mit einem neuen Glanze übergossen , sie schlug die Augen nieder , als sie seinen freudetrunkenen Blicken begegnete . Was hätte Georg dafür gegeben , die Geliebte an sein Herz ziehen , den Morgengruß der Liebe auf ihre Lippen drücken zu dürfen , aber die strenge Sitte der Zeit trennte an diesem Tage durch eine weite Kluft , was sich sonst schon längst gefunden hätte . Dem Bräutigam war es nicht erlaubt , die Hand der Braut zu berühren , ehe sie der Priester in die seinige legte , und der Braut wurde es übel aufgenommen , wenn sie den Bräutigam gar zuviel und gar zu lange ansah . Züchtig , ehrbar , die Augen auf den Boden geheftet , die Hände unter der Brust gefaltet , mußte sie stehen - so wollt es die Sitte . Bei mancher andern möchte diese Stellung erzwungen und steif erschienen sein , doch , wie die Natur über ihre lieblichsten Töchter in jeder Lage , in Trauer und Freude , den Zauber der Schönheit ausgießt , so war auch diese unnatürliche Haltung der Braut , bei Marien zum gelungensten Bild geworden ; die zarte Röte , die alle Augenblicke auf ihren Wangen wechselte , der süße Mund , in dessen Winkeln ein Lächeln aufzukeimen schien , der feine weiche Vorhang der gesenkten Lider , die zarten Fransen der dunkeln Wimpern , durch welche die blauen glänzenden Augen wie eine aufgehende Sonne kaum sichtbar durchschimmerten , sie gaben ein Bild holder verschämter Liebe , die dem Geliebten die Arme öffnen , die seinen Namen mit den süßesten Tönen aussprechen , die die Augen aufschlagen möchte , um ihm durch einen Blick ihre Wünsche zu verkünden ; doch die mächtigere Natur , das verwirrende Gefühl der Beschämung windet ihr die Hände nur noch fester zusammen , schlägt die zarte Hülle der Wimpern vor das glühende Auge herab , und verschließt den Mund , daß er nur heimlich und stille lächelt , aber das Geheimnis der Liebenden nicht ausspricht . Verschwunden war die erhabene Haltung Mariens , verschwunden die Majestät ihrer Stirne und jener gebietende ernste Blick , der auch den Kühnsten gefesselt hätte ; aber man war versucht , jene erhabeneren Schönheiten nicht zurückzuwünschen ; lag doch in diesem verschämten Bekenntnis , durch einen Blick des Geliebten überwunden zu sein , ein höherer Reiz , als wenn das stolze Auge frei um sich geblickt , und dieser geschlossene Mund das Geständnis der Liebe laut und offen ausgesprochen hätte . So hatte die Natur Marien an diesem Tage einen neuen Zauber verliehen , der so mächtig wirkte , daß Georg einige Momente seine Braut verwunderungsvoll betrachtete und sein Herz sich stolzer hob , im Gefühle dieses liebliche Kind sein nennen zu dürfen . Jetzt kam auch der Herzog , der den Ritter von Lichtenstein an der Hand führte . Er musterte mit schnellen Blicken den reichen Kreis der Damen , und auch er schien sich zu gestehen , daß Marie die schönste sei . » Sturmfeder ! « sagte er , indem er den Glücklichen auf die Seite führte , » dies ist der Tag , der dich für vieles belohnt . Gedenkst du noch der Nacht , wo du mich in der Höhle besuchtest und nicht erkanntest ? Damals brachte Hanns , der Pfeifer , einen guten Trinkspruch aus : Dem Fräulein von Lichtenstein ! möge sie blühen für Euch . - Jetzt ist sie dein , und was nicht minder schön ist , auch dein Trinkspruch ist erfüllt ; Wir sind wieder eingezogen in die Burg Unserer Väter . « » Mögen Euer Durchlaucht dieses Glück so lange genießen , als ich an Mariens Seite glücklich zu sein hoffe . Aber Eurer Huld und Gnade habe ich diesen schönen Tag zu verdanken , ohne Euch wäre vielleicht der Vater - « » Ehre um Ehre , du hast Uns treulich beigestanden , als Wir Unser Land wiedererobern wollten , drum gebührte es sich , daß auch Wir dir beistanden , um sie zu besitzen . - Wir stellen heute deinen Vater vor , und als solchem wirst du Uns schon erlauben , nach der Kirche deine schöne Frau auf die Stirne zu küssen . « Georg gedachte jener Nacht , als der Herzog unter dem Tor von Lichtenstein sich auf diesen Tag vertröstete , unwillkürlich mußte er lächeln , wenn er der Würde und Hoheit gedachte , mit welcher die Geliebte den Mann der Höhle damals zurückgewiesen hatte . » Immerhin , Herr Herzog , auch auf den Mund ; Ihr habt es längst verdient durch Eure großmütige Fürsprache ; ich denke , auch Marie wird sich nicht wieder sträuben , wie damals unter der Halle . « » Wie ? « rief Ulerich errötend ; » hat dir das Fräulein etwas gesagt ? « » Kein Wort , Herr ! aber ich stand hinter der Türe und sah zu , wie Ihr so herablassend gegen des Ritters Töchterlein waret . « » Bei Sankt Hubertus « , entgegnete der Herzog lachend , » du bist ein eifersüchtiger Kauz . Das mußt du dir abgewöhnen , sonst hast du keine ruhige Stunde . « » Freilich , wenn Euer Durchlaucht mir dies raten , so werde ich nie mehr eifersüchtig werden . « Der Ton dieser Antwort , der einen leisen Spott zu verraten schien , erinnerte den Herzog , daß auch er einst diese Empfindung gehegt , daß sie ihn zu einer blutigen Rache angetrieben habe ; er brach schnell ab , denn er liebte solche Erinnerungen nicht . » Laß es gut sein « , sagte er , » es ist Zeit in die Kirche zu gehen . Wer sind deine Gesellen , die dich zum Altar geleiten ? « » Marx Stumpf und der Ulmer Ratsschreiber , ein Vetter von Lichtenstein . « » Wie , das feine Männlein , den mein Kanzler köpfen lassen wollte ? Da hast du links den zierlichsten , und rechts den tapfersten Mann des Schwabenlandes