, noch stärkerer Blitz die Stube ganz klar machte , sagte der Mann , welcher die Augen wie eine Doppelbüchse auf den Stuhl gerichtet hatte : » Sie ist es nicht , es ist nur ein weißes Tuch ; das Kaffeegeschirr steht auf dem Tisch , und das Kirchenbuch liegt dabei . Der Himmelteufel ist am Ende frömmer , als man glaubt ! « Judith aber flüsterte mir ins Ohr : » Der Schelm hätte dich jetzt ganz gewiß erblickt , wenn wir sitzen geblieben wären ! « Doch die gewaltigen Regengüsse , Blitz und Donner , die nun hereinbrachen , vertrieben den Späher vom Fenster ; wir hörten , wie sie ihre Kutten schüttelten und auseinandersprangen , um im Dorfe ein Unterkommen zu suchen , da sie alle weit von Hause waren . Als wir nichts mehr von ihnen hörten , saßen wir noch eine Weile ganz still auf dem Bette und lauschten auf das Gewitter , welches das Häuschen erzittern machte , so daß ich mein eigenes leises Zittern nicht recht davon unterscheiden konnte . Ich umfaßte Judith , um nur dies beklemmende Zittern zu unterbrechen , und küßte sie auf den Mund ; sie küßte mich wieder , fest und warm ; doch dann löste sie meine Arme von ihrem Hals und sagte : » Glück ist Glück , und es gibt nur ein Glück ; aber ich kann dich nicht länger hierbehalten , wenn du mir nicht gestehen willst , daß du und des Schulmeisters Tochter einander gern habt ! Denn nur das Lügen macht alles schlimm ! « Ohne Rückhalt begann ich nun , ihr die ganze Geschichte zu erzählen von Anfang bis zu Ende , alles , was je zwischen Anna und mir vorgefallen , und verband die beredte Schilderung ihres Wesens mit derjenigen der Gefühle , die ich für sie empfand . Ich erzählte auch genau die Geschichte des heutigen Tages und klagte der Judith meine Pein in betreff der Sprödigkeit und Scheue , welche immer wieder zwischen uns traten . Nachdem ich lange so erzählt und geklagt , antwortete sie auf meine Klagen nicht , sondern fragte mich : » Und was denkst du dir jetzt eigentlich darunter , daß du bei mir bist ? « Ganz verwirrt und beschämt schwieg ich und suchte ein Wort ; dann sagte ich endlich zaghaft : » Du hast mich ja mitgenommen ! « - » Ja « , erwiderte sie , » aber wärest du mit jeder anderen hübschen Frau ebenso gegangen , die dich gelockt hätte ? Besinne dich einmal hierauf ! « Ich besann mich in der Tat und sagte dann ganz entschieden : » Nein , mit gar keiner ! « - » Also bist du mir auch ein bißchen gut ? « fuhr sie fort . Jetzt geriet ich in die größte Verlegenheit ; denn die Frage zu bejahen , fühlte ich nun deutlich , würde die erste eigentliche Untreue gewesen sein , und doch , als ich versuchte ehrlich nachzudenken , vermochte ich noch weniger ein Nein hervorzubringen . Endlich konnte ich doch nicht anders und sagte : » Ja - aber doch nicht so wie der Anna ! « - » Wie denn ? « Ich umschlang sie ungestüm , und indem ich sie streichelte und ihr auf alle Weise schmeichelte , fuhr ich fort : » Siehst du ! für die Anna möchte ich alles mögliche ertragen und jedem Winke gehorchen ; ich möchte für sie ein braver und ehrenhafter Mann werden , an welchem alles durch und durch rein und klar ist , daß sie mich durchschauen dürfte wie einen Kristall ; nichts tun , ohne ihrer zu gedenken , und in alle Ewigkeit mit ihrer Seele leben , auch wenn ich von heute an sie nicht mehr sehen würde ! Dies alles könnte ich für dich nicht tun ! Und doch liebe ich dich von ganzem Herzen , und wenn du zum Beweis dafür verlangtest , ich sollte mir von dir ein Messer in die Brust stoßen lassen , so würde ich in diesem Augenblicke ganz still dazu halten und mein Blut ruhig auf deinen Schoß fließen lassen ! « Ich erschrak sogleich über diese Worte und entdeckte zugleich , daß sie nichts weniger als übertrieben , sondern ganz der Empfindung gemäß waren , die ich von jeher für Judith unbewußt getragen . Mit meinen Liebkosungen plötzlich innehaltend , ließ ich die Hand auf ihrer Wange liegen , und in diesem Augenblicke fühlte ich eine Träne darauf fallen . Zugleich seufzte sie und sagte : » Was tue ich mit deinem Blute ! - Oh ! nie hat ein Mann gewünscht , brav , klar und lauter vor mir zu erscheinen , und doch liebe ich die Wahrheit wie mich selbst ! « Betrübt sagte ich : » Aber ich könnte doch nicht dein ernsthafter Liebhaber oder gar dein Mann sein ? « - » Oh , das weiß ich wohl und fällt mir auch gar nicht ein ! « erwiderte sie , » ich will dir auch sagen , was du von mir zu denken hast ! Ich habe dich zu mir gelockt , erstens , weil ich wieder einmal ein wenig küssen wollte , was ich auch gleich hernach tun will , du bist mir dazu gerade recht ! Zweitens wollte ich dich als ein hochmütiges Bürschchen ein wenig in die Schule nehmen , und drittens macht es mir Vergnügen , in Ermangelung eines andern , den Mann zu lieben , der noch in dir verborgen ist , wie ich dich schon als Kind gern gesehen habe . « Mit diesen Worten packte sie mich und fing an , mich zu küssen , daß es mir glutheiß wurde und ich , nur um die Glut zu kühlen , ihre feuchten Lippen festhalten und wiederküssen mußte . Als ich Anna geküßt , war es gewesen , als ob mein Mund eine wirkliche Rose berührt hätte ; jetzt aber küßte ich eben einen heißen ,