Mönchs bei dem Förster wie dieser sie angibt , will gar nicht mit Reinholds Angabe des Tages , wann Viktorin aus dem Schlosse entfloh , zusammenstimmen . Nach der Behauptung des Försters mußte sich der wahnsinnige Viktorin gleich haben im Walde blicken lassen , nachdem er auf dem Schlosse des Barons angekommen . « - » Haltet ein , « unterbrach ich den Prior , » haltet ein , mein ehrwürdiger Vater , jede Hoffnung , der Last meiner Sünden unerachtet , nach der Langmut des Herrn noch Gnade und ewige Seligkeit zu erringen , soll aus meiner Seele schwinden ; in trostloser Verzweiflung , mich selbst und mein Leben verfluchend , will ich sterben , wenn ich nicht in tiefster Reue und Zerknirschung Euch alles , was sich mit mir begab , seitdem ich das Kloster verließ , getreulich offenbaren will , wie ich es in heiliger Beichte tat . « Der Prior geriet in das höchste Erstaunen , als ich ihm nun mein ganzes Leben mit aller nur möglichen Umständlichkeit enthüllte . - » Ich muß dir glauben , « sprach der Prior , als ich geendet , » ich muß dir glauben , Bruder Medardus , denn alle Zeichen wahrer Reue entdeckte ich , als du redetest . - Wer vermag das Geheimnis zu enthüllen , das die geistige Verwandtschaft zweier Brüder , Söhne eines verbrecherischen Vaters , und selbst in Verbrechen befangen , bildete . - Es ist gewiß , daß Viktorin auf wunderbare Weise errettet wurde aus dem Abgrunde , in den du ihn stürztest , daß er der wahnsinnige Mönch war , den der Förster aufnahm , der dich als dein Doppeltgänger verfolgte und hier im Kloster starb . Er diente der dunkeln Macht , die in dein Leben eingriff , nur zum Spiel , - nicht dein Genosse war er , nur das untergeordnete Wesen , welches dir in den Weg gestellt wurde , damit das lichte Ziel , das sich dir vielleicht auftun konnte , deinem Blick verhüllt bleibe . Ach , Bruder Medardus , noch geht der Teufel rastlos auf Erden umher und bietet den Menschen seine Elixiere dar ! - Wer hat dieses oder jenes seiner höllischen Getränke nicht einmal schmackhaft gefunden ; aber das ist der Wille des Himmels , daß der Mensch der bösen Wirkung des augenblicklichen Leichtsinns sich bewußt werde und aus diesem klaren Bewußtsein die Kraft schöpfe , ihr zu widerstehen . Darin offenbart sich die Macht des Herrn , daß , so wie das Leben der Natur durch das Gift , das sittlich gute Prinzip in ihr erst durch das Böse bedingt wird . - Ich darf zu dir so sprechen , Medardus , da ich weiß , daß du mich nicht mißverstehest . Gehe jetzt zu den Brüdern . « - In dem Augenblick erfaßte mich wie ein jäher , alle Nerven und Pulse durchzuckender Schmerz die Sehnsucht der höchsten Liebe ; » Aurelie - ach , Aurelie ! « rief ich laut . Der Prior stand auf und sprach in sehr ernstem Ton : » Du hast wahrscheinlich die Zubereitungen zu einem großen Feste in dem Kloster bemerkt ? - Aurelie wird morgen eingekleidet und erhält den Klosternamen Rosalia . « - Erstarrt - lautlos blieb ich vor dem Prior stehen . » Gehe zu den Brüdern ! « rief er beinahe zornig , und ohne deutliches Bewußtsein stieg ich hinab in das Refektorium , wo die Brüder versammelt waren . Man bestürmte mich aufs neue mit Fragen , aber nicht fähig war ich , auch nur ein einziges Wort über mein Leben zu sagen ; alle Bilder der Vergangenheit verdunkelten sich in mir , und nur Aureliens Lichtgestalt trat mir glänzend entgegen . Unter dem Vorwande einer Andachtsübung verließ ich die Brüder und begab mich nach der Kapelle , die an dem äußersten Ende des weitläuftigen Klostergartens lag . Hier wollte ich beten , aber das kleinste Geräusch , das linde Säuseln des Laubganges riß mich empor aus frommer Betrachtung . » Sie ist es ... sie kommt ... ich werde sie wiedersehen « - so rief es in mir , und mein Herz bebte vor Angst und Entzücken . Es war mir , als höre ich ein leises Gespräch . Ich raffte mich auf , ich trat aus der Kapelle , und siehe , langsamen Schrittes , nicht fern von mir , wandelten zwei Nonnen , in ihrer Mitte eine Novize . - Ach , es war gewiß Aurelie - mich überfiel ein krampfhaftes Zittern - mein Atem stockte - ich wollte vorschreiten , aber keines Schrittes mächtig , sank ich zu Boden . Die Nonnen , mit ihnen die Novize , verschwanden im Gebüsch . Welch ein Tag ! - - welch eine Nacht ! Immer nur Aurelie und Aurelie - kein anderes Bild - kein anderer Gedanke fand Raum in meinem Innern . - Sowie die ersten Strahlen des Morgens aufgingen , verkündigten die Glocken des Klosters das Fest der Einkleidung Aureliens , und bald darauf versammelten sich die Brüder in einem großen Saal ; die Äbtissin trat , von zwei Schwestern begleitet , herein . - Unbeschreiblich ist das Gefühl , das mich durchdrang , als ich die wiedersah , die meinen Vater so innig liebte , und unerachtet er durch Freveltaten ein Bündnis , das ihm das höchste Erdenglück erwerben mußte , gewaltsam zerriß , doch die Neigung , die ihr Glück zerstört hatte , auf den Sohn übertrug . Zur Tugend , zur Frömmigkeit wollte sie diesen Sohn aufziehen , aber dem Vater gleich , häufte er Frevel auf Frevel und vernichtete so jede Hoffnung der frommen Pflegemutter , die in der Tugend des Sohnes Trost für des sündigen Vaters Verderbnis finden wollte . - Niedergesenkten Hauptes , den Blick zur Erde gerichtet , hörte ich die kurze Rede an , worin die Äbtissin nochmals der versammelten Geistlichkeit Aureliens Eintritt in das Kloster anzeigte und sie aufforderte , eifrig zu beten in dem entscheidenden Augenblick des