nie mehr , daß es der Rede wert . « Indessen schneller wurden ihm unwillkürlich seine Schritte , langsam rückten auch die Wetter herauf am Horizonte , zogen sich rechts , zogen sich links , feindlichen Armeen gleich , die sich bald in der Fronte , bald in den Flanken bedrohen , es ungewiß lassen , ob und wo sie zusammenstoßen . Das gefährlichste der Wetter zog seinen gewohnten Weg , obenein , da kam von dorther ein ander Gewitter rasch ihm entgegen , stellte seinen Lauf , drängte es ab von seiner Bahn . Gewaltig war der Streit , schaurig wirbelten die Wolken , zornig schleuderten sie einander ihre Blitze zu . Wie zwei Ringer einander drängen auf dem Ringplatze ringsum , bald hierhin , bald dorthin , rangen die Gewitter am Himmel , rangen höher und höher am Horizonte sich herauf , und je wilder es am Himmel war , desto lautloser war es über der Erde . Kein Vogel strich mehr durch die Luft , bloß ein Lämmlein schrie in der Ferne . Uli ward es bang . » Das kömmt bös , « sagte er . » Ich habe es noch nie so gesehen . Da ist ein großer Zorn am Himmel , wenn ich nur daheim wäre . Hageln wird es , so Gott will , nicht ; es ist mir wegen Einschlagen , es ließe mir niemand das Vieh heraus . In einer guten Viertelstunde zwinge ichs . « Wie er das für sich selbsten sagte , ward er scharf auf eine Hand getroffen . Er zuckte zusammen , sah um sich , sah einzelne Hagelsteine aufschlagen auf der Straße , durch die Bäume zwicken , nur hier und da einer , ganz trocken , ohne Regen , aber wie große Haselnüsse waren die Steine . Es wird doch nicht sein sollen , dachte Uli , und sein Herz zog sich zusammen , daß das Blut nicht Platz hatte in demselben , dessen Wände zu zersprengen drohte . Es hörte wieder auf . Uli dachte : » Gottlob , es wird nicht sein sollen , böser hätte es nie gehen können als gerade jetzt , so kurz vor der Ernte , und jetzt bin ich daheim oder so viel als . « Uli stund auf einem kleinen Vorsprunge , wo der Weg nach der Glungge abging und das ganze Gut sichtbar vor ihm lag , da zwickte ihn wieder was und zwar mitten ins Gesicht , daß er hoch auffuhr , ein großer Hagelstein lag zu seinen Füßen . Und plötzlich brach der schwarze Wolkenschoß , vom Himmel prasselten die Hagelmassen zur Erde . Schwarz war die Luft , betäubend , sinneverwirrend das Getöse , welches den Donner verschlang . Uli barg sich mühsam hinter einen Kirschbaum , welcher ihm den Rücken schirmte , verstieß die Hände in die Kleider , senkte den Kopf bestmöglich auf die Brust , mußte so stehen bleiben , froh noch sein , daß er einen Baum zur Stütze hatte , weiterzugehen war eine Unmöglichkeit . Da stund er nun gebeugt am Baume in den sausenden Hagelmassen , seines Lebens kaum sicher , fast wie an den Pranger gebunden , vor seinen vor kurzem so schön prangenden Feldern , welche jetzt durch die alles vernichtenden Hagelwolken verborgen waren . Uli war betäubt , keines klaren Gedankens fähig , er stund da wie ein Lamm an der Schlachtbank ; er hatte nichts als ein unaussprechlich Gefühl seines Nichts , ein Zagen und Beben an Leib und Seele , das oft einer Ohnmacht nahekam , dann in ein halb bewußtlos Beten überging . Das Zagen und Beben entstund eben aus dem dunkeln Gefühl , daß die Hand des Allmächtigen auf ihm liege . So stund er eine Ewigkeit , wie es ihm vorkam , in Fetzen schien Gott die Erde zerschlagen zu wollen . Da nahm das schreckliche Brausen ab ; wie eine milde , liebliche Stimme von oben hörte man das Rollen des Donners wieder , sah die Blitze wieder zucken , der Gesichtskreis dehnte sich aus , die Schlacht tobte weiter , die Wolkenmassen stürmten über neue Felder , rasch hörte der Hagel auf , freiern Atem schöpfte wieder der bis zum Tode geängstigte Mensch . Auch Uli hob sich auf , zerschlagen und durchnäßt bis auf die Haut , aber das fühlte er nicht . Vor ihm lag sein zerschlagener Hof , anzusehen wie ein Leichnam , gehüllt in sein weißes Leichentuch ; von den Bäumen hing in Fetzen die Rinde , und verderblich rollten die Bäche durch die Wiesen . Aber Uli überschlug den Schaden nicht , schlug die Hände nicht über dem Kopfe zusammen , fluchte nicht , verzweifelte nicht . Uli war zerknirscht , war kraftlos an Leib und Seele , fühlte sich vernichtet , von Gottes Hand niedergeschlagen . Ob er was dachte oder nicht , wußte er nie zu sagen . Er wankte heim , merkte Vreneli nicht , welches weit vom Hause die Knechte regierte , daß sie Einhalt täten den stürmenden Wassern , bis es ihm um den Hals fiel mit lautem Jubel und sprach : » Gottlob bist da ! Nun , wenn du da bist , ist alles wieder gut und gut zu machen . Aber was ich für einen Kummer um dich ausgestanden , das glaubst du nicht . Mein Gott , wo warst in diesem Wetter ! Gewiß im Freien , und kamst lebendig davon ! « Die freundliche Teilnahme weckte Uli aus der stumpfen Betäubung , doch bloß bis zu den Worten : » Es wäre vielleicht besser anders , mir wäre es wohl gegangen und niemand übel . « » Nit , nit « sagte Vreneli , » versündige dich nicht . Es ist übel gegangen , viel zu übel ; als es am stärksten machte , wollte es mir fast das Herz abdrücken , es war mir , als sollte ich dem lieben Gott zuschreien , was er doch denke . Da fiel mir