der Stelle zum Verzicht auf seine schönsten , innigsten Wünsche zu bringen wissen werde , wenn du mir dagegen deinerseits die Überzeugung liefern kannst , daß nach jener Seite hin alles gewonnen ist . « » Nein , nein , nein , das will ich nicht , das kann ich nicht ! « rief Tonie Häußler mit einem solchen Ausdruck des Schreckens , des Jammers und der Verzweiflung , daß der Edle trotz seiner Befriedigung ein wenig ängstlich seinen Stuhl zurückschob . » Er soll dein Haus nicht mehr betreten ; er ist mir nichts - er kann mir nie etwas sein . Ich habe selbst ihm deine Tür verschlossen ; aber ich habe doch keine Macht gegen ihn . O es soll alles so werden , wie du es verlangst ; nur verbiete du ihm dein Haus - auf den Knien bitte auch ich dich darum ! « » Mein armes Kind ! « sprach der Edle , mitleidig das graue Haupt schüttelnd . Er sprach weiter nichts ; aber er hielt einen Augenblick das Taschentuch Vor die Augen , zog es wieder herab , küßte die Enkelin auf die Stirn und verließ langsam mit einem tiefen , tiefen Seufzer das Zimmer . Vor der Tür schlug er ein Schnippchen , schob das Taschentuch in die Tasche , faßte das Kammermädchen am Kinn und sagte mit einem mehr als patriarchalischen Lächeln : » Du albernes Gänschen ! « Darauf zog er sich von neuem in seine Gemächer zurück und überlegte . Was tue ich nun ? - Wenn ich jetzt meinen eigenen Herzensbedürfnissen folgen wollte , so müßte ich dem Junker vom Lauenhofe nunmehr mit einem höflichen Gruß meine Ankunft melden und mich ihm mit allem , was mein ist , zu unbedingter Verfügung stellen . Ich könnte nicht herzlich genug gegen ihn sein ; ich könnte ihn nicht dringend genug von neuem auffordern , mein Haus als das seinige zu betrachten . Nein , nein , das wäre doch zu grausam , und auch aus Rücksicht auf den armen Basil wollen wir lieber diesen zartesten Saiten unseres Gemütes einen Drücker auflegen . Ja , ich werde nur höflich gegen den Tropf sein ; es ist doch , alles in allem genommen , das einfachste und deshalb das beste . Er setzte sich an den Schreibtisch und schrieb ohne viel weiteres Nachsinnen ein Billett an den » jungen nordischen Freund « , in welchem er demselben seine Heimkunft in Begleitung des Verlobten seiner Enkelin , des Grafen Basilides Conexionsky , ganz gehorsamst meldete und sich freute , die beiden Herren in den nächsten Tagen miteinander bekannt machen zu können . Dazu hoffte er , daß sich ein recht inniges Verhältnis zwischen den beiden Kavalieren herstellen werde , um dadurch ältere und neuere werte Bezüge für ihn - den Briefschreiber - in anmutigster Weise zu verknüpfen . Natürlich setzte er voraus , daß der Herr Hennig sich noch einige Zeit wenigstens in Wien aufhalten werde , damit auch er , Dietrich Häußler , imstande sei , wenn auch nur einen kleinen Teil der leider versäumten Gelegenheit nachzuholen und dem verehrten Gast nach seinen schwachen Kräften die Honneurs der Stadt an der blauen Donau zu machen . Damit schloß er und schickte noch am selbigen Abend einen Diener mit dem Billett in die Taborstraße ; und dann - dann gab es kein leichteres , wohligeres Herz in ganz Ahaliba als das Dietrich Häußlers Edlen von Haußenbleib . - - Es sind schon manche junge Leute ausgezogen wie Saul , der Sohn Kis ' , um ihres Vaters Eselinnen zu suchen , und haben statt derselben ein Königreich gefunden . Allein bei weitem die meisten dieser Günstlinge der Götter erkannten im gegebenen Fall den Wert dessen , was ihnen in die Hände fiel , durchaus nicht ; oder wenn ihnen vielleicht eine dumpfe Ahnung darüber aufging , so wußten sie sicherlich nichts damit anzufangen . In dieser gerade nicht sehr ehrenvollen Lage befand sich der Sohn der klugen Frau Adelheid , der Zögling des Ritters von Glaubigern und des Fräuleins Adelaide von Saint-Trouin - der Junker Hennig von Lauen . Es gehört immerhin ein fein organisiertes Geflecht der Nerven dazu , um die wirklichen Königreiche dieser Welt von den nachgemachten , den unechten , den scheinbaren zu unterscheiden , und der gute Junker war von der Natur , wie wir wissen , viel zu sehr begünstigt , um jemals durch seine Nerven veranlaßt zu werden , eine wirkliche Krone , die doch immer nur eine Dornenkrone sein kann , vor seinen Füßen vom Boden aufzuheben . Hennig von Lauen fühlte sich schon seit einiger Zeit recht unbehaglich , recht unglücklich in Wien und kam sich noch dazu vollständig Überflüssig daselbst vor . Seit jenem Morgen , welcher auf den Tag folgte , den er so heiter in der Gesellschaft der schönen Freiin Zoe auf ihrer Hietzinger Villa verbrachte , hatte das Leben in der heitern Stadt vieles von seinen Reizen für ihn verloren . Ohne irgendeinen Halt in sich oder in den Dingen außer ihm zu finden , trieb er sich verwirrt und melancholisch umher , und um gerecht zu sein , müssen wir sagen , daß ihm solches eigentlich nicht gerade übelzunehmen war ; denn er befand sich wirklich in einer bedenklichen , einer betrübten Lage . Er war dem nobelsten Antrieb seines braven Herzens an jenem Morgen nach dem Fest gefolgt , und die Tonie hatte ihm dafür die Tür vor der Nase schließen wollen . Dieses hatte er sich freilich nicht gefallen lassen , allein die letzte Harmlosigkeit im Verkehr mit der Jugendfreundin war nun gänzlich verlorengegangen , und er war ganz wohl imstande , das zu empfinden und sich recht darüber zu grämen . Nun war er selten für seine besten Freunde , und er hatte deren von allen Arten , zu Hause . Einsam trieb er sich in der schönen Umgebung der Stadt umher und suchte durch körperliche Anstrengungen die geistige Unruhe , die ihn hier festbannte