darauf . Arthur war mit dem Doktor F. weggegangen und die Räthin schloß sich in ihr Boudoir ein , um ruhig zu überlegen , was auf diese scandalöse Geschichte zu thun sei . Zweiunddreißigstes Kapitel . Im Fuchsbau . Der geneigte Leser wird sich vielleicht erinnern , daß wir ihn in einem früheren Kapitel in einen entlegenen Theil der Stadt führten , wo sich in der Nähe des großen Fruchtmarktes , in dem ältesten Theile der Stadt , ein Zusammenbau von alten massiven Häusern befand , die mit zahlreichen Gin- und Ausgängen auf verschiedene Straßen ziemlich sichere Schlupfwinkel waren für allerlei Leute , welche Ursache hatten , die Oeffentlichkeit zu scheuen und der spähenden Polizei nicht unter die Augen zu kommen . Diese Gebäude , in früheren Zeiten einzeln stehend , waren nach und nach durch Anbaue der verschiedensten Art vereinigt worden . Nach Bedürfniß hatte man Gänge angebracht , Mauern durchschlagen , Höfe überbaut und solchergestalt die Wohnungen unter einander verbunden , so daß aber das Ganze im Innern ein wahres Labyrinth wurde , durch welches den Ein- und Ausgang zu finden für einen Uneingeweihten sehr schwierig , ja in gewissen Theilen ganz unmöglich wurde . Hier befanden sich Ausgänge , die auf irgend einen finstern Hof mit vielen Thüren führten , wo ein des Weges Kundiger , wenn er gerade verfolgt wurde und nur wenige Schritte Vorsprung hatte , plötzlich verschwand , um durch einen andern Eingang des Gebäudes wieder zurückzukehren , ehe der Verfolger ihn zu Gesicht bekam . Der wirklichen Ausgänge auf die Straßen waren es außerordentlich viele , und obgleich man sie alle kannte , und es nicht schwer gewesen wäre , sie im Falle einer Durchsuchung zu besetzen , was übrigens schon häufig genug geschehen war , so zuckten doch die erfahrensten Polizei-Offizianten bei solchen Veranlassungen die Achseln und nannten das ein vergebliches Bemühen ; denn sie seien überzeugt , so sagten sie , es befänden sich da geheime Ein- und Ausgänge durch benachbarte Keller oder Gott weiß wo sonst , von denen Keiner von ihnen eine Ahnung habe . Natürlicherweise war aber der Sicherheitsbehörde der Eintritt in diese Gebäude durchaus nicht verwehrt und konnte sie hier ihren Amtsgeschäften nachgehen , so oft sie es für nöthig erachtete . Es wohnten hier eine Menge Familien von den verschiedenartigsten Gewerben , ja in einem Theile befanden sich sogar ein paar elegante Läden , sowie Werkstätten von Schmieden , Wagnern , Sattlern und dergleichen mehr . Von dem Ganzen besaß die hohe Polizei einen sauber gearbeiteten und sehr korrekten Grundriß , den man einstens durch den Stadtbaumeister aufnehmen zu lassen für nothwendig besunden hatte , und darin waren auch die Familien verzeichnet , wo sie wohnten , wie viele Zimmer sie inne hatten , und es wurde strenge darauf gehalten , daß die verschiedenen Aus- und Einzüge der Behörde augenblicklich gemeldet wurden . Obgleich nun so das ganze Anwesen scheinbar klar und durchsichtig vorlag , so war der Fuchsbau dennoch , wie wir schon oben angedeutet , eine wahre Räuberhöhle und wimmelte von Dieben , Betrügern und allem möglichen Gesindel mit seinem so nothwendigen und zahlreichen Anhang von Hehlern jeder Art. Wie oft hatte man auf dringenden Verdacht plötzliche Haussuchungen angestellt , ohne je etwas gefunden zu haben ; der gegründetste Verdacht war nie gerechtfertigt worden , und so fand denn auch die Gerechtigkeit keinen triftigen Grund , den Fuchsbau , wie man schon mehrmals in Vorschlag gebracht hatte , entweder ganz niederzureißen , oder in seiner ehemaligen Gestalt wieder herzustellen durch Entfernung der verschiedenen Anbaue mit ihren labyrinthischen Treppen und Gängen , - ein Vorschlag , dessen Ausführung übrigens auch noch wegen des Kostenpunkts und der Gefährlichkeit in baulicher Beziehung seine Schwierigkeiten gehabt hätte . Wir haben schon vorhin gesagt , daß das Ganze den Namen des Fuchsbaues hatte ; ein besonderer Theil hieß aber der Gasthof zum Fuchsbau , und in diese stillen Gemächer wollen wir den geneigten Leser unsichtbar einzuführen uns erlauben , was so ohne Gefahr geschehen kann , wogegen er in Wirklichkeit mit einem guten Rock bekleidet ein sehr unwillkommener Gast sein würde . Es ist draußen ein unheimliches naßkaltes Wetter ; Schnee , Regen und Wind jagen einander in den engen Durchgang hinein , von dem wir schon früher sprachen , und da bei dieser Hetze die erstgenannten leichten Gesellen verschmolzen und verflogen sind , ehe sie der Sturm recht erfassen kann , so läßt er nun seine Wuth an einer alten Laterne aus , die an rostigen Ketten von dem Gewölbe niederhängt und ächzend hin und her weht . In dem Durchgang befindet sich jene uns schon bekannte kleine eiserne Gitterthüre , von schweren Stangen gemacht , mit einem sehr soliden und künstlichen Schlosse , sowie oben und unten mit Riegeln versehen , die , wenn sie vorgeschoben sind , ungreifbar in das Eisen zurückfallen und nur durch eine künstliche Vorrichtung wieder zurückgezogen werden können . Hinter dieser Thüre beginnt eine schmale steinerne Wendeltreppe , die oben auf eine einzige , wieder verschließbare Thüre führt ; dann kommt ein gewölbter Gang , spärlich von einem stark eingetriebenen Gaslicht beleuchtet , auf welchen mehrere Thüren münden . Durch eine derselben treten wir geräuschlos ein und befinden uns nun in einem großen Gemache mit braunen Holzwänden , eben solcher Decke und einem mächtigen Kachelofen . Das Mobiliar desselben besteht aus langen , schweren , eichenen Tischen und Bänken ; in einem hohen Eckschranke sind Gläser und Flaschen aller Art verwahrt . Neben diesem Buffet befindet sich ein einzelner Stuhl , ein alter Lehnsessel , in welchem ein kleines vertrocknetes Weib sitzt , welches die Hände in den Schooß gelegt hat und das eine Kellnerin vorstellt . Sie scheint unachtsam vor sich hinzustarren , doch sieht ein aufmerksamer Beobachter , daß sie unter ihren grauen buschigen Augenbrauen die glänzenden kleinen Augen unruhig hin und her laufen läßt . Vor ihr liegt ein großer Hund , dessen zottiges Fell ihr als Fußschemel dient ; neben ihr , zwischen dem Eckschranke und der Wand