würd er nicht drauf kommen ; was glaubt er wohl , daß mich so hochmütig macht ? - Ha ha ha ! - Das heißt : ich lach ! - Über was ? - Daß der Savigny nichts weiß von meiner zärtlichen Neigung für den Jud - und wie ich alle vornehme Leut nicht leiden kann , weil sie mir zu gemein sind , und weil kein Mensch im Haus weiß , warum ich als übermütig bin , und das ist heut einmal wieder , weil ich ein besonders angenehm Abenteuer hatte ; ich war im Garten , der am Berg liegt , und guckte über die Mauer und sah den Ephraim den Weg heraufkommen . Ich lehnt mich über die Mauer und ließ mein Sacktuch im Wind fliegen , daß er mich sehn sollt ; und wie er herankam , sprach ich mit ihm ein ganz Weilchen - aber nicht wie gewöhnlich die Menschen sprechen . Ich sagte ihm , daß es mir Freude mache , ihn wieder zu sehen und auch darum , weil mir sein Wesen einen Naturmoment vergegenwärtige , mit dem sich mein Gesicht und mein Gemüt näher verwandt fühle als mit jedem andern , ich sagt ihm , das sei die Dämmerung am Abend ; so komme mir sein Blick und sein ganz Wesen vor - wie Dämmerung , die über einer erhabnen Natur ausgebreitet sei ; in solcher Stunde ist mein Gesicht schärfer und mein Gefühl sehr zum Vertrauen geneigt . - Du kannst wohl denken , daß es der Mühe wert ist , mit ihm zu reden ; denn sonst wär ich darauf nicht gekommen , ihm so was zu sagen . Er sagte : » Die sichtbare Welt ist trüb , aber mit hellem Blick braucht einer nicht lang zu forschen , in wenig Zügen erkennt er , was ihm verwandt ist . « Ich sagte : » Aber wie erlangt man einen so hellen Blick ? « - » Man muß allein die Natur anschauen und kein Vorurteil zulassen , das gibt einen hellen Blick . « - Ich frag : » Traut Ihr mir das zu , daß ich die Natur mit hellem Blick anschau und ohne Vorurteil ? « » Ja ! « sagt er , » und ich weiß , daß ich nicht irre - und daß Sie scharfsichtig sind . « - » So hab ich also recht , wenn ich in euch einen begeisterten Mann erkenne ? « - » Zum wenigsten sind Sie dem Wahren näher als andre , die den Juden für einen gedrückten Mann halten , innerlich quillt die Freiheit , und ein Tropfen ist genug über alle Verachtung uns zu heben . « - Ich hörte Leute den einsamen Weg heraufkommen und brach ab , weil mir das Geheimnis schon zu lieb war mit ihm . Ich sagte : » Leb wohl , Jude , denk an unser Gespräch , und wenn du von deiner Reise heimkehrst , komm zu mir . « Wer mag nun schärfer sehen , der Savigny meinen Hochmut oder der Jud meinen vorurteilsfreien , zutraulichen Blick ? - Ich geb aber dem Savigny nicht unrecht ; denn was ist doch die überglückliche übermütige Lust , daß ich ihn mit dem Jud anführ , als nur Hochmut ? - Es haben mir ' s auch schon mehr Leut gesagt , noch wie ich Abschied nahm , sagte der Moritz , ich sei hochmütig , weil ich behauptete , ich gehe von Frankfurt , daß er seine fünf Bände lange » Delphine « abends vorlesen könne , wenn er damit fertig sei , wolle ich wiederkommen . Da schrie das ganze Teegewimmel auf mich ein , ich sei das hoffärtigste Ding von der Welt , für alles scheine ich mir zu gut , von nichts meint ich noch was lernen zu können , die » Delphine « , von der ersten Schriftstellerin Europas geschrieben , die ennuyiere mich ; wenn irgend jemand was Gescheites vorbrächt , so lege ich mich an den Boden und strample eine Weile mit den Füßen oder schlafe ein , aber jeder dumme Spaß mache mir Vergnügen . - Ich sag , ist das Hoffart ? Das scheint mir eher Unverstand zu sein , daß ich euch in eurem Genuß nicht nachkann . - » Ja , Hoffart ist eben Unverstand . « - Siehst Du ! - Es ist die allgemeine Ansicht . - Sie haben am End den Savigny mit angesteckt . - Nächstens schreib ich Dir von allem genauer , von der ganzen Gegend , von den Leuten , von unserer Wohnung . Meline wohnt mit mir ganz hoch oben am Berg , Savignys unten , alles ist hier terrassenförmig . - Adieu , ich muß der Meline helfen , einen Diwan für uns zurechtpolstern . Bettine An die Günderode Schon die dritte Woch ist ' s , und ich hab noch nicht geschrieben und Du auch nicht , was ist schuld dran ? - Ich hab in der Zeit die neugierig Gegend rund um mich durchspäht , auf dem Boden nach allen Seiten durch die Gaublöcher mich orientiert , im dichtesten Laubregen den Wald durchwallfahrtet , von einem hohen Stamm zum andern . Bäume sind Bäume , aber sie sehen doch verächtlich auf die Menschen herab , die um der Gesundheit willen so hastig unter ihnen herlaufen und nicht einmal den Blick zu ihnen hinaufrichten ; ich hab dort mit dem Savigny die ganze motionmachende Fakultät begegnet ; im mottenfräßigen Pelz , Nebelkappe , großen Filzschuhen und antiken Stiefelmanschetten durchkreuzen sie die Wege . Hügeliger Boden , dichtes Moos überglast vom Reif , reine kalte Luft , die herzhaft macht , alles neu , überraschend , die Muse führte mich über Stock und Stein und schenkte mir den ganzen Wald für Dich , ich hab auch bei jeder vornehmen Waldkrone stillgestanden und bis zum Wipfel betrachtet und zum Zeichen der Besitznahme mit dem Stock dran geschlagen , jetzt laß den alten