht , um den Wirtel verschränkt , wie die Zeichnung nebenbei deutlich macht ( die wir leider wie die übrigen nicht mitgeben können ) . Die Spinnende sitzt vor dem Rade , nicht zu hoch ; mehrere hielten dasselbe mit übereinandergelegten Füßen in festem Stande , andere nur mit dem rechten Fuß , den linken zurücksetzend . Mit der rechten Hand dreht sie die Scheibe und langt aus , so weit und so hoch sie nur reichen kann , wodurch schöne Bewegungen entstehen und eine schlanke Gestalt sich durch zierliche Wendung des Körpers und runde Fülle der Arme gar vorteilhaft auszeichnet ; die Richtung besonders der letzten Spinnweise gewährt einen sehr malerischen Kontrast , so daß unsere schönsten Damen an wahrem Reiz und Anmut zu verlieren nicht fürchten dürften , wenn sie einmal anstatt der Gitarre das Spinnrad handhaben wollten . In einer solchen Umgebung drängten sich neue , eigene Gefühle mir auf ; die schnurrenden Räder haben eine gewisse Beredsamkeit , die Mädchen singen Psalmen , auch , obwohl seltener , andere Lieder . Zeisige und Stieglitze , in Käfigen aufgehangen , zwitschern dazwischen , und nicht leicht möchte ein Bild regeren Lebens gefunden werden als in einer Stube , wo mehrere Spinnerinnen arbeiten . Dem beschriebenen Rädligarn ist jedoch das Briefgarn vorzuziehen ; hiezu wird die beste Baumwolle genommen , welche längere Haare hat als die andere . Ist sie rein gelesen , so bringt man sie , anstatt zu krempeln , auf Kämme , welche aus einfachen Reihen langer , stählerner Nadeln bestehen , und kämmt sie ; alsdann wird das längere und feinere Teil derselben mit einem stumpfen Messer bänderweise ( das Kunstwort heißt ein Schnitz ) abgenommen , zusammengewickelt und in eine Papierdüte getan und diese nachher an der Kunkel befestigt . Aus einer solchen Düte nun wird mit