Kapellmeister im Garten erblickt und sein ganzes Wesen ihr klar geworden und sie daran geglaubt , daß er sie schützen werde vor dem Prinzen . » Nein , « rief Julia laut , » nein , es ist nicht so , es kann dem nicht so sein , es ist nicht möglich ! Es ist der böse Geist der Hölle selbst , der diese sündhaften Zweifel in mir Ärmsten aufregt ! - Nein , er soll nicht Macht haben über mich ! « - Mit dem Gedanken an den Prinzen , an jene gefahrvollen Augenblicke regte sich in Julias tiefer Brust eine Empfindung , deren Bedrohlichkeit nur daran zu erkennen , daß sie die Scham weckte , die das wallende Blut ihr in die Wangen , heiße Tränen ihr in die Augen trieb . Wohl der holden frommen Julia , daß sie Kraft genug besaß , den bösen Geist zu beschwören , ihm keinen Raum zu verstatten , in dem er fest fußen können . Es ist hier noch wiederholt zu bemerken , daß Prinz Hektor der schönste liebenswürdigste Mann war , den man nur sehen konnte , daß seine Kunst zu gefallen auf die tiefe Weiberkenntnis gegründet war , die ihm das Leben voll glücklicher Abenteuer erworben , und daß eben ein junges unbefangenes Mädchen wohl erschrecken machte vor der siegenden Kraft seines Blicks , seines ganzen Wesens . » O Johannes , « sprach sie sanft , » du guter herrlicher Mann , kann ich denn nicht bei dir den Schutz suchen , den du mir versprochen ? Kannst du nicht selbst zu mir tröstend reden mit den Himmelstönen , die recht widerhallen in meiner Brust ? « - Damit öffnete Julia das Pianoforte und begann die Kompositionen Kreislers , die ihr die liebsten waren , zu spielen und zu singen . In der Tat fühlte sie sich bald getröstet , erheitert , der Gesang trug sie fort in eine andere , es gab keinen Prinzen , ja keine Hedwiga mehr , deren krankhafte Phantome sie verstören durften ! » - Nun noch meine liebste Kanzonetta ! - « So sprach Julia und begann das von so vielen Komponisten gesetzte : » Mi lagnero tacendo etc. « In der Tat war Kreislern dieses Lied vor allen übrigen gelungen . Der süße Schmerz der brünstigsten Liebessehnsucht war darin in einfacher Melodie mit einer Wahrheit , mit einer Stärke ausgedrückt , die jedes fühlende Gemüt unwiderstehlich ergreifen mußte . Julia hatte geendet , in das Andenken an Kreisler ganz und gar versunken , schlug sie noch einzelne Akkorde an , die ein Echo schienen ihrer innern Gefühle . Da ging die Türe auf , sie schaute hin , und ehe sie sich vom Sitz erheben konnte , lag Prinz Hektor ihr zu Füßen und hielt sie fest , beide Hände erfassend . Laut schrie sie auf vor jähem Schreck , doch der Prinz beschwor sie bei der Jungfrau und allen Heiligen , ruhig zu sein , ihm nur zwei Minuten den Himmel ihres Anblicks , ihres Worts zu gönnen . Mit Ausdrücken , wie sie nur die Raserei der heftigsten Leidenschaft einzugeben vermag , sagte er ihr dann , daß er nur sie , nur sie anbete , daß der Gedanke der Vermählung mit Hedwiga ihm schrecklich , todbringend sei . Daß er deshalb fliehen wollen , doch bald , von der Macht einer Leidenschaft , die erst mit seinem Tode enden könne , getrieben , zurückgekehrt sei , nur um Julien zu sehen , zu sprechen , ihr zu sagen , daß nur sie allein sein Leben , sein alles sei ! - » Fort , « rief Julia in trostloser Herzensangst , » fort - Sie töten mich , Prinz ! « » Nimmermehr , « schrie der Prinz , indem er in Liebeswut Julias Hände an die Lippen drückte , » nimmermehr , der Moment ist da , der Leben über mich bringt oder Tod ! - Julia ! Kind des Himmels ! Kannst du mich , kannst du den verwerfen , dessen ganzes Sein , dessen Seligkeit du bist ? - Nein , du liebst mich , Julia , ich weiß es , so sprich es aus , daß du mich liebst , und alle Himmel überschwenglichen Entzückens sind mir geöffnet ! « Damit umschlang der Prinz die vor Entsetzen und Angst halb ohnmächtige Julia und drückte sie heftig an seine Brust . » Weh mir , « rief sie mit halberstickter Stimme , » weh mir - erbarmt sich niemand meiner ? « Da erhellte Fackelglanz die Fenster , und mehrere Stimmen ließen sich vor der Türe hören . Julia fühlte einen glühenden Kuß auf den Lippen brennen , und schnell war der Prinz entflohen . Also - ganz außer sich , stürzte , wie gesagt , Julia der eintretenden Mutter entgegen , und mit Entsetzen vernahm diese , was sich begeben . Sie begann damit , die arme Julia zu trösten , wie sie nur vermochte , ihr zu versichern , daß sie den Prinzen zu seiner Scham aus dem Versteck , in dem er sich befinden müsse , hervorziehen werde . » O , « sprach Julia , » o , tue das nicht Mutter , ich muß vergehen , wenn der Fürst , wenn Hedwiga erfährt - « Sie fiel schluchzend an der Mutter Brust , ihr Antlitz verbergend . » Du hast recht , « erwiderte die Rätin , » du hast recht , mein liebes gutes Kind , niemand darf zurzeit wissen , ahnen , daß der Prinz sich hier befindet , daß er dir nachstellt , du liebe fromme Julia ! - Die im Komplott sind , müssen schweigen . Denn daß es deren gibt , die im Bunde sind mit dem Prinzen , hat nicht den mindesten Zweifel , da er sonst ebensowenig unbemerkt hier in Sieghartshof sich hätte aufhalten , als in unsre Wohnung schleichen können . - Unbegreiflich ist es mir , wie es dem Prinzen