, Vater , lockt mich kein rednerischer oder dialektischer Ehrgeiz . Diesmal hab ich mir ein Gebiet abgesteckt , auf dem es mir hoffentlich möglich sein wird ebenso positive Arbeit zu leisten wie im Laboratorium . Ich habe nämlich die Absicht , mich , wenn es irgend geht , um nichts anderes zu kümmern , als um Fragen der öffentlichen Gesundheitspflege . Für diese Art der politischen Betätigung kann ich vielleicht sogar auf deinen Segen rechnen , Vater . « » Auf meinen ... ja . Aber ob auf deinen eigenen ... ? « » Wie meinst du das ? « » Auf den Segen , den man etwa innere Berufung nennen könnte . « » Du zweifelst sogar an der ? « erwiderte Berthold betroffen . Der Diener trat ein und brachte dem alten Doktor eine Visitenkarte . Der las sie . » Ich stehe gleich zur Verfügung . « Der Diener entfernte sich . Berthold , ziemlich erregt , sprach weiter : » Ich darf wohl sagen , daß meine Vorbildung , meine Kenntnisse ... « Der Vater , mit der Karte spielend , unterbrach ihn . » Ich zweifle nicht an deinen Kenntnissen , deiner Energie , deinem Fleiß . Aber mir scheint , um auf dem Gebiet der öffentlichen Gesundheitspflege was besonders zu leisten , dazu gehört , außer diesen vortrefflichen Eigenschaften doch noch eine , von der du meiner Ansicht nach sehr wenig besitzest : Güte , lieber Berthold , Liebe zu den Menschen . « Berthold schüttelte heftig den Kopf » Die Menschenliebe , die du meinst , Vater , halt ich für ganz überflüssig , eher für schädlich . Das Mitleid und was kann Liebe zu Leuten , die man nicht persönlich kennt , am Ende anderes sein führt notwendig zu Sentimentalität , zu Schwäche . Und gerade , wenn man ganzen Menschengruppen helfen will , muß man gelegentlich hart sein können gegen den einzelnen , ja muß imstande sein ihn zu opfern , wenn ' s das allgemeine Wohl verlangt . Du brauchst nur dran zu denken , Vater , daß die ehrlichste und konsequenteste Sozialhygiene direkt darauf ausgehen müßte , kranke Menschen zu vernichten , oder sie wenigstens von jedem Lebensgenuß auszuschließen . Und ich leugne gar nicht , daß ich in dieser Richtung allerlei Ideen habe , die auf den ersten Blick grausam erscheinen könnten . Aber Ideen , glaub ich , denen die Zukunft gehört . Du brauchst dich nicht zu fürchten , Vater , daß ich gleich damit beginnen werde , den Mord der Schädlichen und Überflüssigen zu predigen . Aber philosophisch geht mein Programm ungefähr darauf hinaus . Weißt du übrigens , mit wem ich neulich über dieses Thema ein sehr interessantes Gespräch gehabt habe ? « » Was für ein Thema meinst du ? « » Präzis ausgedrückt : ein Gespräch über das Recht , zu töten . Mit Heinrich Bermann , dem Schriftsteller , dem Sohn des verstorbenen Abgeordneten . « » Wo hast du denn Gelegenheit gehabt , ihn zu sehen ? « » Neulich in einer Versammlung . Therese Golowski hat ihn mitgebracht . Du kennst ihn doch auch , nicht wahr , Vater ? « » Ja « , erwiderte der Alte , » schon lang . « Und er fügte hinzu : » Heuer im Sommer hab ich ihn wieder gesprochen , bei Anna Rosner . « Wieder zuckte es heftig um Bertholds Brauen . Dann sagte er wie höhnisch : » So was ähnliches hab ich mir gedacht . Bermann erwähnte nämlich , daß er dich vor einiger Zeit gesehen hätte , wollte sich aber nicht recht erinnern wo . Ich schloß daraus , es müßte sich um eine diskrete Angelegenheit handeln . Ja . So hat es also dem Herrn Baron beliebt , seine Freunde bei ihr einzuführen ! « » Dein Ton , lieber Berthold , läßt vermuten , daß gewisse Dinge bei dir doch nicht so gänzlich überwunden sind , als du früher angedeutet hast . « Berthold zuckte die Achseln . » Ich habe nie geleugnet , daß mir der Baron Wergenthin antipathisch ist . Darum war mir ja diese ganze Geschichte von Anfang an so peinlich . « » Darum ? « » Ja . « » Und doch glaub ich , Berthold , würdest du der Sache anders gegenüberstehen , wenn du Anna Rosner irgend einmal als Witwe wiederfändest selbst im Fall , daß dir der verstorbene Gatte noch antipathischer gewesen wäre , als der Freiherr von Wergenthin . « » Das ist möglich . Man könnte dann doch annehmen , daß sie geliebt oder wenigstens respektiert worden ist , nicht genommen und weggeworfen , sobald der Spaß zu Ende war . Das hat für mich etwas ... nun , ich will mich nicht näher ausdrücken . « Der Alte sah seinen Sohn kopfschüttelnd an . » Es scheint wirklich , daß all die vorgeschrittenen Ansichten von euch jungen Leuten auf der Stelle hinfällig werden , sobald eure Leidenschaften und Eitelkeiten mit ins Spiel kommen . « » In Hinsicht auf gewisse Fragen der Reinheit oder Reinlichkeit weiß ich mich keiner sogenannten vorgeschrittenen Ansicht schuldig , Vater . Und ich glaube , auch du wärst nicht sehr entzückt , wenn ich Lust verspürte , der Nachfolger eines mehr oder weniger verstorbenen Baron Wergenthin zu werden . « » Gewiß nicht , Berthold . Besonders ihretwegen , denn du würdest sie zu Tode quälen . « » Sei unbesorgt « , erwiderte Berthold . » Anna schwebt in keinerlei Gefahr von meiner Seite . Es ist vorbei . « » Das ist ein guter Grund . Aber zum Glück gibt es einen noch bessern . Der Baron Wergenthin ist weder tot noch durchgegangen ... « » Auf das Wort kommt es wohl nicht an . « » Er hat , wie dir bekannt ist , eine Stellung in Deutschland als Kapellmeister ... « » Das hat sich gut getroffen . Er hat überhaupt viel Glück