? « fragte er nach einer Pause . » Im nächsten Monat . Ich darf den Vater erst wiedersehen , wenn ich in O. mit ihm zusammentreffe ; dann wird es wohl auch der Tante erlaubt werden , ihn noch einmal zu sprechen . Sie begleitet mich bis O. Du siehst , wir brauchen nicht heute und jetzt voneinander Abschied zu nehmen . Es sind noch Wochen bis dahin . Aber versprich mir , inzwischen nicht nach Rakowicz zu kommen , nicht wieder so auf mich einzustürmen , wie du es heute thatest ! Ich brauche meinen ganzen Mut zur Trennungsstunde , und du nimmst ihn mir mit deiner Verzweiflung . Wir sehen uns ja noch einmal wieder ; bis dahin – lebe wohl ! « » Lebe wohl ! « sagte er kurz , beinahe rauh , ohne sie anzusehen , ohne die Hand zu nehmen , die sie ihm reichte . » Waldemar ! « Es lag ein ergreifender Vorwurf in ihrem Tone , aber er blieb machtlos gegen die wilde Gereiztheit des jungen Mannes . Zorn und Angst , die Geliebte zu verlieren , überwogen bei ihm jedes Gerechtigkeitsgefühl . » Du magst ja recht haben , « sagte er in seinem herbsten Tone , » aber ich kann mich nun einmal in diese erhabene Aufopferung nicht finden , und am allerwenigsten vermag ich sie zu teilen . Meine ganze Natur sträubt sich dagegen . Da du aber darauf bestehst , da du die Trennung unwiderruflich über uns verhängst , so muß ich zusehen , wie ich mit meinem Schicksal fertig werde . Klagen kann ich nicht – das weißt du . Meine Bitterkeit verletzt dich höchstens ; also ist es besser , ich schweige ganz . Leb wohl , Wanda ! « Wanda schien mit sich selber zu kämpfen . Sie wußte , daß es nur einer Bitte aus ihrem Munde bedurfte , um seinen Trotz in Weichheit umzuwandeln , aber das hieß nur den eben bestandenen Kampf wieder erneuern , den so schwer errungenen Sieg wieder in Frage stellen . Sie schwieg , neigte nach einem sekundenlangen Zögern nur leise das Haupt gegen ihn und verließ das Zimmer . Waldemar ließ es geschehen , daß sie ging . Er stand abgewendet am Fenster . In seinem Gesichte kämpften alle möglichen bitteren Empfindungen miteinander , nur Entsagung , welche die Geliebte von ihm forderte , war dort nicht zu lesen . Die Stirn gegen die Scheiben gedrückt , verharrte er lange in dieser Stellung und sah erst auf , als sein Name genannt wurde . Es war die Fürstin , die unbemerkt eingetreten war . Was hatte das letzte Jahr mit seinen Schicksalsschlägen aus dieser Frau gemacht ! Als der Sohn sie damals in C. wiedersah , zum erstenmal nach langen Jahren , hatte sie gleichfalls einen schweren Verlust erlitten , auch damals trug sie die Trauerkleidung wie jetzt . Aber der Tod des Gemahls hatte es nicht vermocht , diese energische Natur zu beugen ; sie war sich klar der Pflichten bewußt , welche die Witwe wie die Mutter zu erfüllen hatte ; sie entwarf und vollführte mit fester Hand den neuen Lebensplan , der sie auf eine Zeit lang zur gebietenden Herrin von Wilicza machte . Der Schmerz um den Gatten wurde überwunden , weil es notwendig war , weil andre Aufgaben an seine Witwe herantraten , als nur die , ihn zu betrauern , und Fürstin Jadwiga hatte von jeher die beneidenswerte Fähigkeit besessen , selbst ihre Gefühle der Notwendigkeit unterzuordnen . Jetzt war das anders geworden . Zwar die Haltung der Trauernden war noch aufrecht , und der erste flüchtige Eindruck ihrer Erscheinung zeigte kaum eine auffallende Veränderung , wer aber nur einen tieferen Blick in ihr Antlitz that , der wußte , was Leo Baratowskis Tod seiner Mutter gekostet hatte . Es lag eine starre , tote Ruhe in diesen Zügen , aber es war nicht die der Fassung und Ergebung , nur die Todesruhe dessen , der nichts mehr zu hoffen und nichts mehr zu verlieren hat , den das Leben mit seinen Interessen nicht ferner berührt . Die einst so gebietenden Augen blickten matt und umflort ; in die Stirn , vor einem Jahre noch so klar und stolz , gruben sich tiefe , gramvolle Furchen , und das dunkle Haar zeigte sich an einzelnen Stellen ergraut . Man sah es , der Schlag , der das Herz wie den Stolz der Mutter gleich tödlich getroffen , war ihr bis ans innerste Leben gegangen , und die Niederlage ihres Volkes , das Schicksal ihres Bruders , den sie nach Leo am meisten auf der Welt liebte , hatten das übrige gethan , um diese einst so unbeugsame und unerschütterliche Kraft zu brechen . » Hast du wieder einmal auf Wanda eingestürmt ? « sagte sie – auch die Stimme war verändert ; sie hatte einen matten , gebrochenen Klang . » Du weißt doch , daß es vergebens ist . « Waldemar wandte sich um . Sein Gesicht hatte sich noch nicht aufgehellt ; die ganze frühere Gereiztheit lag noch darauf , als er finster erwiderte : » Jawohl , es war vergebens . « » Ich sagte es dir vorher . Wanda ist keine von den Frauen , die sich heute versagen und morgen in deine Arme werfen . Als sie den Entschluß erst einmal gefaßt hatte , war er auch unwiderruflich . Du solltest das doch endlich einsehen – statt dessen reißest du sie immer wieder zurück in die nutzlosen Kämpfe . Du bist es , der schonungslos gegen sie verfährt , du allein . « » Ich ? « fragte Waldemar in beinahe drohendem Tone . » Und wer war es denn , der ihr den Entschluß eingegeben hat ? « Das Auge der Fürstin begegnete fest und ernst dem ihres Sohnes . » Niemand ! « entgegnete sie . » Ich , das weißt du , habe es längst aufgegeben , zwischen euch beide zu