fuhren fort , ihren Unwillen zu äußern , und er , stumm zu sein ; dann setzten sie sich nieder , um zu essen . Es war dunkel , sie hatten nur eine Lampe , welche an der entgegengesetzten Seite des Tisches an einen tiefen Ast des Baumes gehängt war , der neben dem Tische stand , und der Italiäner saß völlig im Schatten . Da der Becher herumging , und die Reihe an ihn kam , zu trinken , war er weggeschlichen , ohne daß man ihn bemerkt hatte . Die Leichenmänner stutzen hierüber nicht wenig , denn sie waren nun wieder zu dreizehn , und einer stand deswegen auf , ihren Kameraden zu suchen und zu prügeln . Die Zurückgebliebenen aber ließen es sich indessen recht gut schmecken . Als der dreizehnte weg war , setzte sich der Italiäner wieder hin , und da sie ihn bemerkten , fingen sie an sich zu zählen , indem sie ihre Namen hintereinander her nannten , und als die Reihe an ihn kam , warf er mit einer Erdscholle die Lampe vom Baum , und schrie laut : eccomi . - Die Leute erschracken hierüber so sehr , daß sie auseinander liefen , um ihren Kameraden zu rufen , er aber nahm die große Leichenbrezel , kletterte , indem er sie um den Hals hängte , den Baum hinauf , und erwartete den Ausgang . Bald kamen die Leute mit großem Lärm zurück , sie hatten einen Fremden in ihrer Mitte , der sich lebhaft verteidigte . Da sie sich dem Tische genähert hatten , und einer ausrief , daß die Leichenbrezel auch fort sei , fragte der Fremde , wer gestorben sei , und als er den Namen Wallpurgens hörte , sank er an die Erde . Nun kam der Hausmeister mit Fackeln gelaufen , auch Wellner , Joseph und Marie kamen herbei , der Italiäner aber stieg bestürzt vom Baume , und ging nach der Kutsche , welche schon angespannt war , ließ die andern rufen , und sie fuhren weg . Joseph erzählte , daß er in der Verwirrung gehört habe , der junge Mensch sei der Mann , um dessenwillen Wallpurgis gestorben sei ; er habe sie besuchen wollen , und von ihrem Tode noch nichts gewußt , und als er zur Hintertüre des Gartens hereingekommen , sei er auf so eine lärmende Weise von den Leichenmännern empfangen und von ihrem Tode unterrichtet worden , daß er fast vor Schreck gestorben sei ; doch habe er sich nicht zurückhalten lassen , und sei gleich weitergeritten . Der Italiäner sagte nichts , und der ganze Tag hatte sich traurig und polternd geendigt . Den folgenden Morgen trennten sich Joseph und Marie unter vielen Schmerzen , sie und der Vater begleiteten ihn bis an den Hafen , und da das Schiff schon weit weg war , und sie nicht mehr ihre winkenden Schnupftücher sehen konnten , bedeckten Marie und der ferne Joseph sich die Augen und wendeten sich . Sie und der Vater waren beide sehr niedergeschlagen durch die ganze letztere Zeit , und die Munterkeit des Italiäners ward ihnen unangenehm . An Annonciaten und die Gräfin schrieben sie mehrmal , um sie zu bewegen , zurückzukommen , aber die letzte bat dringend , ihr Annonciaten zu lassen , und eröffnete zugleich ihren Willen , das Mädchen an Kindesstatt anzunehmen , wenn er seine Einwilligung dazu geben wolle . Sie schrieb : » Annonciata soll nichts davon wissen , es würde ihren gereizten Sinn vielleicht kränken ; aber lassen Sie es uns im Stillen über sie verhängen . « Von dem Mädchen lag folgender Brief dabei . Lieber Vater ! Deine Sorgen um mich sind nun meine einzigen Sorgen - Wallpurgis ist tot , und ich bin ruhig . Jemand so sterben sehen , giebt Ruhe , denn ein solcher Tod ist gastfrei , und wer zugegen ist , genießt alles mit : ich bin mit ihr ruhig geworden . Du sollst deswegen auch nicht mehr um meinen Zustand bekümmert sein , denn alles , was Bangigkeit und Unruhe in mir war , ist mit ihr hinübergegangen , und sie wirft einen stillen Abglanz ihrer Seligkeit in mein Herz zurück ; sie war immer ein freundliches , teilendes Wesen , und hat sich auch im Himmel nicht verändert . Es ist mir , wenn ich an sie denke , als stehe sie vor mir , empfange meine Gedanken , und gebe sie mir in einen stillen wohltätigen Strom von Ruhe gelöst zurück . Du kannst es nicht glauben , lieber Vater , was das für eine Empfindung ist ; mit allem bin ich versöhnt , und kann so glücklich hier im Garten herumgehen , denn in jeder Blume liegt mir das ganze Leben . Ich will deswegen recht offen mit dir reden , denn ich bin nun so , daß ich nichts mehr zu verbergen brauche , da auch in dieser Einigkeit meiner Seele jenes Verbergen ein Ende nahm : ob ich denke oder spreche , das ist einerlei . Ich weiß , wie du mich liebst , und wie du immer um mich besorgt bist . Die Erziehung ist etwas , was der Erzieher immer weiß , und ein Gemüt ist etwas , was er nicht weiß ; da er aber doch mit der sorgenden schönen Liebe , die ihn treibt , erziehen muß , so wird er sehr traurig , wenn er niemals das werden sieht , was er bezweckt . So warst du und Joseph immer traurig um mich , und ihr würdet noch viel trauriger geworden sein , wenn ich nicht die Hälfte des Verdrusses in mich genommen hätte , und obschon ich dadurch eure Einwirkung auf mich scheinbar wirkender machte , so erlag ich doch oft sichtbar dieser doppelten Tätigkeit des Selbstbildens und Sichbildenlassens , so daß dieser Betrug , den ihr in mir bemerktet , euch wieder kränkte . Sei versichert , lieber Vater , daß alles aus mir werden wird , was