an Tausenden , die ihn Bruder genannt , mußte er in den Augen der Meisten dastehen : das war die dunkle Seite seiner That . Daß er in seiner Lage so und nicht anders hätte handeln können , ohne ein fluchbeladener Verbrecher zu werden ; daß ein unter solchen Umständen ihm abgenommener Eid jede bindende Kraft verlor ; daß es pflichtgemäßer wäre ihn zu brechen , als ihn zu halten , würde seiner Überzeugung nach jeder Unparteiische und zuletzt auch die allgemeine Stimme ihm zugestanden haben , hätte er nur den Verdacht des Eigennutzes von sich fern halten können , wäre es nur möglich gewesen , diese wahrhaft kaiserliche Belohnung auszuschlagen , die zu erhalten er nie gedacht , und die dennoch von so unbeschreiblich hoher Bedeutung für seine ganze Zukunft , für das höchste Glück seines Lebens werden mußte ! Schien es ihm doch sogar in seinem Unmuthe , als blicke sein alter treuer Diener mit einer Art mitleidiger Verachtung ihn an , als er Herr Obrist ihn nannte , zu seiner Standeserhöhung ihm Glück wünschte und wegen der , durch dieselbe nothwendig gewordenen neuen Uniform , seine Befehle erbat ; denn die durch den Courier mitgebrachten Neuigkeiten hatten um mehrere Stunden früher sich in der Stadt verbreitet , als Richard selbst sie erfahren . Immer noch hatte er keinen klaren Begriff von dem ausgebreiteten Umfange der Folgen dessen was er gethan ; er hatte Momente in denen er wünschte , sie nie zu erfahren . Niemand war um ihn , der ihm tröstend zugesprochen hätte ; zu muthlos , um den Nachrichten entgegen zu gehen , welche er zu vernehmen erwarten mußte , zu ungeduldig , um sie unthätig an sich kommen zu lassen , stand er zögernd da . Ein heller Freudenschrei dicht neben ihm riß aus diesem trübseligen Zustande ihn auf , liebende Arme umschlangen seinen Nacken , seine Kniee , Thränen und Küsse bedeckten seine Hände . Der gute kleine Kapellmeister war es , der mit seiner Freude ihn wiederzusehen , mit seinem Danke für das was er vollbracht , ihn bestürmte , und nicht von ihm abließ , bis er spät wie es war ihn bewog , nach Hause ihn zu begleiten , wo Frau Karoline nicht minder freudig bewegt als er , mit ihren guten und bösen Nachrichten , ungeduldig seiner harrte . Des Fürsten Andreas Heimkehr , ob zufällig , oder auf äußere Veranlassung , möge dahin gestellt bleiben , traf fast gleichzeitig mit Richards Freilassung und der Ankunft des Couriers von Taganrog zusammen . gleich in der ersten Stunde fand eine derselben unmittelbar folgende Zusammenkunft zwischen ihm und dem Minister Statt ; sie währte lange , bis tief in die Nacht hinein , und endete mit anscheinender Zufriedenheit beider Theile . Doch schon am folgenden Morgen gingen große Veränderungen , sowohl im Hotel des Fürsten Andreas , als in dem seines Schwiegersohns , des jungen Fürsten Konstantin vor , die auf baldiges schnelles Verlassen des bisherigen Wohnsitzes dieser beiden Familien deuteten , und zwar auf längere , anscheinend sehr lange Zeit . Gegenstände wurden eingepackt und zum Mitnehmen bereitet , die man sonst stets unberührt an ihrem Platze gelassen ; seltne oder sonst sehr kostbare Bücher und Handschriften aus des Fürsten Andreas Bibliothek , große Gemälde berühmter Meister , Kostbarkeiten , Kunstgegenstände aller Art ; es sah beinahe aus , als sollten nur die kahlen Wände zurück bleiben . Im strengsten Kontraste mit diesem lärmenden Treiben standen die von der fürstlichen Familie bewohnten Zimmer im Innern des Gebäudes ; dort herrschte ängstliche Stille , nur leises Geflüster war hörbar , und lautloses Umherschleichen wie auf Socken . Der Fürst saß in seinem Kabinet , vertieft in Geschäften ; ließ nur diejenigen seiner Untergebenen vor sich , mit denen er dergleichen abzuthun hatte , und nahm keinen andern Besuch an . Mitchell im Vorzimmer desselben , wie angemauert hinter seinem Schreibepulte , umgeben mit ellenlangen Rechnungen , Courszetteln , Preiscouranten , schien dort als Schildwache angestellt , und that über alle Maaßen wichtig . Die Fürstin Eudoxia hatte einen Rückfall ihrer Krankheit erlitten , auch sie ließ alle Besuche sich verbitten , Helena durfte weder bei Tag noch bei Nacht ihr von der Seite weichen . Gleich allen Übrigen wurde auch Richard abgewiesen , seine Verzweiflung war grenzenlos . Frau Karoline wollte es unternehmen , ihm Nachricht von Helena zu bringen , aber auch ihr wurde , obgleich auf sehr höfliche Weise , der Zutritt für jetzt verweigert ; selbst die kleine Zoë , an die sie , um doch nur etwas zu erfahren , sich wenden wollte , war nicht zugänglich ; das arme Kind durfte keinen Augenblick von dem in der Nähe ihrer Gebieterin ihr angewiesenen Posten sich entfernen . Bis zum grauenden Morgen wanderte Richard die Nacht hindurch um die Mauern des Palastes herum , der einst auch seine Wohnung gewesen , wie ein unseliger Geist die Stätte umwandelt , wo er seine Schätze vergraben ; und blickte hinauf zu dem vom Schimmer einer Lampe matt erleuchteten Fenster , hinter welchem Helena am Krankenbette ihrer Mutter wachte . Später eilte er seiner Wohnung zu ; auch dort fand er weder die körperliche noch die geistige Ruhe , deren er so nöthig bedurfte . Der Wunsch zu erfahren , was , wie er wohl sah , Freunde und Bekannte ihm zu verhehlen strebten , quälte ihn unsäglich : man ging nicht wahr , nicht offen mit ihm um , das merkte er deutlich . Die ihm wohl wollten , verschwiegen ihm aus Schonung , was er am Ende doch erfahren mußte , und seiner Ansicht nach je eher je besser ; die Andern machten sich davon , sobald sie die Neugierde befriedigt hatten ihn zu sehen , nun er eine gewisse Notabilität erlangt hatte , und wollten erst abwarten , auf welchem Standpunkte er festen Fuß fassen würde , ehe sie über ihr künftiges Betragen gegen ihn sich entschieden . Was hilft mir die Meinung , das Lob oder der