Unmögliche ; das Mögliche , Verständige besitzen wir ja immerdar , und wir haben es ja nur , weil wir gar nichts darum und davon wissen , und wir achten es auch deshalb nicht , und können es nicht achten , wenn wir auch wollten . Schon in frühen , alten Zeiten hat man die sogenannten Giganten darüber bitter kritisiert und hämisch rezensiert , daß sie haben den Himmel erstürmen wollen . Über solche Kritikaster möchte man laut lachen , wenn es sich mit der Bescheidenheit vertrüge ; denn was will denn jeder Wille anders , der ein Wille ist ? Und wenn er es nicht will , fällt er invalide und tot darnieder , und weiß nicht mehr links und rechts , aus und ein . Ich war wohl oft andächtig und verlor auch mein Ich in der Andacht . Wo war ich dann , wenn ich noch war , als nur im Himmel ? So ergeht es mir auch wohl bei einem schönen Gedicht . Die Seele oder Ich - oder wie sollen wir es nennen , wir Dummen , Stummen , Sprachlosen ? - streckt alle viere von sich , dehnt sich , erwächst zu einem Briareus mit hundert Armen , um zu fassen und zu umarmen ; - und plötzlich , um überselig zu werden - vergeht sie , verschwindet und wird ein Nichts . Der Jupiter hat die Himmelstürmende in den Abgrund geschleudert , und eben das war ihre höchste Wonne . Nun liegt sie unten , von Felsen und Gebirgen erdrückt , selbst versteinert , das heißt auf deutsch , sie lebt nun wieder , sieht sich in der sogenannten Wirklichkeit , besitzt wieder , was ihr vergönnt und erlaubt ist , das Vernünftige , Mögliche , das heißt , ein mit vielen törichten Phrasen weitläufig umschriebenes Nichts . Ja freilich wußte ich dies alles nicht , bevor ich Dero Bekanntschaft gemacht . Die dummen Geister der Natur und Notwendigkeit logen mir vor , ich sei schon über sechszig Jahr alt , da ich doch noch gar nicht einmal war geboren worden . Und so , Verehrteste , bin ich freilich annoch zu jung für Sie , was wieder ein schlimmer Umstand ist , und wieder zu jener göttlichen , glorreichen Unmöglichkeit gehört , die wir alle erstreben , wenn wir bei Sinnen , geschweige gar in der Andacht sind . - Zeit ! Wo ist sie ? Wer kennt sie ? Sie ist entweder ein Nichts , oder ein allmächtiges Wesen . In der Andacht , im Anschaun , im Lieben ist sie nicht . Nein , da kennen , sehen , fühlen wir sie nicht . Sie gehört gewiß zu jener dummen Notwendigkeit , zu dem , was uns vergönnt ist . Aber freilich in ihr fühlen , denken , sehen und träumen wir , alles im Pulsschlag und Zeitmaß ; aber doch nur , um im Ewigen , im Nichts , wenn wir dort im Entzücken angelangt sind , diese Zeit zu vernichten . So Raum . Alberner , Schwacher , Nichtiger , und doch so Allmächtiger ! Nichtsnutziger Staub ! warum schwatzest du also . Nämlich , ich wollte eine Epistel schreiben . So fließen denn auch aus Feder und Dinte die Buchstaben , Silben und Worte zusammen , die Linien , das Blatt wird voll , und abermals so schwarz mit Strichen überzogen - ja wohl , das ist das Leben . Das Wort kann nicht ohne Regel , ohne eine kalte , tote Bedeutung sein . Die Bedeutung eben bedeutet nichts , das ist das Feine und auch ganz Grobe von der Sache . Du hast mir einmal die Hand gedrückt . Das war Rede und A und O in einem Pulsschlag . Dein Auge ! Gott hat viel mit dem Auge ausdrücken wollen ; doch die Menschen brauchen es nur zum Nähen und Stricken . Freilich auch das Notwendige und Erreichbare . Aber wäre es denn so etwas Unnützes , wenn ein Magister , dem die Silben und Worte mehr zu Gebote ständen , als mir Unwissenden , über einen einzigen Blick einen dicken Folianten schriebe ? Und , beim Himmel , es gibt Blicke , wo er doch noch nicht zu Ende kommen , und seine Materie ( wie man sagt hier ist es aber Gottheit , Liebe , All ) doch nicht erschöpfen würde . Und daß mir noch dies Anschauen vor meinem Tode hat werden sollen , das ist es , sosehr ich auch leide und mich winde , wofür ich meinem Schöpfer den allerbrünstigsten Dank sage . Nimm es , das Blatt , Du mein Du , Du mein wahres inniges Ich , das I meines Ich , oder der Geisterlaut unsers deutschen Ch , welcher das I krönt , nimm Du Du - des Dus Du - das heißt nach Menschensprache und möglicher sittlicher Schicklichkeit staubwärts übersetzt : nehmen Dieselben , verehrte , liebwerteste , schönste Madame Leonhard , nehmen Sie diesen Unsinn und sehen Sie ihn mit diesem Blick an , mit dem Blick , der so oft aus Ihrer Seele kommt und selbst Seele ist ; dann wird das schwarze Gekritzel auf diesem Lumpenpapier auch mein ewiges unsterbliches Ich sein , das dadurch magisch und mystisch zur göttlichsten Vermählung in Ihre Seele steigt ; dann hast Du mich aufgetrunken , aufgesaugt und aufgeblickt , und ich bin Du und gar nicht mehr Dero ergebenster Fülletreu , Magister Mit sonderbarer Bewegung las Leonhard diesen Brief . Er glaubte ihn zu verstehen , und legte ihn seufzend wieder in die Brieftasche . - Es war ja nur in anderen Worten , was die Gedichte und Reime spielend und springend sagen wollen . - Erst spät konnte er den Schlaf auf seinem Lager finden . Als am andern Morgen Leonhard gestärkt erwachte , mußte er sich erst besinnen , um sich ermuntert zurechtzufinden . Ihm fiel das enge , niedere Gemach auf ; er fühlte , wie er sich in dieser Zeit in