wollen , eine wahrscheinliche sinn- und zeitgemäße Schönheit , die kein Abfall von mehr oder weniger Zeichentechnik war , sondern bei der sich ' s leben und genießen ließ . Hatte ich nicht Zana , die menschliche Wildkatze , immer schon geliebt ? Plötzlich war es mir klar , daß ich seit je unter dem Banne dieses ganz andersartigen originalen Knochensystems gestanden hatte , ohne es recht anders als literarisch zu wissen . Jetzt aber brach die Leidenschaft grün aus mir hervor und all mein Vegetieren waren Gesänge zum Preise dieses Geschöpfes , das ich mit pflanzenkühlen Umarmungen beglückte . Zana , wir sprangen ins Boot und fuhren flußab , als der Strom eines Tages anschwoll ; wir gingen deinen Leuten durch , die sich untereinander spießten und brieten : Hunger litt ich , aber wir liebten uns wie Götter und ich lebte weiter dank deiner herrlichen Geschenke . Einen Wechsel noch hatte ich zu bestehen , ich , der Kranke und Fiebernde bekam den gesunden Geschmack und verlor erst jetzt die klebrigen poetischen Vorurteile meiner Kulturherkunft . Mit Seelenruhe sah ich Zana ins Gesicht ihres Totenschädels . Ich küßte ihre Hände , wenn sie nicht rein waren und gab mich hin vor dem Pflanzengeruche aus ihrem Munde . Sie war eine glühende wilde Südländerin , echte Rasse mit guterhaltenen Naturinstinkten . Sie war tausendmal besser und begabter als die schönen und eleganten Kreolinnen , die ich später in den Salons von Rio und an Bord des Doppelschraubendampfers Albatros kennen lernte . Ich liebte Zana nicht um ätherischer Eigenschaften willen , sie war eine treue Seele und eine Bestie , sie rettete mich und brachte mich allein in einem kleinen Nachen nach der Küste und sie schikanierte mich mit tausend weiblichen Abgefeimtheiten . Ich aber liebte eine gewisse Rundung an diesem Knochen und die Verapfelung eines Gelenkes am anderen , und hätte können Hymnen singen auf ihren weißen schmelzenden Blick zwischen den langsamen Schlitzaugen . Ich war weit zurückgegangen , ich hatte das Urweib gesucht , damit es mir , dem neuen Menschen , zur Seite stünde , wenn ich aus den Tropen , dem Urdasein der Menschen , in das ich studienhalber zur Synthese einer Zukunft verschwunden war , wieder auftauchte . Denn es war nicht gut , daß der neue Mensch allein sei - - und ich wäre auch ohne alle Hilfe nie nach Rio gekommen , abgesehen davon , daß mich meine Leute am Ende doch noch verspeist hätten ! Je länger ich nachdenke , desto mehr kommt Ordnung in meine verstreuten Erinnerungen . Ich bekomme Fahrwasser und alles wird sinnvoll , ich sehe mit Bewegung , wie Tatsachen und Symbole sich ergänzen und aufs selbe hinauslaufen . Meine Kameraden sind tot und ich habe sie beerbt . Slim , den ich so lange über mich stellte , hat mir sein Erbe hinterlassen . Ich bin dazu bestimmt , der neue Mensch zu werden , und ich habe mir das Weib gesucht , das zu mir passe , das Weib mit den gut erhaltenen Urinstinkten seiner Sinnlichkeit . Wir sind ein neues Erdenpaar , wir sind Adam und Eva und gondeln einsam einen verlassenen Fluß hinab . Nachts wimpeln uns grüne Sterne zu , wenn wir einander in den Armen liegen und eine neue Menschheit gründen , tagsüber zischt die Sonne auf unser Fell und sprengt Kniffe in unsere Systeme , daß wir hart würden , wie es uns gezieme . Denn die Menschheit soll hinfort mager sein wie ein Indianer . Slim also ist tot . Er starb einen plötzlichen , etwas unlogischen Tod , an den niemand gedacht hätte . Van den Dusen ist tot - er war verschwunden , als ich damals wieder im Lager lag und einen Ausweg aus dem Labyrinthe suchte . Ich aber , dem er ein Doppelgänger gewesen war , war Slims Nachfolger geworden . Slims großes furchtbares Erbe war mir zugefallen : ich besaß eine Art zweiten Gesichts . Und wenn ich auch die Geschehnisse in meinen Halluzinationen etwas verschob und meine Person durch den eigenartigen Verfolgungswahnsinn , der uns alle , Slim nicht ausgenommen , an einem gewissen Grade unseres Kollers ergriff , zu sehr in den Mittelpunkt rückte , so daß ich vieles ursächlich auf mich zurückführte , das von anderen getan worden war - so ist doch auch gewiß , daß sich die Ergebnisse meiner Visionen mit den Tatsachen deckten . Da hatte ich von dem Tode des Holländers phantasiert ; und nun blieb van den Dusen wirklich aus , er war verschollen . Dies steigerte meine Erregung zu krampfhaften Ausbrüchen , ich wollte mich erheben und ihn suchen , unterließ es aber aus irgendeinem Grunde . Es fand erst ein Ende , als ich beschloß , mit Zana aufzubrechen , eine Angelegenheit , in der wir uns mühelos erreichten . Wie das eigentlich geschah , ist mir allerdings nicht ganz klar . Die wenigen Spuren , die ich zu den Ereignissen besitze , sind in meinen Visionen enthalten . Ich weiß , daß ich mich mit Zana auf die Suche machte . Was war es - - - doch , es waren die Ruder , die sie in eben jenem eigentümlichen Augenblicke aus dem Wasser gezogen hatte , als ich sie damals im Fluß stehend antraf . Der Anblick dieser harmlosen Gegenstände hatte mich unbegründeterweise in einen solchen Zustand des Grauens versetzt , daß ich einen meiner schwersten Anfälle bekam . In diesem Zustande ahnte ich den furchtbaren Untergang des Holländers voraus . Ja , ich erinnere mich klar an diesen Zusammenhang , der mir zuzeiten verwischt erscheint . Damals entdeckte Zana die angeschwemmten Ruder und zog sie ans Land . Zwei von ihnen lagen zwischen den Klippen , auf denen damals der Alte saß . Wir hätten mit diesen beiden genug gehabt , da wir ja niemand mehr mitnehmen wollten . Aber es war doch besser , wenn wir alle beschlagnahmten ; zu Ersatzzwecken konnten wir vielleicht auch das dritte gebrauchen . Wir liefen