zu suchen - - Kindheitsmärchen stiegen in seiner Erinnerung auf , er dachte an Rübezahl , an den Leibschneider der Zwerge , an » Schneewittchen über den Bergen , bei den sieben Zwergen « , an den Kobold Rumpelstilzchen und all die anderen Gestalten , deren Abenteuer er so gern gelesen und an deren Stelle er sich tausendmal gewünscht hatte . Jetzt war er so ein verzauberter , gefangener Märchenheld , der dem Bann des Hexenmeisters nicht früh genug aus dem Wege ging , und hinter dessen Schritten sich die Felsen , gehorsam ihrem Herrn , leise aneinander schoben , so daß er niemals wieder an die Oberfläche gelangte , - niemals zurück zu den Seinen . Ein Schauder überlief ihn . Der stille , bergestiefe See hoch über seinem Kopf , - das war merkwürdig beklemmend und seltsam . - - Sollte er rückwärts gehen oder weiter vordringen ? Er entschied sich für das Letztere . Vielleicht , machte er sich Hoffnung , liegt der Ausgang ganz nahe , - vielleicht sind es nur noch wenige Meter bis dahin . Und fast schien es , als sei diese Vermutung richtig gewesen . Der schmale Schacht lief aus in ein freies , weites Tal . Robert sah sich plötzlich von dem Druck der ihn umgebenden engen Felsmassen erlöst und atmete befreit auf . Aber als er näher herankam , - was war das ? Kleine Wasserlachen , glitzernd im Schein der untergehenden Sonne , hatten sich hier und da gebildet , kleine Vertiefungen waren mit bläulichem Schlamm überzogen , - ein unangenehmer Modergeruch erfüllte die Luft . Robert wollte nicht glauben , was sich seinen Augen gebieterisch aufdrängte . Er setzte den Fuß auf die schwarze , glatte Fläche , - aber er tat es zögernd , vorsichtig . Eine kleine Lache bildete sich sofort um seinen Fuß . Robert taumelte zurück vor Schreck - es war ein Sumpf , an dessen Rand die Felsspalte ausmündete . Er war wie betäubt . Jetzt mußte er den ganzen beschwerlichen Weg nach oben noch einmal suchen . Aber sollte ihn denn der Sumpf wirklich nicht tragen ? - Er versuchte es noch einmal . Aber umsonst , ganz umsonst . Wenn er fester auftrat , spritzte ihm der Schlamm entgegen . Halb verzweifelt entschloß er sich umzukehren . Ihm graute vor dem Rauschen des unsichtbaren Wassers . Er lief so schnell wie möglich an dieser Stelle vorüber und atmete auf , als er sie hinter sich hatte . Weiter , immer weiter hinein in das Felsenlabyrinth . Roberts Hände bluteten , aber er ließ nicht ab , einen Weg zu suchen . Oben am Himmel wurde es allmählich dunkel , - er mußte sich beeilen , wenn ihn nicht die Nacht überraschen sollte . Wieder hatte er einen Gipfel erklettert und hielt Umschau . Keine Verbindung mit den höhergelegenen Spitzen , kein Pfad , der von einer Kuppe zur andern geführt hätte . Robert preßte die Lippen zusammen . Er dachte nicht mehr , rechnete oder beobachtete nicht mehr . Seine Pulse hämmerten , zehnmal machte er denselben Weg , zehnmal kam er im Kreislauf an den eben verlassenen Platz zurück . - - Alle Schüsse bis auf einen , den er für den Fall eines Angriffs zurückhielt , gab er in die Luft ab , um möglicherweise den Lappen ein Zeichen zu geben , niemand antwortete , niemand hatte ihn gehört . Von Zeit zu Zeit machte er kurze Rast . Seine Schläfen hämmerten , Hände und Füße schmerzten , er atmete schwer . Wie lange noch würde er diesen ebenso fruchtlosen wie gewaltigen Anstrengungen standhalten können . Aber solche Augenblicke der Erholung waren kurz . Getrieben von innerer Unruhe sprang er schon nach wenigen Minuten wieder auf und begann noch einmal den Kampf . Und dann kam ein Augenblick , wo er sich für verloren hielt . Ein Felsblock , der nur lose gelegen haben mußte , - vielleicht vom Blitz einmal aus größerer Höhe herabgestürzt , - ein schwerer , platter Felsblock rollte unter seinen Füßen in eine tiefe Kluft hinein und riß ihn unwiderstehlich mit sich fort . Robert schloß die Augen ; er konnte nichts tun , um sich zu retten , und erwartete widerstandslos den letzten , vernichtenden Schlag . Auf dem Rücken liegend , das Gewehr in beiden Händen , glitt er auf dem großen Stein in die Tiefe . Aber er hatte Glück . Als der Block auf Klippen und Spitzen einen Halt gefunden hatte , konnte Robert unversehrt wieder aufstehen ; er war tüchtig durchgerüttelt und hatte die Knie blutig gestoßen , im übrigen jedoch schien der plötzliche Sturz keine schlimmen Folgen gehabt zu haben . Robert überblickte wieder die Gegend . Es war kaum noch hell und keine Zeit mehr zu verlieren , wenn er noch einen Versuch machen wollte , das Lager der Lappen vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen . Vorsichtig stieg er den nächsten Felsgrat wieder hinauf . Und da - welch ein Glück ! Da rauschte der Wasserfall in unmittelbarer Nähe , da stand er wieder in dem tempelartigen Raum , von dem aus er vor drei langen , fürchterlichen Stunden die Wanderung in das Innere des Berges unternommen hatte . Jetzt erst gönnte er sich eine längere Rast , um aufzuatmen . Der Rückweg war gesichert , die Zeit , zu der ihn Mongo erwarten mußte , war noch nicht überschritten und die Richtung des Lappenlagers leicht gefunden . Zwischen den Bergen , wo die Zelte standen , brannte ein Feuer , das durch die Dämmerung heriiberschimmerte . Robert trocknete den Schweiß von der Stirn . Wie wunderbar hatte ihn der fallende Stein gerade in dem Augenblick gerettet , als er sich verloren glaubte ! » Ich will vorsichtiger werden « , dachte er , » und ich will Mongo von der ganzen Geschichte kein Wort erzählen . Wenn ich zu unüberlegt handelte ; so habe ich auch genug Angst dafür ausstehen müssen , deshalb geht es