wirkt vorwärts , nicht zurück . Nur der Mensch steht höher , von ihm fordert die Welt und sein Schöpfer mehr , er soll , wenn er selbstständig ist , die Urheber seines Lebens nicht vergessen , er soll die Pflege seiner Jugend ihrem Alter vergelten , und da kein eingepflanzter Trieb ihn hierzu führt , so müssen Dankbarkeit , Ehrfurcht , Gewohnheit , Alles bewirken . Darum erweiterten die Gesetzgeber das Ansehen der Eltern bis zum Rechte über Leben und Tod ; aber Furcht gebiert keine Neigung , und nur in edeln Gemüthern treibt Dankbarkeit zur Wiedervergeltung . Da gab die höchste Weisheit dem Menschen das Gesetz der Liebe und Achtung für die Eltern , knüpfte den Lohn daran , der für die Stufe der Entwickelung , auf welcher damals das Menschengeschlecht stand , der höchste war , und ordnete das Gesetz , das Ehrfurcht für die sichtbaren Urheber des Lebens gebot , unmittelbar nach den Gesetzen , die die Verehrung für den unsichtbaren Urheber desselben enthalten . So trieb nebst Theophaniens Wunsch auch das Gefühl der Pflicht mich zu diesem Schritt , aber ich wollte es nicht wagen , mich unvorbereitet dem erzürnten Vater zu zeigen , den selbst der drohende Tod nicht an das Daseyn seines Sohnes erinnert hatte . Constantin ging zu ihm . Er fand ihn seltsam , nicht erzürnt , zuweilen sogar gerührt , aber unschlüßig , wankend - so daß er seine Antwort erst am folgenden Tage zu schicken versprach . Sie lautete also : Wenn ich mich entschließen könnte , gesetzmäßig und feierlich allen Ansprüchen auf sein Vermögen zu entsagen , weil er nicht gesonnen sey , seine Reichthümer zum Besten einer Christengemeinde verwenden zu lassen : so wollte er mich wieder als seinen Sohn erkennen , und seine Einwilligung zu meiner Vermählung geben . Meine Wahl blieb keinen Augenblick zweifelhaft . Ich unterschrieb das Instrument , das mir Constantin unwillig gab , und noch denselben Abend eilte ich , meine vollkommene Verzeihung selbst von meinem Vater zu erhalten . Ich ließ mich in einer Sänfte hintragen ; ich trat in ' s Atrium , und befahl dem Sclaven , mich zu melden . Der Anblick unserer Ahnenbilder , die in langen Reihen die Halle zierten , das Andenken an meine Jugend , an meine theure Mutter , an so manche Scenen , die hier vorgefallen waren , das Sonderbare meiner jetzigen Lage , vielleicht auch die höhere Reizbarkeit meines Wesens , eine Folge meiner überstandenen Gefahr , stimmten mich zu ungewöhnlicher Rührung , und als endlich , statt des Sclaven , den ich erwartete , um mich zu meinem Vater zu führen , dieser selbst mit sichtbarer Eile in ' s Atrium trat , auf mich zuging , und mit Mühe die tiefe Bewegung verbarg , die dennoch jede seiner Mienen verrieth - da überwältigte mich mein Gefühl , ich zog meines Vaters Hand an meine Lippen , eine Thräne fiel darauf , ich war nicht fähig , meinen Dank auszusprechen ; aber er verstand meine wortlose Rührung . Als er selbst sich gesammelt hatte , erkundigte er sich höchst gütig nach meiner Gesundheit , meinem Zustande , er fand mich noch sehr bleich und entkräftet , und faßte meinen Arm , um mich zu unterstützen , und in die inneren Gemächer zu führen . Er that dies mit so sichtbarer Schonung meiner Wunden , daß ich wohl fühlte , er sey von meiner Lage viel besser unterrichtet , als er scheinen wollte . Ich war unaussprechlich gerührt , ich küßte seine Hand von Neuem , ich drückte sie an meine Brust . Er schien mit Gewalt seine eigene Bewegung zu unterdrücken , dennoch nannte er mich sein Kind - eine Benennung , die lange nicht zwischen uns gehört worden war - er ließ mich an seiner Seite niedersitzen , er überhäufte mich mit allen Bequemlichkeiten und Erfrischungen , die er mir in diesem Augenblick verschaffen konnte , und entließ mich erst nach zwei Stunden mit dem Auftrag , ihm des andern Tages meine Braut vorzustellen . Des Instruments wurde nicht gedacht , es schien , als scheute sich mein Vater , seiner zu erwähnen . Irre ich nicht ganz , so waren hier Rathgeber und Freunde thätig , die ihn zu einem Schritte beredet haben , den er selbst vor seinem Gfühl nicht rechtfertigen kann . So glücklich , so kindlich froh , als Theophania durch die Nachricht von meiner Aufnahme bei meinem Vater wurde , hatte ich sie niemals gesehen . Eine drückende Last schien von ihrer Seele genommen , sie scherzte , sie tändelte , und diese Aeußerungen einer schuldlos reinen Freude , je seltener sie bei ihr sind , gaben ihrem ganzen Wesen einen neuen eigenthümlichen Reiz . Der Abend , den ich mit ihr zubrachte , war einer der schönsten meines Lebens . Sein Andenken wird , wie ein strahlender Stern , künftig durch meine Vergangenheit glänzen , und das Bild seines Glückes vielleicht manche trübe Stunde der Zukunft erhellen . Am andern Morgen schickte mein Vater Larissen sehr kostbare Geschenke . Mehrere Sclaven brachten sie . Die väterliche Liebe wußte das selbstgegebene Gesetz zu umgehen ; was dem Sohne nicht werden durfte , sollte die künftige Tochter erhalten . Es waren reiche Gewände , Geschmeide aller Art , köstliche Schleier u.s.w. Auf mein Bitten schmückte sich Theophania sogleich damit , und wir traten in Umgebungen , wie ich sie den Wünschen und Ansichten meines Vaters am entsprechendsten fand , unsern Weg zu ihm an . Er schien angenehm durch Theophaniens Gestalt und Betragen überrascht , das man ihm vermuthlich ganz anders geschildert haben mochte . Er empfing sie als die Wittwe des Demetrius mit unverstellter Achtung , und als seine künftige Tochter mit eben so unverkennbarem Wohlwollen . Mir trug er an , so bald ich ganz hergestellt , und der sorgsamen Pflege nicht mehr bedürftig seyn würde , in seinem Hause zu wohnen . Das war ich beinahe , und so nahm ich mit