nachdem er noch erst die Einwendungen mit einiger Heftigkeit beseitigt hatte , die der Kutscher erheben wollte , kamen seine Schwestern von einem Besuche beim Prediger nach Hause und begrüßten mit lärmender Freude den Bruder , indem sie sich auf wilde , unordentliche Art von den hindernden Hüten und Mänteln befreiten . Er umarmte Beide herzlich , aber es war ihm nicht möglich , die von der Sonne gebräunten Gesichter , die wenig geschonten Hände und Arme , die Wildheit der Gebehrden ohne Schmerz zu bemerken . Ihn erschreckten die lauten , heftigen Stimmen und innig betrübten ihn all die Zeichen einer vernachläßigten Erziehung , indem er an Therese und Emilie dachte , deren natürliche Schönheit durch eine anständige Haltung und edle Gebehrden gehoben wurde . Er ermahnte die sorglosen Schwestern , leise aufzutreten und den kranken Vater nicht durch ihre lauten Stimmen zu erschrecken . So ist der Vater krank ? fragten sie ängstlich , und die großen unschuldigen Augen schwammen in Thränen . Habt Ihr denn das noch nicht bemerkt , fragte der Bruder , durch die gutmüthige Trauer in den unschuldigen Gesichtern bewegt . Er ist seit einigen Tagen nicht wohl , erwiederte die ältere Schwester , aber er sagte selbst , es hätte nichts zu bedeuten . Ich fahre jetzt zum Arzt , versetzte der Bruder , wenn ich mit ihm zurück komme , dann werden wir hören , ob der Zustand unseres Vaters bedenklich ist . Er verließ die Schwestern und warf sich in den Wagen , um in möglichster Eile den Beistand herbei zu schaffen , der in diesem Augenblicke so wichtig war , da er nicht ohne Grund die Wiederholung des Blutsturzes fürchtete . Der eine Meile entfernte Arzt war bald erreicht , indeß der junge Graf wurde nur kalt von ihm empfangen , er machte Einwendungen dagegen , mitzufahren , er verlangte , der junge Mann solle ihm den Zustand seines Vaters schildern , so wolle er die nöhigen Mittel verschreiben . Als ihm aber von dem jungen Grafen die früher geleistete Hülfe freigebig bezahlt und die gleiche Freigebigkeit für den jetzigen Fall zugesichert wurde , änderte er seine Ansicht und entschloß sich selbst mitzufahren , um den Kranken zu sehen . Aus tiefster Brust seufzend , trat der bekümmerte Sohn an der Seite des ihn begleitenden Arztes den Rückweg an . Die Bemerkungen seines Vaters beschäftigten seine Seele , und er konnte es sich nicht abläugnen , daß die Empfindungsweise und die Lebensansicht eines Jeden wenigstens zum Theil von seiner äußern Lage abhängig sei . Wie soll mein Oheim , dachte er , die Menschenverachtung meines Vaters nur verstehn , da der verächtlichste Eigennutz sich dem Einen ohne Rückhalt zeigt , weil er nichts glaubt gewinnen zu können und also nichts zu schonen braucht , indeß er sich dem Andern ewig verbirgt , weil er seiner Befriedigung gewiß ist und sich ihm auf diese Weise als Anhänglichkeit , aufrichtige Freundschaft , Anerkennung des Verdienstes und Gott weiß für welche Tugend verkauft . Der ihn begleitende Arzt ahnete nicht , daß er das finstere Nachdenken des jungen Mannes veranlaßt hatte , und glaubte , die Besorgniß für den Vater allein in dessen einsylbigen Worten zu erkennen ; er suchte ihm also Muth einzusprechen , und der junge Graf würde sein Bestreben dankbar erkannt haben , wenn er sich nicht hätte gestehen müssen , daß nur der befriedigte Eigennutz die Menschlichkeit in der Brust des Arztes erweckt habe . Der Rückweg wurde mit derselben Schnelligkeit gemacht , die man angewendet hatte , den Arzt zu erreichen , obgleich der Kutscher laut genug bemerkte , damit der junge Graf es hören sollte , die Pferde würden wohl umfallen , wenn sie den Stall erreichten , da sie so wenig Hafer bekämen und doch übermäßig angestrengt würden . Man hatte endlich die kleine Reise vollendet , und der Arzt fand den Kranken zwar nicht ohne Fieber , aber doch schlummernd ; auch hatte sich der Blutsturz nicht erneuert , und er glaubte hierauf beruhigende Hoffnungen gründen zu können . Der ängstliche Sohn drang hierauf in den Arzt , einige Tage zu bleiben , um den Gang der Krankheit zu beobachten , und dieser willigte ohne Schwierigkeit ein . Die Blicke der Mutter waren etwas ängstlich bei diesen Einrichtungen , und der Sohn bemerkte bei der dürftigen Abendmahlzeit die Ursache dieser Aengstlichkeit , und seine Seele wurde mit innigster Wehmuth über die traurige Lage seiner Eltern erfüllt , als deren Opfer der Vater eigentlich fiel , und die sich während seiner Abwesenheit so sehr verschlimmert zu haben schien . Es war von dem Arzte bekannt , daß er eine gute Tafel liebte , und der junge Graf entschuldigte die Mangelhaftigkeit des heutigen Mahles mit der Unruhe , die des Vaters Krankheit verursacht habe . Als noch die nöthigen Verordnungen für die Nacht gegeben waren , zog sich der Arzt in ein nahes Zimmer zurück , damit er sogleich gerufen werden könnte , wenn ein bedenklicher Zufall eintreten sollte . Der besorgte Sohn hieß die ältere Schwester am Bette des Vaters verweilen und winkte die Mutter hinaus , um ihr zu vertrauen , daß er gleich des andern Tages eine neue Ordnung des Hauses einzuführen gedächte . Er erkundigte sich bei der Mutter , welche sie für die brauchbarsten von den vielen unnützen Bedienten hielte , und erklärte , diese für ' s Erste behalten und alle andern entlassen zu wollen . Die Mutter weinte Freudenthränen , als sie vernahm , daß der Sohn auch dazu die Mittel von dem verkannten Oheim empfangen hatte , auch daß er alle Bedürfnisse im Hause sogleich befriedigen und die nöthigen Vorräthe sogleich anschaffen könne . Die von der Mutter genannten Bedienten wurden aufgezeichnet , die weibliche Dienerschaft sollte ganz erneuert werden , denn von dieser , versicherte sie , müsse sie am Meisten leiden . Es war spät geworden , und der junge Graf warf sich in den Kleidern auf sein Bett , weil er am frühen Morgen die Verbesserung