von selbst entwickeln . Die vorhandenen Mittel verlangten ihre Anwendung ; es war ein Stoff , der von selbst Feuer fing , an der gedrängten Zündkraft sich erhitzend . Ludwig folgte seiner Neigung ; aber diese Neigung war zugleich Besitz - Erforderniß seiner Nation . Es mußte sich ein Schauplatz finden für die Anwendung der Kräfte , der Talente , Erfindungen und Bestrebungen , die alle harrend dastanden und die Gelegenheit herbeilockten . Zwar war es dem Könige , wie allen Freunden des Marschalls Crecy , bekannt , daß Leonin nicht unmittelbar im Heere angestellt werden konnte ; aber der Feldzug , den man vorbereitete , war von dem seltensten Uebermuthe , von der zweifellosesten Sicherheit des Gelingens begleitet und , bei allen ernsten , kräftig und geschickt betriebenen Kriegsrüstungen , zugleich ein glänzendes , zu Felde ziehendes Hoflager . - Man kann sagen , daß vor dem Schauspiele einer Schlacht oder Belagerung die Zuschauer-Logen für den Hof erbaut wurden , die Alle nur verließen , um unter dem fröhlichsten Pompe in die Plätze und Städte einzuziehen , die ihre Sieger ihnen eroberten . Die Vorbereitungen entsprachen ganz den zu Anfang so entschieden eintretenden Erfolgen . Die Armee begleiten zu dürfen , war der Ehrgeiz des ganzen Adels . Da es unmöglich war , alle Gesuche um diese Ehre bewilligen zu können , und an eine Auswahl , eine Schranke gedacht werden mußte , so stellten sich die zahllosesten Intriguen ein , um auf Umwegen zum Ziele zu gelangen . Leonin befand sich jetzt so häufig in dem kleinen Zirkel der Königin , daß er an einem Platze in ihrem Gefolge nicht zweifeln mochte und die vorangehenden Glückwünsche mit einer Miene aufnahm , welche Alle in Ungewißheit ließ , ob seine Wünsche schon erfüllt wären und sein diskretes Schweigen nur irgend einer besondern Uebereinkunft zuzurechnen sei . Dies war aber noch keineswegs bestimmt . Leonin erschien jeden Abend mit derselben Hoffnung und kehrte mit derselben Täuschung zurück . Dies stachelte seine Eitelkeit bis zu einer Art Leidenschaft , und er sagte sich oft , dies müsse er doch erst um seiner Ehre Willen abwarten , und dann erst könne er den lange verschobenen Besuch in Ste . Roche unternehmen . Dagegen hörte Leonin zuweilen Aeußerungen , die ihn glauben machten , der König habe noch andere , ehrenvollere Pläne für ihn . Das unbegreifliche Vorenthalten eines Platzes , den so Viele mit geringeren Ansprüchen erreichten , war um so räthselhafter ; da in der Art , wie die Herrschaften ihn behandelten , ein Wohlwollen lag , welches diese Ansprüche zu erkennen schien . Madame Henriette lächelte eines Abends , als sie den jungen Grafen Crecy einige begeisterte Reden halten hörte , über das Glück , Waffen tragen zu dürfen , » Und wirkt unser Mittel noch nicht ? « sprach sie - » wird der alte Herr noch nicht ungeduldig ? « Leonin machte die verbindlich lächelnde Miene , die alle vornehmen Personen sicher haben , wenn sie von ihren Zuhörern nicht verstanden werden . Er dachte eine Frage einzuleiten ; da wendete sich Madame schon von ihm , indem sie , mit dem Fächer winkend , rief : » Geduld ! Geduld ! Sie sind ein zu guter Sohn , um sie so bald zu verlieren ! « Der junge Graf blickte ihr erstaunt nach , und der Marquis de Souvré , der den Grafen Guiche geschickt hatte , die gütige Fürstin in ihrem Gespräche zu unterbrechen , lachte der überraschten Miene Leonin ' s nach , für die er den Schlüssel führte . Er hatte durch die Freundschaft des Grafen Guiche , dessen tiefe , mit seinem Leben bezahlte Leidenschaft für Madame Henriette ihn zugleich zum Vertrauten der unglücklichen Fürstin machte , eine Gewalt über sie erhalten , die es ihn leicht finden ließ , sie zur Mitwirkung bei seinen Plänen zu bewegen . So versicherte Madame dem Könige , wie Leonin und die Marschallin noch immer hofften , den Eintritt des jungen Grafen in die Armee vom Marschalle zu erreichen ; der König möge nur seine Anstellung bei Hofe noch verzögern , wodurch dem alten Herrn endlich kein anderer Ausweg bleiben werde , als ihn dem Könige für die Armee anzubieten . Der König , der den jungen Mann bedauerte , weil er ihn aus Gehorsam gegen den Willen des Vaters von der gewünschten Laufbahn entfernt sah , fügte sich in den bittenden Vorschlag der Prinzessin ; und so erlebte Leonin alle die Täuschungen , welche so wohl berechnet waren , ihn leidenschaftlich zu erregen , zu vielen kleinen , gefügigen Schritten zu treiben , die ihn verwickelten und dem sorglosen Glückskinde ein Gefühl der Abhängigkeit , des Widerstandes und des Mißlingens zu geben , wovon sein Leben bis jetzt so frei geblieben war . In dieser Stimmung unruhiger Erwartung brachte er die Stunden in seinen Zimmern zu , ehe er zur Marschallin kommen durfte , die jede Gelegenheit , ihn allein zu sprechen , durch Louisens heitere , unschuldige Gegenwart vermied . Seine ungeduldige , mißmuthige Laune ward aber dies Mal unterbrochen ; - sein Kammerdiener , von einem Manne gefolgt , trat ein ; und als dieser mit großer Lebendigkeit auf Leonin zu eilte , erkannte er in ihm den zum Skelette entstellten Lesüeur . » Lesüeur ! « rief Leonin , und sein Gesicht überlief ein Purpur , der wol einen noch tieferen Grund , als den der Ueberraschung hatte . » Wie kommen Sie hieher ? « fuhr er fort , zerstreut und unruhig das Ungeschick dieser Frage überhörend . » Woher ich komme , mein Herr ? « rief Lesüeur - » Gewiß , ich kann nicht zweifeln , daß Sie sich dessen erinnern , da Sie mich ja selbst dahin geschickt ! « » Also wirklich von Ste . Roche ? « rief Leonin - nun sich zurecht findend und warm werdend . » O , dann haben Sie mir Viel , Viel zu erzählen ! Doch , erst ruhen Sie