guten und ernsten Wort finden . Ich werde meine eigenen Vorbereitungen zur Reise treffen . Wenn Sie die - Kranke bewegen könnten , sich für einige Augenblicke niederzulegen , würden Sie ein großes Werk verrichten . « Wie dem Leutnant von Bumsdorf gab der Afrikaner nun auch noch dem Major Wildberg einen gedrängten Bericht über die Heimkehr Viktor Fehleysens , trat dann noch einmal in das Zimmer der Frau Emma und fand daselbst nichts verändert . Er versuchte es auch keineswegs , von Vernunft , Seelenstärke und Philosophie zu schwatzen , sondern nahm nur still und herzlich Abschied von der Majorin und zeigte an , daß er um acht Uhr mit einem Wagen vor der Tür halten werde . Nikola von Glimmern schien ihn kaum zu bemerken , und so verließ er das Haus und fand seinen Weg langsam zur Kesselstraße zurück . Dreiunddreißigstes Kapitel Die Stadt war jetzt so dunkel und still , wie nur eine kleine deutsche Residenz in so später Nachtzeit sein kann . Die Lampen an den Straßenecken und in den Häusern waren erloschen ; die Leute , welche von dem aufregenden Ereignis Kunde hatten , waren doch , bis auf wenige , mit demselben zu Bett gegangen , und jene wenigen saßen in ihren Winkeln , hinter dicht zusammengezogenen Vorhängen , und trugen gewiß nichts dazu bei , der Stunde einen Ausdruck von Lebendigkeit zu verleihen . Der munterste , helläugigste Bewohner der Stadt war vielleicht in diesem Augenblicke der Mann vom Mondgebirge , Herr Leonhard Hagebucher ! Er hatte unter der Haustür des Majors Wildberg einen tüchtigen Zug frischer Luft in sich gesogen ; er hatte durch einen Sprung über einen Schneehaufen die Gelenkigkeit seiner Glieder geprüft und alles im besten Zustande gefunden . Er fühlte sich leicht und frei , ungefähr wie ein Mann , der lange Zeit eine Büchsenkugel in der Seite trug , nun endlich das unbequeme Bleistück in der Hand hält , es mit aller Muße betrachten und , wenn er will , es an der Uhrkette befestigen oder die tiefsten philosophischen Untersuchungen über das Verhältnis desselben zu seinem physischen und moralischen Menschen anstellen kann . » Es soll mich wundern , was Täubrich-Pascha dazu sagt ! « sprach Leonhard Hagebucher , in der Kesselstraße vor seiner eigenen Haustür anlangend , und dann kam ihm ein Gedanke , welcher ihn um so schneller die Treppe hinauftrieb . » Teufel , wir haben uns auch ja sonst noch allerlei Konfessionen zu machen . O sedes sapientiae , wie kam der Bursche dazu , den Leutnant Kind in dieser Weise der Gesellschaft des Herrn von Betzendorff zu präsentieren ? « Eilig trat er in seine Stube und fand den Jerusalemitaner mit den Armen auf dem Gratulationsbogen und mit der Nase auf dem Gratulationsstrauß in vollständigster Geistesabwesenheit liegen und erschrak selbst heftig vor dem Angstschrei , den der träumende Schneider von sich gab , als er ihm , um ihn aufzurütteln , die Hand auf die Schulter legte . Einen gellen Schrei stieß der Pascha hervor , fuhr auf vom Tisch und gegen die entfernteste Wand , von welcher aus er verstörte Blicke umherwarf und mit den hagern Armen und Händen windmühlenhaft abwehrende Bewegungen machte . » Gut Freund ! Ich bin es ! Besinnen Sie sich , Täubrich ! « schrie der Afrikaner . » Wer ? Wer ? O Jesus , Erbarmen ! « Hagebucher nahm die Lampe vom Tische , trat mit derselben vor den Schneider hin , beleuchtete sich und ihn und sagte : » Überzeugen Sie sich gefälligst , daß niemand die Absicht hat , Sie zu fressen oder mit Ihnen durch den Schornstein auf- und davonzufahren . Fassen Sie sich - wen glaubten Sie vor sich zu sehen ? « » Immer ihn - meinen - guten Freund - den Herrn Leutnant - Kind ! « ächzte der Schneider . » O Gott , auf die nämliche Art pflegte er während Ihrer Abwesenheit stets zu kommen , um - mir - Gesellschaft - zu - leisten . Er hat mich aufgerieben durch seine - Zu-nei-gung ; und in dieser Nacht hat er sein Werk vollendet und mein - Ner-vensystem für alle Zeiten ruiniert . « » Kommen Sie , Täubrich « , sagte Hagebucher zuredend , » setzen wir uns und sprechen wir von dieser Nacht . Sie war freilich bewegt genug , und auch Sie haben Ihre Rolle darin gespielt . Wie kam der Leutnant in das Haus des Herrn von Betzendorff ? « » Wie er immer kommt ! Er stand hinter mir im Vorzimmer , und ein Dutzend Gläser mit Limonade gingen darüber zugrunde . Ich hab es schon gesagt , die Klapperschlange ist ein Engel gegen ihn - oh , er klappert nicht , kein Gedanke daran ! Er ist da , und man hat keinen Willen , solange er einen unter dem Auge hält . Ich stehe zwischen den Scherben , und er fragt gradso wie damals , als er zum erstenmal hierherkam und Sie abholte , Sidi Der Herr zu Hause ? Und dann weiß ich nur , daß er mich am Arm gepackt hält und daß ich einen andern Präsentierteller in den Händen trage und daß wir uns durch den Saal mitten durch alle die Herrschaften schieben und daß mit einemmal die Festivität in Aufsehen und Schrecken zu Ende geht und aus dem Vergnügen , Putz und Staat das allerschlimmste Durcheinander wird . « » Sie standen mit dem Leutnant hinter dem Stuhle des Herrn von Glimmern ? « » Ich mußte wohl ! Er hatte mich ja hingeführt ! Es war , als könne er die Sache durchaus nicht ohne mich abmachen . Ja , ich stand hinter dem Stuhle Seiner Exzellenz , und als dieselbe aufsprangen und sich gegen den Herrn Leutnant wendeten , ließ ich das Tellerbrett zum zweitenmal fallen , und dann - dann nahm die Frau von Glimmern meinen Arm und führte mich zurück durch den Saal , und das war noch schlimmer als der