Wege zum Schlosse gesprochen . „ Warum halft Ihr aber dem schlechten Frauenzimmer davon ? “ fragten einige . „ Weil ich die Sache für sie in Ordnung bringen will . Ich verspreche Euch jede Genugtuung und eine bessere , als die ist , eine wehrlose Dame zu mißhandeln . “ „ Das ist ein rechter Herr , ein braver Mann ! “ brummten die Leute durcheinander . „ Der will ’ s auf sich nehmen — das ist rechtschaffen ! “ „ So kommt nun Ihr Leute und führt mich zu dem Keller ’ schen Hause . Nachher wollen wir mit einander sprechen . “ Die Bauern nickten befriedigt . „ Ja , ja ! ’ S ist schon gut . “ „ Kommt nur , kommt . “ Sie hatten nicht weit zu gehen bis zu der elenden strohgedeckten Hütte des Tagelöhners Keller . Eine hölzerne Freitreppe führte von Außen in das obere Stockwerk hinauf , denn zu ebener Erde lag der Stall und über diesem die Wohn- und Schlafstube , das heißt ein niederer Raum , in dem ein großes Familienbett , ein Kachelofen , zwei hölzerne Stühle und ein Tisch standen . An der Wand hing ein geschnitztes Kruzifix mit Totenkopf und Weihwasserkessel und darunter im Bette lag still und geduldig das kleine Käthchen , fast erdrückt von der schweren Decke und blickte mit umflorten Augen auf die Umstehenden . Die Mutter kniete jammernd neben ihr am Boden . Mehrere Weiber suchten sie zu trösten und gaben gute Ratschläge , wie schnell und sicher ein gebrochenes Glied wieder heile , wenn man der Mutter Gottes dasselbe in Wachs geformt opfere und es in der Kirche an ihrem Bild aufhänge . Die vielen wächsernen Körperteile aller Art , die wie ein Kranz das Madonnenbild bereits umrahmten , gaben ja Zeugnis von dem guten Erfolge dieses frommen Brauches . Frau Keller sollte nicht säumen , heute noch das Opfer zu bringen , denn gerade heute als am Himmelfahrtstage hatte es besondere Kraft . Frau Keller schüttelte den Kopf . Sie war verstockt in ihrem Schmerz und glaubte nicht an diese Art von Heilung . „ Der Kaspar , “ sagte sie , „ hat auch ein Bein bei der Muttergottes aufgehangen und noch dazu eines für einen Gulden ! — Was hat ’ s ihm denn geholfen ? Ist er nicht doch in der Stadt an dem Übel gestorben ? “ Am Ende des Bettes stand der Herr Pfarrer und hörte dem Gespräch kopfschüttelnd zu . „ Kolumbane , Kolumbane , “ begann er nun : „ Ihr lästert ! Wißt Ihr nicht mehr , was die Todesursache des Kaspar war ? Nicht die heilige Jungfrau klagt an — wie konnte sie dem Manne helfen , da er ihre Hilfe nicht abwartete , sondern sich von dem Rate der Hartwich leiten und das Bein abnehmen ließ ? Nicht seinem Übel ist er erlegen — die Freundschaft mit einer Feindin der Maria ließ ihn zu Schanden werden ! “ „ Ei nun , “ meinte eines der Weiber , „ man kann auch nicht wissen , ob ihn die Mutter Gottes nicht eben an dem Beine wieder zu sich gezogen hat ! “ „ So ? Da könnte sie mir auf diese Art mein Käthchen auch zu sich ziehen ! “ rief Frau Keller trotzig . „ Nein , nein — ich will mein Kind erhalten , sei ’ s auch von nun an ein Krüppel , — wenn ’ s nur lebt ! Ich bin stark und kann für ’ s Arbeiten . Wir werden uns schon durchbringen . Gelt , Käthi — Du willst noch nicht in den Himmel ? Gelt , Du willst bei Vater und Mutter bleiben , wenn ’ s auch nichts gibt als Schwarzbrot ? “ „ Ja , Mütterchen , ich will bei Euch bleiben , “ sagte das Kind mit seiner süßen Stimme und lehnte das Köpfchen matt an die Schulter der Mutter , die es schluchzend über die bleichen Wangen streichelte . „ Mütterchen , “ sagte es und seine Augen nahmen einen unbeschreiblichen Ausdruck an . „ Weine doch nicht so , es tut mir ja gar nicht weh . “ Da rang sich ein dumpfer Schrei aus der Brust der Frau hervor , und sie warf das Gesicht auf die Kante des Bettes : „ Kind , Kind , klage lieber , sei ungebärdig und jammere , — diese Geduld bricht einem das Herz . Man meint ja , Du seist schon auf dem Wege , ein verklärter Engel zu werden ! “ Auf der andern Seite des Lagers , welches mit dem Kopfende an die Wand stieß , standen zwei bisher stumme Gestalten , der Vater und der Schulmeister . Der Letztere blickte mit fast andächtig gefalteten Händen auf das Kind nieder , der Vater lehnte wie zerschlagen an der Wand und hatte das Gesicht verhüllt . Jetzt hob er den Kopf und sagte tief bewegt aber ergeben : „ Frau , faß Dich und nimm ’ s an , wie ’ s uns beschieden ist , wenn wir das Kind verlieren sollten , so war ’ s zu gut für uns und das glaub ’ ich auch fast . “ „ Väterchen , “ bat Käthchen , „ wenn Ihr so redet , da muß ich weinen , und dann weint Ihr noch ärger . “ Herr Leonhardt zupfte den Mann am Rocke und flüsterte ihm zu : „ Wir sollten dem Kinde durchaus Ruhe gönnen . Nehmt Euch zusammen und schafft die Weiber hinaus . “ „ Ja , das sage ich auch ! “ bestätigte Johannes , der schon einige Minuten unbemerkt unter der Türe gestanden . „ Ich bitte Euch , Ihr guten Frauen , laßt uns allein . Die vielen Leute in der engen Stube beängstigen die Kleine . Eure freundliche Absicht ist recht bedankenswert , aber zeigt sie jetzt dadurch , daß Ihr Euch entfernt . “ Die so wohlwollend Angeredeten