. Vorwärts , auch in Ketten vorwärts , Wolf ; es ist wenigstens ein Trost , daß der Mensch nicht all und jede Verantwortlichkeit für sein Dasein und seine Wege und das Ende seiner Wege zu tragen hat ! Dreißigstes Kapitel Robert Wolf steht an einem Grabe und tritt an ein Sterbebett ; Konrad von Faber zeigt , wo und wie man Gold sucht Die erste Nacht , die Robert Wolf auf kalifornischem Boden zubrachte , verging , ohne daß der Schlaf seine Augen geschlossen hätte . In seinen Mantel gehüllt , lag er in der Hütte des Freundes und horchte den ruhigen Atemzügen Konrad von Fabers und dem fremdartigen Lärm der wunderlichen Stadt draußen , welcher die ganze Nacht hindurch nicht zu Ende kam . Gegenüber in einer Teebude krähte bis späthin eine chinesische Sängergesellschaft ihre mißtönigen Weisen ab . Ein malaiisches Gong sandte von Zeit zu Zeit seine dumpfen dröhnenden Klänge herüber . Einmal entstand Feuerlärm in der Ferne und dann wieder blutiger Streit in einem Spielhause in der Nähe . Betrunkene Menschenhaufen wälzten sich vor der Baracke vorüber , Revolver wurden abgefeuert ; Hunde heulten den amerikanischen Mond an , Pferde und Maulesel wieherten , rissen sich im plötzlichen Schrecken los und wurden von den Eigentümern mit wildem Geschrei durch die Gassen der Stadt verfolgt . Nebenan schrie der Säugling , die Mutter Anna erhob sich von ihrem Lager , und in all den Lärm mischte sich jetzt ein deutsches Wiegenlied . Ludwig Tellering richtete auch einmal im Traum sich von seinem Lager neben Robert empor und rief mit ängstlicher Stimme den Namen seiner Frau . Dazu die eigenen Gedanken und Schmerzen - das Grab des Bruders , die kranke verlassene Eva in den Bergen - es war eine böse , wirre Nacht , und mit Sehnsucht erwartete Robert den neuen Tag . Er kam , und als er kam , fielen , wie es zu geschehen pflegt , dem , welcher die ganze Nacht hindurch gewacht hatte , die Augen im ungesunden Schlummer zu . Und nun konnte selbst dieser Schlummer nicht lange dauern . Stand up , man , stand ! Free heart , free tongue , free hand . Firm foot upon the sod ! sang der Hauptmann Konrad von Faber , indem er den Schläfer an der Schulter schüttelte : » Auf , auf , Wolf , ' s ist Zeit zu marschieren ; in einer Viertelstunde müssen wir auf dem Wege nach den Bergen sein . « Robert sprang auf die Füße . Alles war bereits in Bewegung in der Bretterhütte . Heißer Kaffee aus Blechschalen - ein herzlicher Gruß , welchen die Frau Marie aus ihrer Kammer schickte - ein kurzer bewegter Abschied von Ludwig und seiner Mutter , und auf dem Wege zu Eva Wolf schritt Robert mit Konrad von Faber . Noch hingen milchweiße Nebel über dem Sacramento ; als sie sich lichteten , lagen die kahlen Höhen des Meeresufers hinter den beiden Wanderern , und der dichte Wald nahm sie auf in seinen Schatten . Eichen und Riesenfichten bedeckten die Berghänge , und die Sonne brach strahlend darüber hervor und warf ihren echten Goldglanz über Hügel und Tal und auf den Spiegel des Stillen Ozeans , der blitzend zwischen den Stämmen durchschimmerte . Noch einen letzten Blick auf das weite Meer ; dann tiefste Dämmerung des Urwaldes ! Ein Glöckchen erklang vor den Wanderern , sie überholten einen Trupp schwerbepackter Maulesel mit ihren mexikanischen Führern . Die bunten Serapen flatterten lustig im Morgenwind , die gebräunten Gestalten nahmen die Cigaritos aus dem Mund und nickten : » Buenos dias , Señores ! « Robert und der Hauptmann erwiderten den höflichen Gruß ; aber letzterer brummte : » Falsches , feiges Pack ! Hütet Euch vor diesen Burschen , Wolf « . Wieder Stimmen - welch eine seltsame Sprache redeten die Leute im Dickicht ! Chinesen waren es ; mit Schaufeln und Spaten , mit Hacken , Pfannen und Körben zogen sie zu den Minen . » Die Langzöpfe haben ein ganz verzweifeltes Glück « , sagte der Hauptmann . » Sie scheinen das Gold unter der Erde zu wittern wie das Schwein die Trüffeln . Aber kommt , Sir , wir wollen dort jenen Vorsprung erklettern ; es lohnt die Mühe . « Sie stiegen durch das nasse Gras ; und über den Wald hatten sie den ersten vollen Blick auf die Sierra Nevada . Drunten zogen Mexikaner und Chinesen weiter , und gell klang durch den Wald der ermunternde Ruf der Maultiertreiber : » Hippah , mulah ! hippah , mulah ! « Keuchend arbeiteten die Tiere , und Konrad von Faber erklärte : » Sie schleppen eine Dampfmaschine für eine Gesellschaft Amerikaner droben am Federfluß . Die Kerle haben sich in den Kopf gesetzt , einen ganz anständigen Nebenarm des Wassers abzuleiten , und es wird ihnen mit ihrem never give up gelingen . Vorwärts , Wolf . « An einer andern Stelle des Waldes trat ein schmutziger Indianer aus dem Gebüsch , fuhr beim Anblick der zwei Fremden erschreckt zusammen und schlich scheu in den Wald zurück , in welchem er , der Besitzer , nur noch ein kaum geduldeter Rechtloser war . Als der Tag sich neigte und die Nacht schnell den Wald füllte , setzten sich Faber und Robert an einem Feuer nieder , welches Landsleute , die sich ebenfalls auf dem Wege zu den Minen befanden , angezündet hatten . Diesmal schlief der junge Mediziner tief und fest , sei es aus übergroßer Ermüdung , sei es , weil die Wildnis ihren Einfluß auf das Kind des Winzelwaldes , den Sohn des Forstwarts vom Eulenbruch , ausübte . In den Sacramento ergießen sich vier größere Flüsse , der Featherriver , der Bearcreek , die American Fork und der Yuba . In diese Flüsse stürzen sich aus wilden Schluchten , Cañons genannt , Hunderte von größern oder kleinern Bergwassern , die jedoch im Sommer meistenteils versiegen und deren Betten und abschüssige Uferränder den