und Wehmuth eng durchwehten Genuß . Oft glaubte ich , jene Zeiten wirklich noch einmal zu durchleben ; Menschen und Begebenheiten traten mir lebhaft vor die Seele , und die den jüngern Jahren entsprechenden Gefühle ergriffen sogar zeitweise wieder Besitz von mir . Ich war gezwungen , hier zu lächeln , während dort Thränen meine Blicke verschleierten , Meine Jugend mit all ihren holden Träumen ist zerstoben , und dem mit dem Ernst des Lebens vertraut gewordenen Manne blieb Nichts , als die Erinnerung . Aber die Erinnerung hat einen milderen , weniger schmerzhaften Charakter angenommen , seit ich meine wechselvollen Erlebnisse in geordneter Weise niederzuschreiben vermochte . Mit viel Schwierigkeiten hatte ich oft zu kämpfen , um dem Tage einige Stunden abzugewinnen und die unterbrochene Arbeit wieder aufzunehmen . Doch es ist mir gelungen , und je größer die Hindernisse , welche sich mir entgegenstellten , um so lieber gewann ich meine Arbeit . Es ist ein umfangreiches Manuscript geworden , und um leinen Preis möchte ich es verlieren . Ich will es daher zurücklassen und , da ich den nächsten Winter ebenfalls wieder hier in meiner Abgeschiedenheit zu verleben gedenke , an einem sichern Ort vergraben . Sollte der Tod mich auf meinen nicht ungefährlichen Jagdzügen ereilen , so weiß wenigstens meine arme Mandanenwaise , wo ich meinen Schatz aufbewahrt habe . Sie wird ihn zu finden wissen und ihn einem Missionair zur Verfügung stellen , zugleich aber auch die fehlenden Blätter , welche mein Ende betreffen , leicht durch mündliche Berichte ergänzen können . Und doch , wer wird sich um das mir zugefallene Loos kümmern , wenn ich erst verschollen bin ? Niemand , Niemand ; nur Schanhatta trauert vielleicht eine kurze Zeit um ihren Wohlthäter , um ihn dann ebenfalls zu vergessen . Sei dem , wie ihm wolle ; fließt meinem Andenken nur eine einzige Thräne , so habe ich nicht ganz umsonst gelebt – und Schanhatta wird gewiß an meinem Grabe weinen . Armes Kind , es wäre vielleicht meine Pflicht , Dich im Laufe dieses Sommers auf einer Mission unterzubringen , um Dich der Segnungen der Civilisation theilhaftig werden zu lassen ; ist aber auch die verfeinerte Civilisation wirtlich ein Segen für Dich ? Und dann , wer sollte im nächsten Winter meine Einsamkeit mit mir theilen , wer sollte mir in meinen kleinen häuslichen Verrichtungen beistehen , mich auf meinen Ausflügen zu meinen Pferden und nach den Biberfallen begleiten ? Wer sollte meine Mokassins so schon sticken , meine wildledernen Kleidungsstücke ergänzen und mir die Speisen bereiten ? Wer endlich sollte mir in den Dämmerungsstunden oder vor dem flackernden Feuer , wenn ' s draußen stürmt und schneit , durch kindliches Geplauder die Zeit verkürzen , mit schüchterner , fast ängstlicher Aufmerksamkeit meine Nabenfeder beobachten , wenn sie über das Papier hinfliegt , und mir in späten Stunden , während ich arbeite , mit brennenden , in Fett getauchten Holzspänen und Rindenfasern leuchten ? Nein , gute Schanhatta , ein Jahr kannst Du immerhin noch bei mir bleiben ; Du zählst höchstens dreizehn Winter , außerdem lernst Du ja auch von mir . Hast Du aber erst Dein muthmaßlich vierzehntes Jahr zurückgelegt , dann , ja dann will ich mich gewiß von Dir trennen und Dich der väterlichen Fürsorge eines presbyterianischen Geistlichen übergeben , und die größte Freude soll es mir gewähren . Dich nach Jahren als die gebildete Gattin eines braven Grenzbewohners wiederzufinden . So schließe ich denn meine Winterarbeit , um sie auf wenigstens sieben Monate dem Schooße der Erde anzuvertrauen . Mitten in meiner Hütte will ich sie vergraben , gerade da , wo jetzt das Feuer brennt , und die letzte Zeit meines Aufenthaltes hindurch über meinem Manuscript den glimmenden Kohlenhausen schüren . Auf einer alten Feuerstelle suchen Indianer und Wölfe nicht leicht nach vergrabenen Schätzen ; selbst die bösen Geister der Eingeborenen verlieren vor einem Aschenhaufen die Witterung und werden sie daher mein » sprechendes Papier « unangetastet lassen . Um aber auch in der Erde das Papier vor Vernichtung durch Feuchtigkeit und Insecten zu bewahren , werde ich es mit einer vierfachen Hülle von am Feuer gehärtetem Büffelleder und Moschus umgeben ; und Moschus besitze ich ja in Fülle . Also auf Wiedersehen im Spätherbst ! Ende der ersten Abtheilung . Zweite Abtheilung : Am Missouri 1. Capitel . Die Mandanenwaise Erstes Capitel . Die Mandanenwaise . Da sitze ich wieder in meiner alten Hütte . Wer hätte es gedacht ? Statt der sieben Monate bin ich deren nur vier fortgewesen ; aber was habe ich in diesem kurzen Zeitraum erlebt ? War es nur ein Traum ? Waren es wirre Bilder einer aufgeregten Phantasie ? Nein , nein und nochmals nein ! Ich habe Alles erlebt , Alles war Wirklichkeit , und was mich jetzt umgiebt , ist ebenfalls Wirklichkeit ! Hier ist meine Hütte , dort , wo das Feuer brennt , Habe ich mein Manuscript unversehrt ausgegraben ; nur einige Wölfe hatten in der Asche ihre Spuren abgedrückt , sonst ist Alles unverändert geblieben . Alles unverändert , nur ich nicht . – Da liege ich mit wundem Knie vor dem bekannten , mir als Pult dienenden Felsblock ; das Schreiben wird mir schwer , und oft frage ich mich : Werde ich noch einmal vollständig gehellt werden , oder sollen Schanhatta ' s Bemühungen sich als vergebliche ausweisen ? Das liebe Kind , mit welcher Sorgfalt und Gewandtheit es meine schwere Wunde behandelt , und wie es mich mit rührender Aufopferung pflegt . Was könnte ich der armen Waise hinterlassen , im Falle ich stürbe ? Nichts , nichts , als etwas Geld und Pelzwerk , und endlich die von mir verfaßte Geschichte meines Lebens . Ach , es ist dies sehr , sehr wenig , und in meiner hülflosen Lage kann ich nur versuchen , mein Manuscript zu vervollständigen und dadurch dessen eingebildeten Werth zu erhöhen . Doch wo beginnen ? In meinem Kopfe wirbeln die Erlebnisse der letzten Monate