abzuwarten , kurz um , und mit aufrechter Haltung , das grüne Baret kühn ausgepufft , den gestickten Rock in malerische Fallen gezogen , schritt sie schweigend davon . Sinnend schaute ich dem armen Geschöpf nach , bis es weit oberhalb meinen Blicken entschwand . Es war das letzte Mal , daß ich mit der Unglücklichen zusammentraf , ich hörte nie wieder von ihr . Im Geiste sehe ich sie aber noch vor mir , so klar und deutlich , mit ihrem gutmüthigen Lächeln , dem leeren , nichtssagenden Blick und dem phantastischen Kopfputz auf den wirren Haaren , daß ich sie zu malen vermöchte ; und oft noch wiederhole ich mir in Gedanken die seltsamen Poesien , die Ergüsse ihres tranken Gemüthes , welche sie stets so gern mit ihrer näheren Umgebung in Verbindung zu bringen suchte . – Mein Stranden auf dem Jesuitenhofe , welches ich anfangs für ein Unglück hielt , erwies sich als einen unvorgesehenen Glücksfall . Denn nicht genug , daß mir von dem Besitzer die Fortsetzung meiner Flucht möglich gemacht und erleichtert wurde , wirkte es auch wohlthätig auf meine gedrückte Stimmung , fast noch im letzten Augenblick meines Aufenthaltes im Heimathlande , meine Erinnerung um ein freundliches , tröstendes Bild bereichern zu können . Der liebe Jesuitenhof , mit seinem alterthümlichen Aeußeren und der romantischen Lage , mit seinen umfangreichen Gärten und den geschmackvollen Parkanlagen , mit seinem menschenfreundliche Besitzer und der schönen , theilnahmvollen Gebieterin , mit den flachsköpfigen Kindern und vor Allem mit dem trotzigen neunjährigen Haustyrannen , wie schwebt er mir in der Erinnerung bis in die kleinsten Einzelheiten so lebhaft vor ! Dahin , dahin , der Jesuitenhof sammt seinen glücklichen Bewohnern , ich sehe Beides wohl nimmer wieder ! – Wie der wohlwollende Herr mir versprochen hatte , geschah es auch . Unbemerkt gelangte ich in die Scheune , von dieser in das Kelterhaus und in eine alte unbewohnte Gärtnerstube , und zum erstenmal seit meiner Abreise von Frankfurt erstellte ich mich der Aussicht , in einem guten Bett schlafen zu dürfen . Ich wurde mit der nothdürftigsten Kleidung und Wäsche versehen , und als ich mich dann gegen Abend mit einem Gefühl der Sicherheit auf mein Lager warf , da wurden meine trüben Gedanken schnell abgeschnitten , indem die Erschöpfung mich übermannte und ein fester , traumloser Schlaf mir die Augen schloß . Lange vor Anbruch des Tages wurde ich indessen wieder geweckt . Erschreckt fuhr ich empor , allein nur der Besitzer des Jesuitenhofes stand vor mir , mich fragend , ob ich mit Pferden umzugehen verstehe . » Ich habe meinem Kutscher die Erlaubniß ertheilt , sich auf einige Tage zu seiner Familie nach Rheindorf zu begeben , « sagte er , nachdem ich auf seine Frage bejahend geantwortet , » und da wollte ich Sie ersuchen , sich in den Rock meines Kutschers zu werfen und mich nach Köln und nach kurzem Aufenthalt daselbst , von dort nach Nachen zu fahren . Von Aachen aus können Sie sehr leicht über die nahe Grenze gelangen , und um Aufsetzen zu vermeiden , fahre ich eigenhändig wieder zurück . « Natürlich ging ich auf dieses Anerbieten ein , und eine Stunde später saß ich im blauen Rock mit schwarzem Sammelwagen und silberner Tresse auf dem Kutschersitz einer leichten , offenen Droschke , in der einen Hand die Peitsche , in der andern die Zügel von zwei kräftigen Braunen , und in scharfem Trabe rollten wir von dem Hofe hinunter , durch einen großen Garten auf die nach Köln führende Chaussee zu . In Köln rasteten wir nicht länger , als es die Sorge für die Pferde erheischte , und bereits am nächstfolgenden Abend trafen wir in Aachen ein . Unangefochten , wie ich als Kutscher meines mit Wege- und Wasserbauten beschäftigten Gastfreundes geblieben , gelang es mir auch , die nahe Grenze zu erreichen , und als ich dieselbe überschritten hatte , genügten meine Papiere vollkommen , mich gegen jede Verfolgung sicher zu stellen . Von Havre aus , und nachdem ich auf einem in den nächsten Tagen nach Amerika absegelnden Schiffe einen Platz für mich ausbedungen hatte , schrieb ich an meinen Vormund und nach Frankfurt , um Diejenigen , die meiner mit warmer Theilnahme gedachten , über mein Geschick zu beruhigen . Auch das Wanderbuch und die Pfeife sandte ich dem ursprünglichen Besitzer zurück . Die Vorbereitungen zur Reise und das fremdartige Gewirre in der so reich belebten Hafenstadt , durch welches ich mich gleichsam hindurchwühlen mußte , hinderten mich , viel über meine Lage und meine Aussichten nachzudenken . Erst als die Meereswogen gegen die schwarzen Wanten des Schiffes , welches mich einer unbestimmten Zukunft entgegentrug , brandeten und sich schäumend überschlugen , und als in der Ferne das Festland wie ein schmaler Nebelstreifen vor meinen Blicken verschwand , da erst beschlich mich wieder das Gefühl einer gänzlichen Vereinsamung , welches mich seitdem auch nie wieder verlassen hat . Traurig saß ich auf dem Verdeck , traurig betrachtete ich die tiefblaue , bewegliche Scheidewand , welche sich , mit jeder Minute mehr und mehr anwachsend , unbarmherzig , unübersteiglich zwischen mich und mein theures Heimathland drängte . * * * Der Schnee schmilzt auf den Höhen ; unendliche Eislasten wälzt der Missouri dem Golf von Mexiko zu , und unter der Erdoberfläche regt sich organisches Leben , um sich von den ersten warmen Frühlingstagen an ' s Tageslicht locken zu lassen . Der Winter ist zu Ente ; nur noch einige Wochen , und ich breche mit meiner ganzen Habe auf , um auf dem nächsten Handelsposten die Erfolge meiner Winterjagden zu verwerthen und den Sommer und Herbst in den Prairien zu verbringen . Wie ganz anders und um wie viel freundlicher ist mir dieser Winter , im Vergleich mit den früheren , verstrichen ! Das Niederschreiben des ersten Theils meiner Lebensgeschichte gereichte mir nicht nur zur Unterhaltung und zum Trost in meiner Einsamkeit , sondern es gewährte mir auch einen mit Freude