bewache , kein Mensch durfte die Stadt verlassen . Ein Ausrufer ging durch alle Gassen , und verkündete mit lautem Ruf : daß diejenigen , die vom Morde wüßten , bei härtester Strafe aufgefordert würden , die Umstände und Teilnahme anzuzeigen : wer Folge leistete , sollte belohnt werden , selbst wenn er am Verbrechen teilgehabt . In der Nacht vom zweiundzwanzigsten Dezember war Vittoria ermordet worden , und morgens früh um sieben Uhr am ersten Weihnachtstage kam schon von Venedig Bragadino mit unumschränkter Vollmacht , vom Senat , auf alle Gefahr , es möge Blut und Leben kosten , sich des Luigi Orsini , lebendig oder tot zu bemächtigen . Der Senat zu Venedig hatte diese unerhörte Freveltat , die Frechheit des Grafen nach den Berichten des Statthalters und den Aussagen Camillos , sowie des gefolterten Türhüters , sehr ernst genommen , da außerdem des Grafen eigenhändiger Brief für ein vollständiges Bekenntnis gelten konnte . Sogleich begaben sich Bragadino , der Kapitän und der Podesta in das Kastell . Es wurde Sturm geläutet , alle Glocken der Kirchen stürmten ebenfalls . Wohl noch niemals war das Fest der Weihnachten auf diese Weise in Padua begangen worden . Die ganze Stadt , groß und klein , vornehm und gering war in Aufruhr und Bewegung . Bei Lebensstrafe war geboten , daß alle Milizen , die Reiterei und alle waffenfähige Mannschaft sich vor das Kastell , das dem Palast Barbarigo nahe war , versammeln sollten , und , wenn es nötig wäre , diesen Aufenthalt des Orsini zu stürmen und mit Gewalt einzunehmen . Sowie der Tag ganz hell war , ward ein Aufruf erlassen , daß alle Einwohner bewaffnet herbeikommen sollten , wer nicht mit Gewehr oder Degen versehn wäre , was er begehre , im Kastell erhalten würde , um tot oder lebend den Luigi Orsini der Gerechtigkeit zu überliefern ; zweitausend Dukaten solle erhalten , wer den Grafen , fünfhundert Scudi , wer einen von seinen Leuten einbringe . Auch vom Lande wurden Männer herbeigerufen , um die Anzahl der Freiwilligen zu verstärken . Von allen Seiten wurden Wachen gestellt , damit keiner entrinnen könne . Auf die alte Mauer , dem Palast gegenüber , wurden Kanonen aufgepflanzt , Bollwerke wurden eilig an der Seite des Flusses errichtet , ebenso auf der Straße , damit die Leute sicher wären , wenn die Belagerten etwa einen Ausfall wagen sollten . Barken lagen mit Bewaffneten auf dem kleinen Flusse , damit auch hier keiner entkommen könne . Als von den Fenstern aus Orsini alle diese Anstalten gewahr wurde , schrieb er kalten Blutes einen langen Brief an den Senat von Venedig und den edlen Bragadino , in welchem er sich über diese Behandlung beschwerte , daß man ganz vergesse , welche Dienste seine Vorfahren der Republik geleistet hätten , daß man ihm selber die Statthalterschaft von Korfu anvertraut habe , und ihn jetzt auf einen oberflächlichen Verdacht hin ohne Ursach wie einen ausgemachten Verbrecher und Rebellen behandle . In der Nacht begaben sich auf Befehl einige Edelleute aus Padua zum Orsini . Sie fanden , daß Türen , Fenster und alle Zugänge mit Gerät , Brettern , Steinen , und was man hatte habhaft werden können , verschanzt waren . Die Männer rieten ihm , sich der Übermacht freiwillig zu ergeben , weil jeder Widerstand doch nur unnütz sein könne ; füge er sich , so möchte er vielleicht bei seinen Richtern noch einige Milde finden , sonst gewiß nicht , da der Senat auf keine Weise von seinem Entschluß abgehen würde , ihn in seine Gewalt zu bekommen . Er antwortete in seiner sichern Art , er wolle sich ergeben , doch nur , wenn man alle Truppen und Wachen von seinem Hause entferne , dann sollte man ihm , von seinen Vertrautesten begleitet , eine Unterredung mit Bragadino und den Vornehmsten gestatten , und ihm versichern , daß er nachher ungefährdet in den Palast zurückkehren könne . Bragadino war über diese Anmutung empört , daß er mit ihm , wie dem Gouverneur einer Festung , unterhandeln solle und verwarf unbedingt dies Ansuchen . Noch einmal gingen die Edlen zu ihm , er gab keine andere Antwort und erklärte fest , er würde sich bis auf den letzten Blutstropfen verteidigen . Nun machten die Belagerer ernstliche Anstalten . Einer der eifrigsten unter den Freiwilligen war Marcello , der Bruder der Ermordeten ; er hatte eine Compagnie der bewaffneten Bürger aufgestellt und verfuhr als ihr Hauptmann . Alles rührte sich , die Gewehre und Kanonen wurden geladen und auf das Haus gerichtet . Das Volk schrie , die Glocken stürmten , Bewaffnete zogen durch die Straßen , Neugierige versammelten sich auf den Plätzen und alles war in der bangsten Erwartung . Orsini lief durch die Säle des Palastes , ordnete an , und sprach seinen Freunden und den Gesellen Mut ein . Alle schrieen verwirrt durcheinander und schwangen die Degen . Da nahm der Graf Montemellino seinen Freund Orsini beiseit und sagte zu ihm : » Luigi , Ihr seht es doch wohl , daß wir verloren sind : meine Warnung wolltet Ihr nicht hören , und es ist gekommen , wie ich vorher sagte . Da keine Rettung ist , laßt uns wenigstens wie Soldaten sterben , und diesen Paduanern auf ewige Zeiten ein blutiges Andenken zurücklassen . Wir , die Obersten , scheuen den Tod nicht , und haben ihm oft genug ins Angesicht geschaut , aber auch der Geringste unserer Bande ist frech und tollkühn . So laßt uns denn alle zugleich unter diese Bürger und Milizen hinausbrechen , niedermachen , schießen , was wir erreichen : Ihr seht , wie vorsichtig , wie furchtsam sie sind , welche Haufen sie gegen unsere kleine Schar zusammengetrommelt haben . So fechten wir einen tapfern offenen Kampf in den Straßen , verfolgend und verfolgt , siegend und besiegt , und da gewiß keiner von uns entrinnen kann , und jeder dies sieht , so morden alle wie Verzweifelnde ,