an unweiblichen die Kraft , sondern an weiblichen . Der gute Jüngling ! - So unschuldig lodert dir - indes Karl es allzeit leider deutlich wußte , wenn sein Blick brannte und blitzte - aus den Augen ein glühendes Herz , das es nicht weiß ! Möge dein Abend das Samenkorn einer blütenvollen Jugend werden ! Der Wagen rollet vor , dir ungewiß , ob er ein Elias- oder Phaetons-Wagen wird , ob du durch ihn den Himmel erfliegst oder aus ihm fällst ! 66. Zykel Der Wagen flog durchs Dorf mit den vier jungen Menschen wie tut unserm Jüngling die Weite des Himmels und der Erde wohl ! Das Portal des Lebens , die Jugend , war mit Blumen und Lichtern behangen . Sie rollten unten am Berge vor der Vogelstange vorbei , der Zeigerstange eines Knaben-Arkadiens , vor der Wiege , wo er kindlich-schlaftrunken nach dem hohen Himmel langte mit dem Knaben-Arm - und durch das ihm jetzt nur zu Gebüsch gesunkne Birkenwäldchen , das er an jenem goldnen Morgen so breit und lang gefunden - und vorbei vor den östlichen offnen Triumphbogen , hinter denen das Meer des vielgestaltigen Lilars seine Reize wogen ließ - und hinter der Bergmauer des Flötentals schickten sie den Wagen zurück . Sie gingen auf einer herrlichen Erde unter einem herrlichen Himmel . Rein und weiß schwamm die Sonne wie ein Schwan durch die blaue Flut - Fluren und Dörfer drängten sich dichter an die fernen niedrigen Gebürge - ein sanfter Wind trieb die grünen Ähren-Wogen auf der Ebene umher - an den Hügeln ruhten Schatten unter den Schwingen weißer Wölkchen fest - und hinter den Gipfeln der Anhöhe zogen die Mastbäume der Rheinschiffe majestätisch weg . Wie Albano so nahe neben der Geliebten ging , fiel das unter seinem Eden brennende Fegfeuer immer tiefer in den Erdkern zurück ; voll Unruhe und Hoffnung warf er das feurige Auge bald auf den Sommer , bald auf den milden Hesperus-Stern , der so nahe an ihm aus dem Frühlingsäther schimmerte . Die Gute schien heute stiller , ernster und unruhiger als sonst . Als sie durch ein überall offnes Laubwäldchen am Hügelrücken , der das Flötental umzog , hingingen : sagte Liane plötzlich zum Grafen , sie höre Flöten . Kaum konnt ' er sagen , er höre nur ferne Turteltauben : als sie auf einmal sich wie zu etwas Wunderbarem sammlete - ihr Auge in den Himmel heftete - lächelte - und plötzlich sich nach Albano umsah und rot wurde . Sie redete ihn an : » Ich will aufrichtig sein , ich höre jetzt in mir Musik114 - sehen Sie mir heute meine Schwäche und Weichheit nach ; es kommt von gestern . « - » Ich - Ihnen ? « sagt ' er heftig ; denn er , um welchen in Krankheiten nur brennende Bilder stürmten , wurde zur Verehrung eines Wesens begeistert , zu welchem gleichsam aus einer höhern Welt in seinen Schmerzen wie goldne Sonnenstrahlen leise Töne reichen , die verhüllt durch die rauhe Tiefe gehen . Aber Liane , wie um sein Feuer abzuwenden , kam auf ihre Freundin Karoline und sagte : wie sie ihr an solchen Tagen und zumal auf diesem Spaziergange immer vorschwebe . » Anfangs sucht ' ich sie auf , « ( sagte Liane ) » weil sie meiner Linda glich . Sie war meine Lehrerin , ob sie gleich nur einige Wochen älter war als ich . Ihr frommer , strenger , unerschrockner Charakter und ihre Willigkeit , sich freudig und stumm aufzuopfern , machte sie sogar , wenn ich es so sagen darf , in den Augen ihrer Mutter verehrungswürdig . Man sah sie niemals weinen , so weich sie auch war , bloß um ihre Mutter immer heiter zu machen . Wir wollten miteinander den Schleier nehmen , um beisammen zu bleiben ; ich würde nicht alt werden , sagte sie , und ich müßte mein kurzes Leben froh und ohne Sorgen , aber auch in Zubereitung auf das andere verbringen . Ach sie ging selber voran ! Die Nachtwachen am Krankenbette ihrer Mutter und der Schmerz über den Tod nahmen sie dahin . Sie empfing das heilige Nachtmahl , auf das wir uns miteinander zubereiteten , im Sterben allein . - Da gab mir der Engel diesen Schleier , worin ich ihr einst folgen soll . - O , gute , gute Karoline ! « - Sie weinte unverhohlen und drückte bewegt Albanos Hand . » O ich hätte nicht davon anfangen sollen ! - Dort kommt schon unser Freund ; wir wollen recht heiter sein . « - Sie waren jetzt durch ein hohes Gebüsche , das neckend die umherschweifenden Landschaften auf- und zudeckte , nahe an die über das Flötental hereinschauende Turmspitze gelangt , neben welcher eine einsame Kirche und Speners Wohnung lag und unten in der Ebene das offne Dorf . Spener ging seiner Schülerin - nach Greisen-Sitte um andere unbekümmert - entgegen , und ein junges Reh lief ihm nach . Eine schöne Stelle ! Kleine weiße Pfauen - freie Turteltauben - eine Bienenstadt mitten in ihrer Bienenflora - alles sagte den ruhigen Alten an , dem nun die ehrende Erde dient und der , gleichgültig gegen sie , nur in Gott lebt . Er kam gegen die Erwartung eines kirchlichen Ernstes mit einem leichten Scherz über die bunte Reihe an und legte die segnenden Finger auf Lianens Stirn , die seine Enkelin zu sein schien , gleichsam eine zweite Baum-Blüte im Spätherbst des Lebens . Sie steckte ihm töchterlich den Strauß der Zwerg-Röschen an die Brust und gab sehr acht , ob es ihn besonders freue . Sie lächelte ganz heiter , und alle ihre Tränen schienen verweht ; aber sie glich dem beregneten Baum unter der wiederlachenden Sonne : die kleinste Erschütterung wirft den alten Regen vom stillen Laub . Der alte Mann erfreuete sich über die Teilnahme der jungen Leute und blieb mit ihnen auf der blühenden und lärmenden Anhöhe ,