Dankbarkeit seine Güte an , so wenig mich die Entfernung von Theophanien freuen konnte , die vor der Hand bis zu ihrer Vermählung in dem Wittwenhause blieb . Ich begleitete sie also blos zurück , und kehrte zu meinem Vater wieder , wo ich bereits meine gewohnten Gemächer mit allen meinen Sachen , die er schnell aus dem Quartier der Leibwache hatte abholen lassen , und noch überdies mit allen Bequemlichkeiten versehen fand , die meine Lage jetzt vielleicht nothwendig machen konnte . Mein Vater machte glänzende Anstalten zu unserer Vermählung . Theophania und ich hätten uns mit dem zehnten Theil aller dieser Pracht begnügt , aber wir hatten uns vorgenommen , in allen solchen äußerlichen Dingen ihm , der hierin einen so großen Theil seines Glückes setzt , gar nicht zu widersprechen . Sobald Alles gehörig bereitet war , führte ich Theophanien , als meine Gattin , in das väterliche Haus . Heliodor hatte uns getraut ; aber mein Vater äußerte sehr bestimmt , daß er die Braut seines Sohnes auf alt Römische Art in sein Haus aufzunehmen wünschte . Wir fügten uns auch diesem Wunsche , und so wurden Theophanien die Schlüssel des Hauses übergeben1 , Feuer und Wasser überreicht , die Sclaven vorgestellt u.s.w. ; und bis auf das Opfer am Altar der Laren , das ihre Religion verbot , verrichtete sie Alles mit einem Anstand und einer Liebenswürdigkeit , die , das sah ich wohl , ihr das Herz meines Vaters gewann . Seit der schwere Druck des Unglücks nicht mehr auf diesem zarten Gemüthe liegt , erhebt sie sich in stiller Heiterkeit , und einem reizenden Frohsinn , der sie zu einem von der ehemaligen Larissa ganz verschiedenen Wesen macht . Sie führt das große Hauswesen meines Vaters mit Leichtigkeit und Ordnung , und der frohe Greis scheint sich in dem Umgange seiner Kinder , deren Glück er als sein Werk betrachtet , zu verjüngen . So bin ich unaussprechlich glücklich . Nur Constantin ist mit mir unzufrieden . Mein schnelles Verzichtleisten auf die Reichthümer meines Vaters erregte einen Streit zwischen uns . Constantin ' s Geist , der große Absichten durch kräftige Mittel zu erreichen strebt , glaubt diese zum Theil in beträchtlichen Reichthümern zu finden . Er hat nicht Unrecht , aber mein Ziel liegt nicht ganz bei dem seinigen ; und der geliebte Sohn eines sehr gütigen Vaters , den nie ein Mißverständniß von seinem Herzen riß , hat keine Vorstellung von dem Preise , um welchen ein vernachläßigtes Kind die väterliche Zuneigung gern wieder erkauft . So bleiben unsere schuldlosesten , unsere heiligsten Freuden nicht rein . Ich habe Constantin seit jenem Streite nicht wieder gesehen . In einigen Tagen denke ich nach Synthium zu gehen , und dort in einsamer Stille und reiner Luft meine Kräfte ganz zu erholen . Mein Vater hat versprochen , mich oft zu besuchen . Dort , wo meine treffliche Mutter lebte , wo ihr schönes Daseyn so früh zerriß , wo wir als Kinder um sie spielten , werde ich mit Larissen leben - aber selbst im Arm der Liebe werde ich nie vergessen , daß du von mir getrennt bist , und Constantin mir zürnt . Fußnoten 1 Bei den Hochzeitfeierlichkeiten der Römer wurden der Braut beim Eintritt in das Haus ihres Gemahls die Schlüssel des Hauses , und Feuer und Wasser , als Symbole ihrer künftigen Herrschaft im Hause , dargereicht . 80. Calpurnia an ihren Bruder Lucius . Nikomedien , im April 303 . Einst war eine Zeit , wo ich Thränen und Kummer nur aus fremder Erfahrung kannte , oder ein seltner trüber Augenblick , eine leichte Sorge , ein bald zerstreuter Schmerz nur die hellen Farben in dem Gemälde meines Lebens durch seinen Schatten desto blendender erhob . O goldene Zeit , wo bist du hin ? Mir ist , als hätte ich bis jetzt in dem schönen Traume der Kindheit gelebt , und wäre erst hier in Asien zur Wirklichkeit , zur reisen Besinnung erwacht . Hesperien ! Schönes mütterliches Land ! Wie so ganz anders war es dort ! Wie glücklich , wie beglückend war dort mein Leben ! Und wie reizlos , wie düster ist es hier ! Meine arme Sulpicia werde ich schwerlich wieder sehen . Ihren letzten Brief erhielt ich vor einem Monate in eben der Zeit , wo ein frisch zerrissenes Band anderer Art mein Herz in trübe Stimmung versetzt hatte . Er enthielt Ahnungen ihres nahen Todes . Ich hatte das beinahe gefürchtet , als ich sie im vorigen Frühling in dem unseligen Synthium wieder sah . Ihr Zustand verschlimmert sich jetzt täglich , sie ist nicht mehr im Stande , zu schreiben . Vielleicht während ich dir dies sage , lebt sie nicht mehr . O meine Sulpicia ! Unglückliches , schuldloses Opfer einer allzutreuen Zärtlichkeit ! Vorgestern habe ich einen Brief von Tiridates erhalten , er war im Tone der düstersten Verzweiflung geschrieben . Jetzt , da er auf dem Punkte steht , sie auf ewig zu verlieren , ist seine Leidenschaft in ihrer ganzen Stärke erwacht . Ach , war es nicht ihr Verlöschen , was sie an den Rand des Grabes gebracht hat ? - Welcher Widerspruch im männlichen Herzen ! Die Aerzte , sagt er mir , geben beinahe alle Hoffnung auf . Beinahe ! An diesem schwachen Faden hält sich seine verzweifelte Liebe doch noch fest , und manchmal schimmert ein Hoffnungsstrahl durch das Dunkel seiner Seele . Armer Tiridates ! Er ist sehr unglücklich , und trotz aller seiner Schuld und seines Leichtsinnes kann ich ihn jetzt nur beklagen ; denn er leidet unaussprechlich , um so mehr , da sein Herz ihm heimlich Vorwürfe machen muß . So leiden denn alle guten Menschen , alle sind gequäkt . Und warum sind wir denn gut ? Warum thut nicht jeder für sich , was ihm die Klugheit räth , ohne sich um die Andern zu bekümmern ? O die Selbstsüchtigen sind die Glücklichsten , und