schönen muntern Knaben , der so ganz unerwartet sein Reisegefährte geworden war , regte sich die Vaterliebe mächtig in ihm und erwärmte wohlthätig sein fast erstorbenes Gemüth . Die Reise kam ihm nach dem heftigen Kampfe , der ihr voranging , wie Ausruhen vor und es gelang ihm , sich im Laufe derselben zu sammeln und eine Ansicht dessen zu gewinnen , was jetzt für ihn am nächsten zu ergreifen sey . So wie sie B * * , dem Wohnorte von Luisens Eltern sich näherten , kündigte er der treuen Renate an , daß er willens sey durch diese Stadt gerade durchzufahren und sie mit dem Knaben noch weiter mit sich zu nehmen . Die gute Frau war damit außerordentlich zufrieden , indem die Reise dem Kleinen sehr wohl zu bekommen schien und sie sich überdem von dem Aufenthalt bei der Frau Großmama nicht viel versprach , die gerade gegen diesen ihren jüngsten Enkel niemals große Liebe bezeigt hatte . Nach wenigen Tagen langten die Reisenden glücklich in St * * * an , wo Albert zuerst darauf bedacht war , das reiche Geschenk seines erblichenen Wohlthäters sich auszahlen zu lassen , was ohne alle Schwierigkeiten vollbracht wurde . Dann setzte er unter den gehörigen Formalitäten seinen letzten Willen auf und legte ihn gerichtlich nieder , nachdem er eine Abschrift davon nehmen lies , die er an seinen Freund Meinau zu senden Willens war . In diesem Testamente übertrug er dem Baron Meinau die Vormundschaft über seinen ältesten in Leuenstein zurückgelassenen Sohn , und bestimmte ein Drittheil der Einkünfte seiner Güter für die Erziehung desselben , zwei Drittheile aber , nebst der Wohnung in Leuenstein überlies er seiner Gattin auf Lebenslang , sogar , wie er ausdrücklich hinzusetzte , im Fall sie sich zum zweitenmale vermählen sollte . Dem Baron Meinau sandte er , nebst der Abschrift dieses Testaments , eine unumschränkte Vollmacht für die Zeit in welcher er selbst abwesend wäre ; zugleich übermachte er ihm die Hälfte der von seinem Oheim ererbten Summe , bat seinen edlen Freund , diese nach bestem Wissen zur Verbesserung seiner Besitzungen anzuwenden , benachrichtigte ihn von dem Absterben des Kardinals und trug ihm zugleich auf , Luisen zu melden , daß er nach Italien zu gehen gedenke , um dort das Grab des väterlichen Beschützers seiner Jugend zu besuchen . Er bat sie , ihm zu verzeihen , daß er seinen Sohn mit sich auf die Reise nähme , indem das Kind ihm jetzt zu lieb geworden wäre , als daß es ihm unmöglich sey , sich von ihm zu trennen . Der zweiten Hälfte der so unverhofft ererbten Summe erwähnte Albert in diesem Briefe nicht , denn diese glaubte er , mit Recht ausschließend als sein Eigenthum und als das künftige Erbtheil seines jüngern Sohnes betrachten zu können ; aber er empfahl nochmals seine Luise in den dringendsten , rührendsten Ausdrücken dem Schutze seines Freundes und bat ihn zugleich , Oskar seiner unveränderten Liebe und Dankbarkeit zu versichern und ihm zu sagen , daß er fest darauf rechne , ihn bei seiner Heimkehr noch in der Nachbarschaft von Leuenstein anzutreffen . Der Brief ward versiegelt und abgeschickt , und Albert fühlte sich von diesem Augenblick an von seiner ganzen Existenz , von allen ihren Freuden und Hoffnungen , von allen ihren Schmerzen und Sorgen auf ewig geschieden , ein heimathloser Wanderer auf Erden . Die Ueberzeugung , jetzt einzig an sich selbst gewiesen zu seyn , ohne eine Seele die ihm nahe genug geblieben wäre , um ihm auf seinem ferneren Wege eine leitende Hand zu reichen , gab ihm eine Selbstständigkeit , die er sich nie zugetrauet hätte . Er glich einem Kinde , welches gehen lernt und immer weniger schwankend vorwärts schreitet , sobald es sich nur einmal entschließen konnte , die Gegenstände loszulassen , an die es bis dahin sich ängstlich angeklammert hielt . Alberts Hauptsorge war jetzt , sein Daseyn Allen , die früher ihn gekannt hatten , zu verbergen , um sowohl vor den Augen der Welt als derer , die durch engere Bande an ihn gefesselt waren , spurlos zu verschwinden . Unerachtet seiner bisherigen Unerfahrenheit in allem , was zum practischen Leben gehört , gelang es ihm , dieses auf die zweckmäßigste Weise auszuführen . Den einzigen Bedienten , der ihn von Leuenstein aus begleitet hatte , schickte er in St * * * unter einem wohl ersonnenen Vorwande zurück , ehe er noch selbst diese Stadt verließ , um angeblich die Reise nach Rom anzutreten . Unterwegs wandte er sich in gerad entgegengesetzter Richtung von dem Wege ab , von dem man glauben mußte , daß er ihn genommen habe ; mit großer Vorsicht verwandelte er seinen alten adlichen Namen , sobald er dieses sicher und unbemerkt wagen durfte , in einem unbekannten bürgerlichen und eilte nun , so schnell er konnte , der von Leuenstein entferntesten Gegend in Deutschland zu , das er nicht ohne Noth zu verlassen entschlossen war . Die treue Renata , die er , so viel dies schicklich und möglich war , in einen Theil seines Geheimnisses einweihte , ließ sich leicht bewegen , durch einen heiligen Eid zum ewigen Verschweigen seines wahren Namens und Standes sich zu verbinden , da er ihr gelobte , sie nie von dem Kinde zu trennen , an dem sie mit wahrhaft mütterlicher Zärtlichkeit hing , und das von nun an für das ihre gelten sollte . Je weiter Albert von dem ehemaligen Schauplatz seines Wirkens und Lebens sich entfernte , je besser gelang es ihm , seine Zukunft in seinem Gemüthe zu ordnen . Seine frühere , nie ganz erstickte Liebe zur Wissenschaft erwachte wieder , überdem fühlte er , daß nur anhaltende ernste Beschäftigung ihn auf die Länge vor Wahnsinn und Verzweiflung bewahren könne , und so beschloß er alles anzuwenden , um sich noch so viel möglich die Kenntnisse zu erwerben , die ihm mangelten , um späterhin seinen Sohn zu einem würdigen , nützlichen Mitgliede der menschlichen