Gelübdes , damit der Erbfeind nicht Macht haben möge , sinneverwirrendes Spiel zu treiben zur Qual der frommen Jungfrau . » Schwer , « sprach die Äbtissin , » schwer waren die Prüfungen , die die Jungfrau zu überstehen hatte . Der Feind wollte sie verlocken zum Bösen , und alles , was die List der Hölle vermag , wandte er an , sie zu betören , daß sie , ohne Böses zu ahnen , sündige und dann , aus dem Traum erwachend , untergehe in Schmach und Verzweiflung . Doch die ewige Macht beschützte das Himmelskind , und mag denn der Feind auch noch heute es versuchen , ihr verderblich zu nahen , ihr Sieg über ihn wird desto glorreicher sein . Betet - betet , meine Brüder , nicht darum , daß die Christusbraut nicht wanke , denn fest und standhaft ist ihr dem Himmlischen ganz zugewandter Sinn , sondern daß kein irdisches Unheil die fromme Handlung unterbreche . - Eine Bangigkeit hat sich meines Gemüts bemächtigt , der ich nicht zu widerstehen vermag ! « - Es war klar , daß die Äbtissin mich - mich allein den Teufel der Versuchung nannte , daß sie meine Ankunft mit der Einkleidung Aureliens in Bezug , daß sie vielleicht in mir die Absicht irgend einer Greueltat voraussetzte . Das Gefühl der Wahrheit meiner Reue , meiner Buße , der Überzeugung , daß mein Sinn geändert worden , richtete mich empor . Die Äbtissin würdigte mich nicht eines Blickes ; tief im Innersten gekränkt , regte sich in mir jener bittere , verhöhnende Haß , wie ich ihn sonst in der Residenz bei dem Anblick der Fürstin gefühlt , und statt daß ich , ehe die Äbtissin jene Worte sprach , mich hätte vor ihr niederwerfen mögen in den Staub , wollte ich keck und kühn vor sie hintreten und sprechen : » Warst du denn immer solch ein überirdisches Weib , daß die Lust der Erde dir nicht aufging ? ... Als du meinen Vater sahst , verwahrtest du denn immer dich so , daß der Gedanke der Sünde nicht Raum fand ? ... Ei , sage doch , ob selbst dann , als schon die Inful und der Stab dich schmückten , in unbewachten Augenblicken meines Vaters Bild nicht Sehnsucht nach irdischer Lust in dir aufregte ? ... Was empfandest du denn , Stolze , als du den Sohn des Geliebten an dein Herz drücktest und den Namen des Verlorenen , war er gleich ein freveliger Sünder , so schmerzvoll riefst ? - Hast du jemals gekämpft mit der dunklen Macht wie ich ? - Kannst du dich eines wahren Sieges erfreuen , wenn kein harter Kampf vorherging ? - Fühlst du dich selbst so stark , daß du den verachtest , der dem mächtigsten Feinde erlag und sich dennoch erhob in tiefer Reue und Buße ? « - Die plötzliche Änderung meiner Gedanken , die Umwandlung des Büßenden in den , der stolz auf den bestandenen Kampf fest einschreitet in das wiedergewonnene Leben , muß selbst im Äußern sichtlich gewesen sein . Denn der neben mir stehende Bruder frug : » Was ist dir , Medardus , warum wirfst du solche sonderbare zürnende Blicke auf die hochheilige Frau ? « - » Ja , « erwiderte ich halblaut , » wohl mag es eine hochheilige Frau sein , denn sie stand immer so hoch , daß das Profane sie nicht erreichen konnte , doch kommt sie mir jetzt nicht sowohl wie eine christliche , sondern wie eine heidnische Priesterin vor , die sich bereitet , mit gezücktem Messer das Menschenopfer zu vollbringen . « Ich weiß selbst nicht , wie ich dazu kam , die letzten Worte , die außer meiner Ideenreihe lagen , zu sprechen , aber mit ihnen drängten sich im bunten Gewirr Bilder durcheinander , die nur im Entsetzlichsten sich zu einen schienen . - Aurelie sollte auf immer die Welt verlassen , sie sollte , wie ich , durch ein Gelübde , das mir jetzt nur die Ausgeburt des religiösen Wahnsinns schien , dem Irdischen entsagen ? - So wie ehemals , als ich , dem Satan verkauft , in Sünde und Frevel den höchsten , strahlendsten Lichtpunkt des Lebens zu schauen wähnte , dachte ich jetzt daran , daß beide , ich und Aurelie , im Leben , sei es auch nur durch den einzigen Moment des höchsten irdischen Genusses , vereint und dann als der unterirdischen Macht Geweihte sterben müßten . - Ja , wie ein gräßlicher Unhold , wie der Satan selbst ging der Gedanke des Mordes mir durch die Seele ! - Ach , ich Verblendeter gewahrte nicht , daß in dem Moment , als ich der Äbtissin Worte auf mich deutete , ich preisgegeben war der vielleicht härtesten Prüfung , daß der Satan Macht bekommen über mich und mich verlocken wollte zu dem Entsetzlichsten , das ich noch begangen ! Der Bruder , zu dem ich gesprochen , sah mich erschrocken an : » Um Jesus und der heiligen Jungfrau willen , was sagt Ihr da ! « so sprach er ; ich schaute nach der Äbtissin , die im Begriff stand , den Saal zu verlassen , ihr Blick fiel auf mich , totenbleich starrte sie mich an , sie wankte , die Nonnen mußten sie unterstützen . Es war mir , als lisple sie die Worte : » O all ihr Heiligen , meine Ahnung . « Bald darauf wurde der Prior Leonardus zu ihr gerufen . Schon läuteten aufs neue alle Glocken des Klosters , und dazwischen tönten die donnernden Töne der Orgel , die Weihgesänge der im Chor versammelten Schwestern , durch die Lüfte , als der Prior wieder in den Saal trat . Nun begaben sich die Brüder der verschiedenen Orden in feierlichem Zuge nach der Kirche , die von Menschen beinahe so überfüllt war , als sonst am Tage des heiligen Bernardus . An einer Seite des mit duftenden Rosen geschmückten Hochaltars