welche zwischen einer weiten Landschaft und zwischen den reichbeladen ins Elysium hineinlaufenden Bergrücken thronte . Sie ließen ihn , da zu ihm wie zu einem , der im Luftschiff aufsteigt , die Töne der Erde nicht so weit nachreichten als die Gestalten , mehr reden als hören , wie man Alte schonet . Er sprach bald von dem , worin sein Herz atmete und lebte ; aber in einer sonderbaren , halb theologischen , halb französischen , Wolffianischen und poetischen Sprache . Man sollte von manches Schwärmers Poesie und Philosophie statt der VerbalRealübersetzungen geben , damit man sähe , wie die gold-reine Wahrheit unter allen Hüllen glühe . Spener sagt in meiner Übersetzung : » er habe sich sonst , eh ' er das Rechte gefunden , in jeder menschlichen Freundschaft und Liebe gemartert . Er habe , wenn er inbrünstig geliebt wurde , zu sich gesagt , daß er sich selber ja nie so ansehen oder lieben könne ; und ebenso könne ja das geliebte Wesen nicht so von sich denken wie das liebende , und wär ' es noch so vollkommen oder so eigenliebig . Sähe jeder den andern an wie er sich : so gäb ' es keine feurige Liebe . Aber jede fordere einen unendlichen Wert und sterbe an jedem unauflöslichen , deutlich erkannten Fehl ; sie hebe ihren Gegenstand aus allen heraus und über alle und verlange eine Gegenliebe ohne Grenze , ohne allen Eigennutz , ohne Teilung , ohne Stillstand , ohn ' Ende . Das sei ja das göttliche Wesen , aber nicht der flüchtige , sündige , wechselnde Mensch . Daher müsse sich das liebekranke Herz in den Geber dieser und jeder Liebe selber , in die Fülle alles Guten und Schönen , in die uneigennützige , unbegrenzte All-Liebe senken und darin zergehen und aufleben , selig im Wechsel des Zusammenziehens und Ausdehnens . Dann sieht es zurück auf die Welt und findet überall Gott und seinen Widerschein - die Welten sind seine Taten - jeder fromme Mensch ist ein Wort , ein Blick des All-Liebenden ; denn die Liebe zu Gott ist das Göttliche , und ihn meint das Herz in jedem Herz . « - - » Aber « - ( sagte Albano , dessen frisches energisches Leben aller mystischen Vernichtung widersträubte ) - » wie liebt uns denn Gott ? « - » Wie ein Vater sein Kind , nicht weil es das beste ist , sondern weil es ihn braucht . 115 « - » Und woher « ( fragt ' er weiter ) » kommt denn das Böse im Menschen und der Schmerz ? « - » Vom Teufel « , sagte der Greis und malte ununterbrochen mit verklärter Freude den Himmel seines Herzens aus , wie es immer umgeben sei vom all-geliebten All-Liebenden , wie es gar kein Glück und keine Gaben von ihm begehre ( die man nicht einmal in der irdischen Liebe wünsche ) , sondern nur immer höhere Liebe gegen ihn selber , und wie es , indem der Abendnebel des Alters immer dichter um seine Sinne ziehe , sich im Lebens-Dunkel immer fester von den unsichtbaren Armen umschlungen fühle . » Ich bin bald bei Gott ! « sagt ' er mit einem Glanze der Liebe auf dem vom Leben erkälteten und unter den Jahren einbrechenden Gesicht . Man hätt ' es ausgehalten , ihn sterben zu sehen . So steht der Montblanc vor dem aufgehenden Mond ; die Nacht verhüllt seinen Fuß und seine Brust , aber der lichte Gipfel hängt hoch im dunkeln Himmel , als ein Stern unter den Sternen . Liane hatte wie eine Tochter das Auge und die Hand nicht von ihm gelassen und jeden Laut schmachtend eingesogen ; ihr Bruder hatt ' ihn mit mehr Freude als Alban gehört , aber bloß um den mystischen Heros ganz in den mimischen Berg Athos seiner Nachbildung reiner abzuformen ; und Rabette hatt ' ihn wie in einer Kirche unter gläubigen - Nebengedanken angeschauet . Er entfernte sich jetzt ohne Umstände , um für seine Tiere zu sorgen , die er wie alles Unwillkürliche , z.B. die Kinder , wie aus der ersten Hand Gottes kommend liebte ; alles sei göttlich , sagt ' er , und nichts irdisch als das Unmoralische . Er konnte keine Bienen schwefeln , keine Blumen im Scherben-Käfig verdursten lassen , kein abgetriebnes , wundes Pferd ertragen und ging vor einer Fleischbank nur mit schaudernden Gliedern vorüber . » Wollen wir « ( sagte der Freund Karl ) » den herrlichen Abend auf der prächtigen Bergstraße einnehmen und dein Donnerhäuschen besehen und jeden Leidens-Kelch herunterwerfen in die Täler hinein ? « - Welche magische Nachbarschaft durchzogen sie nun auf dem gebognen Gebirge zum Donnerhäuschen ! Zur Rechten gleichsam den Okzident der Natur , zur Linken ihren Orient - vor ihnen das prangende Lilar in der Abendfeerei - der glänzenden Rosana in den Armen liegend - Ährengold hinter Pappelsilber - und darüber den Himmel , gefüllt mit lebenstrunknen lärmenden Wesen - und der Sonnengott schreitet über seinen Abend weg und bückt sich ein wenig unter der Mitternacht , um in Osten das goldne Haupt zu erheben . Albano ging an Lianens heiliger Hand voraus . » O wie ist alles so schön ! « ( sagt ' er ) » Wie rauschet die aufgeblätterte Weltkarte mit langen Flüssen und Wäldern - wie sonnen sich die Morgenberge in fester Ruhe - wie steigen die Haine mit glühenden Stämmen die Hügel hinauf man möchte sich in die rauchenden Täler stürzen und in die kalten glänzenden Wellen - ach Liane , wie ist alles so schön ! « - » Und Gott ist auf der Welt « , sagte sie - » und in dir ! « sagte er und dachte an das Wort des Greisen , daß die Liebe Gott meine und er im Herzen wohne , das wir ehren . Jetzt rollten ihm schon die großen Wogen entgegen , welche die Äolsharfe im Donnerhäuschen schlug ;