sorgenloses Leben , lustige Gesellschaft liebe , unnütze Grübeleien hasse , die Dinge sehe , wie sie sind , mir und Andern nichts vorlüge , deshalb werfen Sie mich bei Seite , und thun , als wenn ich kein Herz und kein Gefühl in der Brust hätte . Wahrhaftig , Sie vergessen , daß ich doch auch ein Mensch bin , und so gut wie ein Anderer , meine Ansprüche auf Achtung mache . » Gehen Sie , guter Curd ! « sagten Sie mit dem fatalen Gleichmuth , der mich toll machen könnte . » Gehen Sie nur wieder zurück nach der Stadt , das wird sich Alles geben . « Was darin für ein hochmüthiges Wegwerfen , für eine Anmaßung liegt ! Als wenn Sie sich auch jemals die Mühe gegeben hätten , zu erfahren , wie es in mir aussieht ! Sehen Sie , darin sind Sie gerade so stolz und vornehm , Elise ! wie die große Welt , die Sie verachten . Es nennt keiner dem andern seines Gleichen , der nicht von seiner Farbe ist . Ob das uns Weltkindern nun wörtlich gilt , und bei Ihnen figürlich , dies kommt auf eins heraus . Was haben Sie denn jetzt wohl Gutes an mir gethan , daß Sie mich in den Strudel zurückschicken , von dem Sie doch eigentlich so große Gefahr für mich fürchten ? Glauben Sie wirklich , daß mich jedes Aeußerliche unwiderstehlich fortreißt , ist es denn recht , mich dem Preis zu geben ? Gestehen Sie es nur , es wäre ein Triumph für Sie , wenn ich darin umkäme ! O Sie sind härter und egoistischer , als die , welche Sie verdammen ! Darin haben Sie recht , man wird am Bequemsten mit den Leuten fertig , wenn man sie so niedrig stellt , daß man über sie wegsieht . Aber das können Sie bei allem dem nicht , wahrhaftig nicht , Cousine ! Ich will es Ihnen beweisen . Wie ? wenn solch ' ephemeres Geschöpf nur einen einzigen Augenblick den Kopf erhübe , und Sie fragte : Ist dein Stolz Würde oder Dünkel ? müßten Sie nicht antworten ? und was würden Sie antworten ? Früher beleidigten Sie mich sehr oft , jetzt kränken Sie mich . Sie waren schön , ich verzieh ' Ihnen . Sie sind vielleicht noch schöner , ich kann Ihnen nicht mehr verzeihen . Was liegt denn auch so Unerhörtes , so Vermessenes darin , daß ich mir ' s einfallen lasse , Sie zu lieben ? daß ich mir ' s gestehe ? und bei dem natürlich vertrauten Umgange unter nahen Verwandten , im einsamen , ländlichen Beisammensein , Ihnen davon mehr verrathe , als Sie hören wollen ? Sagen Sie doch , verdient das Spott ? Verachtung ? Sie würden unvorsichtig handeln , wenn ich wäre , wofür Sie mich halten . Ich bin ganz anders . Sie thun mir wehe , ohne sich zu schaden . Hier haben Sie immer einmal unrecht . Entweder Sie sind so scharfsinnig , als Sie es zu sein glauben , dann hören Sie auf , consequent zu handeln , oder Sie unterstützen mich , und dann läuft Ihre Güte Gefahr , verkannt zu werden . » Ich mache Verstand ! « werden Sie einmal wieder gelangweilt sagen . Es kann sein . Aber wie soll ich denn mit Ihnen sprechen ? » Gar nicht ! « höre ich Sie schnell einfallen . Sie lachen dabei , und reichen mir gutmüthig die Hand . Ach Cousine ! wenn Sie lachen - Sie wissen , der Himmel liegt dann auf Ihrem Antlitz . Es ist zum Verzweifeln , daß ich gerade immer dies Lächeln sehe . Wäre meine Mutter nicht gewesen ! Die hat mich zum vollendeten Thoren gemacht ! Wüßten Sie , Elise ! was die denkt , wünscht , zu hoffen wagt ! - Hoffen ! Mein Himmel , wer das vermöchte ! Sie hätte es nicht aussprechen sollen ! Solch ' lautes , vollständiges Wort , es kann einem ganz irre machen . Man wird es nicht wieder los . Ich wollte es nicht hören . Ich drängte es zurück . » Warum denn aber nicht ? « fragte die gute , liebevolle Frau . Cousine , dies warum denn aber nicht , klingt mir immerfort in den Ohren , es fährt wie ein Ton aus der Luft , wenn ich gar nicht daran denke , plötzlich vorüber , und scheint immer ernsthafter meine Vernunft , mein Urtheil , mein Gefühl zu befragen . Liebe Elise , Sie stehen allein ! Die ganze Welt ist gegen Sie . Wer Sie halten könnte und sollte , der verweist Sie auf Ihre eigene Festigkeit und Stärke , aber es ist einer Frau nicht möglich , alle die Pfeile abzuwehren , die von nahe und fern auf sie gerichtet sind . Sie denken das nicht so . Wenn es indeß nun noch dahin käme , wenn Sie es nicht länger ertrügen , wenn Sie sich vergeblich nach Hülfe sehnten , wenn Sie fliehen , und verfolgt , erkannt , fremden Beistand suchen müßten ? Cousine ! Cousine ! bedenken Sie es wohl , es kann dahin kommen ! würde Ihnen meine Hand dann nicht eben so lieb sein , wie die eines Andern ? Elise an Sophie Räumen Sie mir , Beste ! ein Winkelchen in Ihrer Wohnung ein . Lassen Sie mich verborgen , heimlich , vor aller Welt versteckt , da leben , bis es aus ist mit dem Leben , bis Alles vorbei , oder Alles groß und frei wieder geboren ist . Hier kann ich nicht länger bleiben ! Auch allein kann ich mich nicht ertragen ! Ich schreibe Ihnen nur dies , und daß ich komme ! Die Tante ! - Curd ! - Werden Sie es glauben ? Aber hiervon mündlich , es ist gerade so viel , um das Maß voll und die Pflegerin unerträglich zu machen