, ob der General ihr nichts aufgetragen . Luzie wußte von nichts , als daß sie ihn in den nahen Garten hineinspazieren sehen . Rasch trat Wina ans mondhelle Fenster , atmete einmal recht seufzend ein und sagte schnell : » Den Schleier , Luzie ! Und du weißt es gewiß , liebes Mädchen , und auch den Garten ? « - Mit einer leisen Stimme , wie nur eine mährische Schwester anstimmen kann , versetzte Luzie : » Ja , Gnädigste ! « Wina warf den Schleier über den Hut und redete , hinter diesem gewebten Nebel und fliegenden Sommer unbeschreiblich blühend und liebreizend , den Notarius mit sanftem Stocken an : » Lieber Hr . Notar - Sie lieben ja auch , wie ich hörte , die Natur - und mein guter Vater « - - Er war schon nach dem Hut-Stock geflogen und stand bewaffnet und reisefertig da - und ging hinter beiden mit hinaus . Denn ein fremdes Zimmer zu verlassen , fühlt ' er sich ganz berechtigt . Indes aber solches geschlossen wurde , kam er wieder vorauszustehen , nahe an der Treppe ; - und in ihm fing ein kurzes Treffen und Scharmützel an über die Frage , ob er mit entweder dürfe oder solle - oder weder eines noch das andere . Wina konnte ihn nicht zurückrufen - und so kam er , innen fechtend , auf die Treppe und trug das stille Handgemenge bis zur Haustüre hinaus . Da ging er ohne weiteres mit und setzte den Hut von seinem Stock auf den Kopf ; aber er zitterte , nicht sowohl vor Furcht oder vor Freude , sondern vor einer Erwartung , die beide vereinigt . O es ist eine lächerliche und reine Zeit im Jünglingsalter , wo im Jüngling die alte französische Ritterschaft mit ihrer heiligen Scheu erneuert und wo der Kühnste gerade der Blödeste ist , weil er seine Jungfrau , für ihn eine von dem Himmel geflogne , eine nach dem Himmel fliegende Gestalt , so ehret wie einen großen Mann , dessen Nachbarschaft ihm der heilige Kreis einer höhern Welt ist , und dessen berührte Hand ihm eine Gabe wird . Unselig , schuldvoll ist der Jüngling , der niemals vor der Schönheit blöde war . Die drei Menschen gingen durch eine waldige Gasse dem Garten zu . Der Mond zeichnete die wankende Gipfel-Kette auf den lichten Fußsteig hin , mit jedem zitternden Zweig . Luzie erzählte , wie schön der Garten und besonders eine ganz blaue Laube darin sei , aus lauter blauen Blumen gewebt . Blauer Enzian - blaue Sternblumen - blauer Ehrenpreis - blaue Waldreben vergitterten sich zu einem kleinen Himmel , worin gerade im Herbst keine Wolke , d.h. keine Knospe war , sondern offne Ätherkelche . » Da die Blumen leben und schlafen « , sagte Walt bei diesem Anlaß , » so träumen sie gewiß auch , so gut wie Kinder und Tiere . Alle Wesen müssen am Ende träumen . « - » Auch die Heiligen und die hl . Engel ? « fragte Wina . » Ich wollte wohl sagen : ja « , sagte Walt , » insofern alle Wesen steigen und sich also etwas Höheres träumen können . « - » Ein Wesen ist aber auszunehmen « , sagte Wina . - » Gewiß ! Gott träumet nicht . Aber wenn ich nun die Blumen wieder betrachte , so mag wohl in ihren zarten Hüllen der dunkle Traum von einem lichtern Traume blühen . Ihre duftende Seele ist nachts zugehüllt , nicht durch bloße Blätter , sondern wahrhaft organisch , wie denn unsere auch nicht durch bloße Augenlider zugeschlossen wird . Sobald nun einmal die farbigen Wesen am Tage Licht und Kraft verspüren : so können sie ja auch nachts einen träumerischen Widerschein des Tages genießen . Der Allsehende droben wird den Traum einer Rose und den Traum einer Lilie kennen und scheiden . Eine Rose könnte wohl von Bienen träumen , eine Lilie von Schmetterlingen - in dieser Minute kommt es mir ordentlich fast gewisser vor - das Vergißmeinnicht von einem Sonnenstrahl - die Tulpe von einer Biene - manche Blume von einem Zephyr- Denn wo könnte denn Gottes oder der Geister Reich aufhören ? Für ihn mag wohl ein Blumenkelch auch ein Herz sein , und umgekehrt manches Herz ein Blumenkelch . « Jetzt traten sie in den Zauber-Garten ein , dessen weiße Gänge und finstere Blättergruppen einander wechselnd färbten . Die Berge waren , wie Nachtgötter , hoch aufgestanden und hoben ihr dunkles Erdenhaupt kühn unter die himmlischen Sterne hinein . Der Notar sah den bisher auseinanderliegenden Farbentau der Dichtung an Winas Hand sich als einen Regenbogen aufrichten und im Himmel stehen als der erste glänzende Halbzirkel des Lebens-Kreises . Er wurde - so wie Wina immer einsilbiger - immer vielsilbiger und betrank sich im Taufwasser seiner Worte , das er über jeden Berg und Stern goß , der ihnen vorkam . Es gab wenige Schönheiten , die er nicht , wenn er vorbeiging , abschilderte . Es war ihm so wohl und so wohlig , als sei die ganze schimmernde Halbkugel um ihn nur unter seiner Hirnschale von einem Traume aufgebauet und er könne alles rücken und rauben und die Sterne nehmen und wie weiße Blüten herunterschlagen auf Winas Hut und Hand . Je weniger sie ihn unterbrach und abkühlte : um so größer machte er seine Ideen und tat zuletzt die größte , jene ungeheure auf , worin die Welt zerschmilzt und blüht , so daß Luzie , die bisher weltliche Lieder murmelnd gesungen , damit aufhörte , aus Scheu vor Gottes Wort . Eben wurde das Completorium geläutet , als Wina vor einer überlaubten kleinen Kapelle vorbeiging . Sie ging wie verlegen langsam , stand und sagte Luzien etwas ins Ohr . Walt war ihrer Seele zu nahe , um nicht in sie zu schauen ; er ging schnell voraus , um sie beten zu lassen und sie heimlich nachzuahmen . Luzie