' gebracht hast ! Willst du also , so kann morgen abend die Verlobung gefeiert werden . Willst du aber nicht , so versprich mir , dem armen Kind wenigstens das Herz nicht noch schwerer zu machen und heut ' abend nicht mehr auf den Marktplatz zu kommen . « » Das tu ' ich keinesfalls « , murmelte Sender . » Wenn du dich so entschließt , wie ich von Herzen wünsche , so kannst du kommen . Warum nicht ? Malke weiß noch nichts davon , daß Jossef Grün sich entschlossen hat , nein zu sagen , nicht einmal , daß ihr Vater morgen kommt . Ich weiß nicht , warum es ihr Jossef nicht sagen will . Sie ist also ganz unbefangen und wird dich erwarten und sich kränken , wenn du nicht kommst . Freilich , bleibst du bei deinem Nein , so ist es gleichgültig , ob sie sich von heut ' abend an fürs ganze Leben zu grämen beginnt oder erst von morgen mittag ! « Er reichte ihm die Hand . » Möge dich Gott zum Rechten führen « , sagte er warm und verließ die Stube . Draußen sagte er zu Frau Rosel : » Laßt ihn allein ! Fragt ihn nicht ... Der arme Junge ! « » Warum bedauert Ihr ihn ? « rief sie erschreckt . » Weil es ihm so hart fällt , glücklich zu werden « , erwiderte der Marschallik , nun wieder lächelnd . » Aber er wird glücklich , verlaßt Euch drauf . « Je näher er der Stadt kam , desto fröhlicher wurde er . Er hatte eine Komödie gespielt und sich in vielem an der Wahrheit versündigt , aber es war ja notwendig gewesen . » Für ihn ist ' s das Beste « , dachte er , » und für sie wohl auch . Meine Jütte sieht da zu schwarz . Ein Bursch wie Sender - warum sollte nicht auch Malke mit der Zeit glücklich werden ? Sie ist ja sehr verständig und ein jüdisch Kind - das findet sich in alles . « Fünfundzwanzigstes Kapitel Die Mutter folgte dem Rat des Marschallik . Sie ließ Sender allein . Wohl eine Stunde vernahm sie aus der Stube keinen Laut . Endlich trat er heraus , nickte ihr stumm zu und schlug den Weg in die Felder ein . Traurig blickte sie ihm nach . Es gab ihr einen Stich durchs Herz , wie bleich er war . » Er ist nicht mein Fleisch und Blut « , dachte sie , » aber doch ein Mensch wie ich . Wie hart ihm alles fällt , sogar sein Glück . « Und da täuschte sie sich nicht . Bitterhart wurde es dem armen Jungen . Zwar hatte er nun , während er ziellos über die Stoppelfelder dahinschritt und immer weiter in die Heide hinaus , bereits seine Wahl getroffen , eigentlich schon früher , während der Unterredung mit dem Marschallik , aber in seiner Brust war ' s darum nicht friedlicher geworden . Natürlich mußte er um Malke werben , nicht allein , weil es das Gewissen gebot und weil ihn die Gewißheit ihrer Gegenliebe berauschte , sondern weil es ihm glattweg unmöglich schien , künftig ohne sie zu leben . Aber sein Ziel ! Sein heißersehntes , so recht um den Preis seines Herzbluts angestrebtes Ziel rückte ihm nun in die Ferne . Freilich brauchte er nicht ganz darauf zu verzichten - der Marschallik hatte ihn erst auf diesen trostreichen Gedanken gebracht , aber der lag ja auch sonst nahe genug - gab es nicht auch verheiratete Schauspieler , war nicht auch Nadler verheiratet ? Hätte er um Malkes willen seinem Beruf entsagen müssen - ihm schauderte ; » wer weiß « , dachte er , » wie ich mich dann entschieden und ob ich es überlebt hätte ! « Drückte ihn doch nun schon der Gedanke zu Boden , daß er vielleicht ein Jahr länger harren mußte , denn gleich nach der Hochzeit konnte er ja doch nicht fort . Aber je weiter er in die herbstliche , rotschimmernde Heide hinausschritt , desto heller wurden seine Gedanken . Vielleicht brauchte er nicht einmal ein Jahr zu warten - Malke war ja kein gewöhnliches Weib , sie mußte sein Ziel verstehen und förderte ihn gewiß , statt ihn zu hindern . Vielleicht hatte auch sie Talent zur Kunst - doch nein , den Gedanken verbannte er , kaum daß er ihm aufgestiegen ; sein Weib , sein schönes , geliebtes Weib sollte nicht vor die Menge treten . Er allein - aber sie sein Leitstern , ihre Zustimmung sein schönster Lohn , seine Triumphe das Glück ihres Lebens . Er warf sich ins Heidekraut und schloß die Augen , um besser träumen , sich die Bilder der Zukunft ausmalen zu können ; ein seliges Lächeln lag auf seinen Zügen . Er hatte die Liebe , so lang er sie nicht kannte , an anderen komisch gefunden , eine » Narrheit « , die er nie mitmachen wollte - und so fremdartig war ihm diese Empfindung erschienen , daß er zweifelte , ob er je Verliebte werde spielen können . Dann , als sie unerwartet über ihn gekommen , hatte sie ihm Schmerz , Wirrnis und Aufregung genug gebracht , aber keinen Augenblick des Glücks . Nun aber flutete es auf ihn nieder , mit jedem Atemzug voller und reicher , daß er all die Seligkeit kaum zu ertragen vermochte . » O wie schön das ist « , murmelte er , » wie schön ... wie schön ... « und dann leise ihren Namen . Ihm wurde die Brust zu eng , er richtete sich auf , um leichter atmen zu können . » Wie schön ... « und plötzlich brachen ihm die Tränen aus den Augen und überfluteten sein Antlitz . » Ich Narr « , sagte er endlich lächelnd und wischte sich die Tränen fort . » Da liege ich einsam