Eh ' ich noch war erwacht ? Wo bliebst du Lieber im Morgen , Es hat dich keiner gesehn ; Mein Kind blieb mir verborgen , Ich sah es nicht in den Wehn . Ich sitze zwischen Seen In meiner Eltern Haus , Muß dienen und muß gehen Mit Pilgern ein und aus ; Viel Knaben Mitleid haben Mit meiner Traurigkeit , Ihr Trost könnt mich wohl laben , Ach , blieben sie nur heut ! Muß selber ihnen reichen Den Pilgerstab und Hut , Die Hand ich möchte reichen , Dem , der so traurig tut . Doch könnte er wohl meinen Ich liebte ihn wohl gar , So aber muß ich weinen Das ganze , ganze Jahr . Ein Pilger Die Pilgersleut vergaßen Den Rosenkranz im Haus . Sie kamen wieder , saßen , Bei diesem Ohrenschmaus ; So schön sie hörten singen Der Wirtin Töchterlein , Ganz heimlich zu ihr gingen Wohl in das Kämmerlein . Sie gaben ihr die Hände , Und nahmen sie auch mit , Daß sie zur Wallfahrt wende Den hohen , edeln Schritt , Zu jenen heil ' gen Gipfeln , Die Gottes Lieb erbaut , Wo in der Bäume Wipfeln Ihr Schmerzensbilder schaut . Da fand sie leer ihr Leiden , Sie fand ihr Herz so voll , Sang da zu aller Freuden , Daß hoch die Kirch erscholl ; Viel Knaben knieten nieder , Die Noten halten ihr , Sie dienen ihr wie Brüder , Und wie die Engel schier . Darum viel Pilger glauben , Cäcilien zu sehn , Mit Ros und blauen Trauben Sie da umwinden schön ; Ein Lämmlein zu ihr führen An einem roten Band , Mit hohen Kerzen zieren Der Kirche dunkle Wand . Da fühlet sie ein Wehen , Die Taube fliegt zu ihr , Mit tiefster Ehrfurcht sehen Die Lästrer auf zu ihr ; Mit hellen Blicken schauet Der Mutter Gottes Bild , Wer sich ihr ganz vertrauet , Dem zeiget sie sich mild . Der Graf konnte wohl den milden Blick dieses Gnadenbildes rühmen , auch er hatte ihn erfahren : eine grüne Insel stieg ihm empor aus dem schwarzen Meere , das ihn umwogte ; er glaubte ein ganz vertrautes Herz gefunden zu haben , die Gedanken schwanden ihm . Sein Begleiter war längst zu seinem Bruder gegangen , hatte sich der guten Klosterkost erfreut , die Zeit beseufzt , und die heiligen Bilder austeilen helfen ; der Graf aber ging aus einer Kapelle in die andere , jede schien ihm so wohnlich für den jetzigen Zustand seines Herzens . Es wurde dunkler und die bunten Glasfenster brannten nur noch in wenigen Strahlen , die auf ein Bild der heiligen Maria Magdalena fielen , wie sie die Perlenschnüre zerreißt , und ihre Tränen immer neue Perlen um sie säen . Er trat hinzu und berührte mit seinem Fuße einen Menschen , den er nicht bemerkt hatte ; er bat sanft um Entschuldigung . Es war eine Frau , die ausgestreckt vor dem Bilde lag ; aber da sie unbeweglich liegen blieb , auch kein Atemzug zu hören war , die ungewöhnliche Lage ihn auch etwas besorgt machte , so beschaute er sie näher , sie schien tot oder ohnmächtig ; er hob sie mit Mühe empor in einen Betstuhl , und derselbe Strahl , der ihm vorher die büßende Magdalena beschienen , zeigte ihm jetzt die geliebte Dolores tot oder ohnmächtig . - Bleibt der Atem lange , ewig aus ? - Ihre Schuld war ihm bei diesem schmerzlichen Zweifel so ganz verschwunden , verschwunden die traurige Zeit ; so still lag sie in seinen Armen , wie in seinem ersten Glücke . Taumelnd in Überraschung und Verzweiflung , trug er sie nach dem Weihkessel , und besprengte sie mit dem geheiligten Wasser , und wie die ersten tropfen ihre Schläfe benetzten , da regte sich ihr Haupt , sie schlug die Augen auf , aber sie erkannte ihn nicht . Wiederum fielen ihr die Augen zu , aber ein neuer segnender Regen erschloß sie wieder , sie blickte um sich , und erkannte den Grafen , der sie jetzt mit Küssen bedeckte - die ersten seit jener furchtbaren Nacht . Kaum konnte sie begreifen , wo sie sei , was ihr geschehen , aber in seinen Liebkosungen , in seinen Tränen überkam ihr wieder Besinnung und Erinnerung . » Ach , wir Unglücklichen ! « seufzte sie aus tiefem Herzen . Allmählich entlockte ihr der Graf wie sie nach dem Wallfahrtorte gekommen ; auch sie hatte bei dem Pater Martin gebeichtet , auch ihr hatte er zur Buße eine Wallfahrt anbefohlen , und sie , des Gehens ungewohnt , beschwert von ihrem Zustande , hatte sich in der Qual ihres Herzens einsam auf den Weg gemacht ; ihre Kräfte waren ganz erschöpft , als sie die Kirche erreicht , in deren kühlem Schoße sie das Bewußtsein ihrer Leiden verloren hatte . Sie bedurfte seiner liebevollen Sorgfalt , und er dachte nur an ihre strenge Buße , an ihre schmerzliche Reue ; die tiefe Berührung mit einer höheren Welt , die Tausende an sich zieht , die hier alle von einander getrennt sind , hob die harte Eisrinde , unter welcher der Strom ihrer Gefühle noch schmachtete ; nie redete sie dem Grafen so rein ansprechend , selbst nicht in der glücklichen Zeit , wie an diesem Abende ; er fühlte ein herrliches Ziel seiner Aufopferung , dies geliebte Wesen , das sich ihm jetzt so ganz ergab , zu der Vollendung hinzubilden , wie er in erster Liebe sie sich geträumt hatte . Traulich wanderte er mit ihr zurück , und als sich der Bruder Martin zu ihnen gesellte , und sie mit seinen törichten Reden störte , da fühlte er tief , daß aus dem Menschen , wo er an Gottes Stelle mit treuem Herzen sitzt , eine höhere Zunge spricht ; keine Vorstellung hatte der gute Mensch , wie sein Rat zu einer Wallfahrt sie beide so gnädig