hatte leise Winen gesagt , seitwärts oben die schwarze Laube sei die blaue . In dieser wollte er die Beterin erwarten . Als er näher trat , flog aus der Laube Jakobine lustig heraus und warf ihm scherzend einen Schal über den Kopf und entführte ihn am Arme , um an seiner grünen Seite , sagte sie , die kostbare Nacht zu genießen . Ob er gleich nicht von weitem ahnte , mit welcher frechen Parodie der Morpheus des Zufalls den Menschen oft mit seinem Geschicke paare und entzweie : so widerstand doch der Spaß und die Freiheit und der Kontrast dem ganzen Zuge seiner höhern Bewegungen . Er setzt ' ihr eiligst auseinander , woher und womit er komme , und sah bedeutend nach der Kapelle , als werd ' er von dort aus stark erwartet . Jakobine scherzte schmeichelnd über Walts Damen-Glück und verschloß ihm den Mund durch das Überfüllen seines Herzens . Indes er nun äußerlich scherzend focht - und innen es auf allen Seiten überschlug , wie er ohne wahre Grobheit Jakobinens Arm von seinem schütteln könne : so sah er , wie vom Eingange des Gartens her , den General auf die Tochter loskommen , sehr freudig ihre Hand in seinen Arm einpacken und mit dem Engel der Sterne davon und nach Hause laufen . » Ach wie schnell gehen die schönen Sterne des Menschen unter ! « dachte Walt und sah nach den Bergen , wo morgen ein paar Bilder davon wieder aufgehen konnten ; und war nicht imstande , Jakobinen zu fragen , ob sie die Reize der schönen Nacht empfinde . Diese flog kalt vor dem Notar ins Haus und verschwand auf der Treppe . Er brauchte diesen Abend nichts weiter als ein Kopfkissen für seine wachen Träume und ein Stück Mondschein im Bette . Aber in der Nachmitternacht - so lange träumt ' er - fuhr wieder auf der Gasse eine Nachtmusik auf , welche Zablockis Leute abbliesen . Nachdem Walt die Gasse wie ein Lorettohäuschen in die schönste welsche Stadt getragen und niedergesetzt nachdem er die herrlichen Blitze des Klanges , die an den Saiten wie an Metalldraht herabfuhren , auf sich einschlagen lassen und nachdem er die Sterne und den Mond nach der irdischen Sphärenmusik in Tanz gesetzt - und nachdem die Lust halb aus war : so flatterte Jakobine , deren Flüstern er vorher fast im Nebenzimmer zu hören geglaubt , zur Türe hinein und ans Fenster , vor brennender Ungeduld , die Töne zu hören , nicht aber den Notar . Walt wußte nicht sogleich , wo er war oder bleiben sollte . Er schlich sich heimlich und leise aus den Kissen in die Kleider und hinter die Hörerin ; wie angezündeter Flachs war er in höhere Regionen aufgeflogen , ohne einen Weg zu wissen . Nicht daß er von ihr oder von sich etwas besorgte ; aber nur die Welt kannte er und ihre Parterres-Pfeifen gegen jedes kühne Mädchen , ein Unglück , wogegen er lieber sich von der zweiten Famas-Trompete jagdgerecht anblasen ließe , um nur das Weib zu retten ; - und er wußte kaum , ob er nicht aus der Stube so lange unvermerkt entflüchten sollte , bis die Aktrice in ihre heimgegangen . Sie hörte drei Seufzer - fuhr um - er stand da - sie entschuldigte sich sehr ( zu seiner Lust , da er gefürchtet , er habe sein eignes Dasein zu exkusieren ) , daß sie in ein besetztes Zimmer gekommen , das ihr , da es ohne Nachtriegel gewesen , frei geschienen . - Er schwur , niemand habe weniger dawider als er ; - aber Jakobinens Reinheit glaubte sich damit noch nicht rein gewaschen , sie fuhr fort und stellt ' ihm unter dem musikalischen Getöse , so laut sie konnte , vor , wie sie denke , wie ihr Nachtmusik in Mark und Bein fahre , an Fast- und Freitägen ganz besonders , weil da vielleicht ihr Nervensystem viel rührbarer sei , und wie dergleichen sie nie unter dem Bette lasse , sondern wie sie die erste beste Wasch-Serviette ( sie hatte eine um ) über den Hals schlage , um nur ans Fenster zu kommen und zu hören . Unter dieser Rede hatte eine fremde Flöte so närrisch mit feindlichen Tönen durch die Nachtmusik gegriffen und geschrien , daß diese es für angenehmer hielt , überhaupt aufzuhören . Jakobine sprach laut , ohn ' es zu merken , weiter : » Man überkommt dann Gefühle , die niemand gibt , weder Freundin noch Freund . « » Etwas leiser , Vortreffliche , ums Himmels willen leiser ! « sagte Walt , als sie den letzten Satz nach der Musik gesagt , » der General schläft gerade nebenan und wacht . Wohl , wohl ist meistens für ein weibliches Herz eine Freundin zu unmännlich und ein Freund zu unweiblich . « - Sie sprach so leise , als ers haben wollte , und faßte ihn an der Hand mit beiden Händen an , wodurch die dicke plumpe Serviette , die sie bisher mit den Fingern wie mit Nadeln zugehalten , auseinanderfiel . Er erfuhr , was Höllenangst ist ; denn das leisere Sprechen und Beisammenstehen , wußt ' er , konnt ' ihn ja jede Minute , wenn die Türe aufging , bei der Welt in den Ruf eines Libertins , eines frechen Mädchen-Wolfs setzen , der nicht einmal die Unschuld schonet , wofür er Jakobine hielt , weil sie sanfte blaue Augen hatte . » Aber Sie wagen beim Himmel zu kühn ! « sagt ' er . » Schwerlich , sobald nur Sie nicht wagen « , versetzte sie . Er deutete , was sie von seinen Anfällen sagte , irrig auf seinen unbefleckten Ruf und wußte nicht , wie er ihr mit Zärte die Rücksicht auf seinen ohne Eigennutz - denn ihr Ruf war ja noch wichtiger - in der größten Eile und Kürze ( wegen des Generals und der Türe ) auseinandersetzen