Scheiten . Der Boden , voll tiefer Aushöhlungen und brüchiger Stellen , war mit moderduftigen grauweißen Schwämmen oder mit riesigen Fächern großer Tüpfelfarren bedeckt , deren zarte , durchsichtige , in brennendem Roth glimmernde Fasern rastlos im Morgenwinde auf- und niederwogten . Rothbraune und schwarze Schnecken , die weißen , zierlich gewundenen Häuser auf ihren klebrigen Rücken , kletterten langsam auf die breiten Mooshäupter der erstorbenen Baumstümpfe und legten silberglänzende Streifen um die finstern krausen Stirnen , daß sie in dämmerndem Lichtschein mit blitzenden Diademen gekrönt schienen . Schwärme munterer Goldammern mit gelblich schimmernden Brustfedern flogen zwitschernd auf und sanken in kleineren Geschwadern wieder nieder , um hüpfend und flatternd die gefällten Tannen zu beschauen und aus Baumerde und Pflanzenleichen ihre Nahrung zu picken . Es war ein heiterer , stiller Herbsttag . Die Waldung rauschte harmonisch in mildem Luftzuge , ähnlich dem Meere , wenn es bei ruhigem Wetter nur säuselnde Schaumbrandungen an den Strandwänden hinaufrollt , als tauchten gaukelnde Wassergeister aus der Tiefe auf und mühten sich in ergetzendem Spiele ab , die harte , starre Erde zu erklimmen . Manchmal rauschte in sausendem pfeifendem Fluge ein Schwarm wilder Gänse oder in ägyptischer Hieroglyphengestalt die Pfeilwolke eines Storchgeschwaders über die Lichtung . Ohne diesen alltäglichen Erscheinungen die geringste Aufmerksamkeit zu widmen , begaben sich die Wenden an ihre Arbeit . In Gesellschaft verrichtet dies sinnlich heitere Völkchen auch die schwerste Arbeit stets unter Gespräch , Gesang , Gelärm . Auch an kräftigen Flüchen gebricht es ihrer Sprache nicht , wenn das Zugvieh nicht gehorchen will oder wenn irgend etwas am Wagen zerbricht . Ohne derartiges Unglück sind Holzfuhren nicht wohl denkbar . Bald bricht eine Achse , bald ein Ortscheit , bald stürzt der ganze Wagen in eine verdeckte Grube und Stunden mühsamer Arbeit reichen oft nicht hin , die schwere Last abermals aufzuladen , die scheu werdenden Thiere zu bändigen und vor Schaden zu behüten . Förstern und Vögten fiel es daher auf , daß alle Bauern an diesem so schönen und für einen Herbsttag in der Haide milden Morgen überaus wortkarg , ja völlig stumm waren . Alle sahen finster und mürrisch aus und verrichteten die Arbeit mit einem gewissen Verdruß , mit einem Widerwillen , den sie noch niemals gezeigt hatten . Die Aufseher schrieben diese ungewohnte Niedergeschlagenheit auf Rechnung des unerwarteten Todesfalles , denn es war bekannt , daß die meisten Haidebauern den alten Grafen wahrhaft geliebt hatten , da sie von ihm nicht in dem Sinne bedrückt worden waren , wie sie den Begriff der Bedrückung überhaupt faßten . Bis an den Hals in ihre groben , meistentheils schmierigen Schaafpelze gehüllt , eine blau und roth geränderte Zipfelmütze auf dem langen Haar , welche die Meisten noch über die Ohren herabzogen , wodurch der Ausdruck ihrer Gesichter etwas Stupides bekam ; so räumten sie die aufgeschichteten Klaftern ab und beluden damit ihre nicht immer sehr standhaften Wagen . Nicht einmal die Branntweinflasche , die der Wende doch sonst immer in der Sacktasche seines Pelzes führt , machte heut die Runde . War es nun , daß in Folge der Nüchternheit Aller durch nutzloses Lärmen und Reden keine Zeit verloren wurde , oder weil die größere Anzahl derselben am Abend dieses Tages nach Boberstein zu wandern beabsichtigte , um die Leiche ihres bisherigen Herrn auf dem Paradebett zu sehen und nach Sitte und Herkommen durch stilles Umwandeln des Sarges von ihm Abschied zu nehmen ; genug sämmtliche Frohnbauern verließen in verhältnißmäßig kurzer Frist den Holzschlag . Auch auf den schlechten , hundertfach durchkreuzten Wurzelwegen und in rollenden Sandtiefen geschah wider Aller Erwarten kein Unfall . Die zuerst im Walde erschienenen Bauern langten schon in der Mittagsstunde auf dem Zeiselhofe an und um zwei Uhr des Nachmittags war auch der letzte Wagen abgeladen . Für das Unterbringen und Aufschichten des eingebrachten Winterholzes hatten die Hofeknechte zu sorgen . Auch diese waren rasch zur Hand und betrieben das wenig schwierige Geschäft mit liederlicher Eile , da der Voigt noch immer krankte und der erste Knecht , welcher an des Voigtes Statt die Aufsicht führte , kein strenger Herr war . - Um die siebente Abendstunde , wo in der erwähnten Jahreszeit aus allen Haidedörfern , die von Wenden bewohnt werden , die freundliche Flamme der Heerdfeuer über das Blachfeld leuchtet , sah man an diesem Tage die flackernden Kienlohen erlöschen . Dann traten die Männer in Pelzen , mit Hacken , Heugabeln oder Knütteln bewaffnet , aus ihren niedrigen Häusern , Viele begleitet von Frauen und Mädchen , die in ihre weißleinenen Regentücher gehüllt , gleich wandelnden Gespenstern schweigsam durch Nacht und Dunkel schwebten . Auf verschiedenen Wegen , wie sie jeden Hausbesitzer in unmittelbare Verbindung mit seinen Saatfeldern setzen , verloren sich die stummen Wanderer in die Haide , deren schwarze Wand , von flackernden Sternen matt beglänzt , sämmtliche Dörfer umschloß . Erst unter den rauschenden Stämmen fanden sich Bekannte und Freunde zusammen und schritten nun truppweise immer tiefer in die Haide hinein . Unter einer dieser kleinen Abtheilungen begegnen wir Sloboda und Ehrhold , Clemens und dem Maulwurffänger , denen sich einige verhüllte Frauengestalten anschlossen . » Es bleibt doch immer ein Wagstück , Freund , « sagte Jan , zwischen Heinrich und Ehrhold auf unsichtbaren Pfaden grad nach Norden rüstig fortschreitend . » Läßt uns jetzt Dein Lips im Stiche , so sind wir ohne Gnade und Barmherzigkeit verloren und unsere Rücken werden es dann vier Wochen lang spüren . « » Ich tausche mit Dir , wenn ' s dahin kommt , « erwiederte der Maulwurffänger . » Zweifle doch nicht an dem einmal gegebenen Wort eines solchen Räubers , wenn er nun doch so heißen soll . Will er nicht Alles auf sich allein nehmen und sollt Ihr ihn nicht blos schützen ? « » So sagt er , und weil Du für ihn bürgst gehen wir jetzt auf Wegen der Finsterniß . « » Sie werden zeitig genug licht werden . Aber wo sind wir ? « » Zwischen