begierig den aromatischen Duft ein . Alles Frösteln war vorüber , und die Tasse mitsamt dem Herdfeuer vor uns , auf einem alten Binsenstuhl uns wiegend , plauderten wir vom Luch , als wären wir über den Kansasriver oder eine Prairie » far in the West « gefahren . Walchow Walchow Ha , ich kenne Dich noch , als hätt ' ich Dich gestern verlassen , Kenne das hangende Pfarrhaus noch , das Gärtchen , die Laube Schräg mit Latten benagelt . Schmidt van Werneuchen Man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt , Wie anders tragen uns die Geistesfreuden Von Buch zu Buch , von Blatt zu Blatt . Faust Von Langen , das wir nach einer Fahrt durchs Wustrausche Luch am Schluß unseres vorigen Kapitels glücklich erreichten , ist nur noch eine Viertelmeile bis Walchow . Walchow ist Mittelpunkt des Rhinluches . In den Zeiten , die der Reformation vorausgingen und ihr unmittelbar folgten , war es ein adliges Gut , das den Wuthenows und Zietens gehörte . So bis 1638 , wo die Kaiserlichen unter Gallas dieses Dorf , wie so viele andere des Ruppinschen Landes , in einen Aschenhaufen verwandelten . Nach dem Kriege verkauften die genannten beiden Familien ihre Anteile , die nun zunächst 1680 mit holländischen , 1699 mit pfälzischen Kolonisten besetzt wurden . Ein Jahrhundert später begann das Prosperieren . Jetzt ist Walchow reich oder doch wohlhabend . Einen Beweis für ländliche Wohlhabenheit bietet der Kirchhof , und zwar in der Regel mehr als die Erscheinung der Dörfer selbst . Die neue Scheune kann gebaut worden sein , weil es nötig war , oder die alte niederbrannte , das Kirchhofsdenkmal aber ist recht eigentlich ein Gegenstand des Luxus . Die Menschen müssen sehr pietätvoll , sehr eitel , oder aber sehr wohlhabend sein , wenn sie mit dem geliebten Toten einen Teil ihres Besitzes teilen sollen . In Walchow hat der Dorfschulze seinem fünfzehnjährigen Sohne ein Monument errichtet , wie ' s dem Begräbnisplatz eines adligen Hauses zur Zierde gereichen würde . In Front einer Tempelfassade ( der Giebel von dorischen Säulen getragen ) steht auf hohem Postament ein Engel des Friedens ; Zypressen und Blumenbeete ringsum . An der Wand des Tempels aber erblicken wir eine Bronzetafel mit folgender Inschrift : » Hier ruhet in Gott Erdmann Friedrich Hölsche , Das letzte Kind seiner tiefgebeugten Eltern . Die Sorge für Dich war die frohe Arbeit unserer Tage . Die Freude an Dir unser gemeinsames Glück , und unsere Hoffnung sah in Dir des nahenden Alters Stütze . Du liebes Kind , nun gründen wir Deiner Asche diese Wohnung . Mögest Du sanft darinnen ruhn , mögen auch wir Trost empfangen an dieser Stätte und den Frieden auf Erden . « Die eigentliche Sehenswürdigkeit Walchows ist aber doch seine Pfarre . Hier wohnt Superintendent Kirchner , ein Sechziger , rüstig im Leben , im Amt und in der Wissenschaft . Fest und freundlich , gekleidet in den langen Rock des lutherischen Geistlichen , das angegraute Haar gescheitelt und in zwei Wellen über die Schläfe fallend , erinnerte mich sein Auftreten an das jener dänischen Pfarrherren , deren mir , während des vierundsechziger Krieges , so viele , von der Koldinger Bucht an bis hinauf an den Limfjord , bekannt geworden waren . » Wie Grundvig « war der erste Eindruck , den ich empfing , und dieser Eindruck blieb auch . In der Tat , eine frappante Ähnlichkeit zwischen dem nordischen und dem märkischen Manne : Strenggläubigkeit , nationale Begeisterung , Einkehr bei der Urzeit des eigenen Volkes , Hang das Dunkel zu lichten , Vorliebe für Hypothesen und zuletzt Identifizierung damit . Grundvig dabei mehr die Sagenüberbleibsel einfangend , die wie Sommerfäden von Heide zu Heide ziehen , Kirchner die Heide selbst durchforschend , bis sie Gräber und Urnen und in beiden ihre Geheimnisse herausgibt ; der eine Dichter , der andere Archäolog ; jener im Studium alter Lieder aus der geistigen Welt eine sachliche , dieser im Studium alter Waffen , Münzen usw. aus der sachlichen Welt eine geistige konstruierend . Und wirklich , Superintendent Kirchner ist nicht bloß ein Sammler nach Art so vieler seiner Amtsbrüder , die nur im Vorhofe der Wissenschaft , speziell der Altertumskunde wohnen ; er gelangt vielmehr zu Schlüssen aus dem Gesammelten , und hier liegt der Unterschied zwischen Wissenschaftlichkeit und Liebhaberei . Die Mappen , die Schubfächer , die Glaskästen sind ihm nicht Zweck , sondern nur Mittel zum Zweck , und der historische Sinn ( samt jenem Bedürfnis zu Resultaten zu kommen ) erwies sich siegreich in ihm über die bloße Kuriositätenkrämerei . Denn auch die schönste bronzene Streitaxt , die zierlichste Feuersteinlanzenspitze , sie haben nur Anekdotenwert , wenn sie nicht den Wunsch anregen , den Charakter und das Wesen einer Epoche daraus kennenzulernen . Ob richtig , ist zunächst gleichgiltig . Der Weg zur Wahrheit ist mit Irrtümern gepflastert . Ein Studierzimmer von mäßiger Ausdehnung , in das wir jetzt eingetreten , ist , wie Bibliothek , so auch Naturalienkabinett und Museum für nordische Altertümer . Es wurde mir vergönnt , in den Schätzen dieser nicht zahlreichen aber sehr ausgezeichneten Kollektion eine Stunde lang schwelgen zu können , wobei sich mir der alte Satz bewahrheitete , daß Anfänger und Laien in kleinen Sammlungen am meisten zu lernen imstande sind . Museumsmassenschätze staunt man an und geht mit dem trostlosen Gefühl daran vorüber , » dieser 10000 Dinge doch niemals Herr werden zu können « ; wo hingegen nur hundert Dinge zu uns sprechen , lächelt uns von Anfang an die Möglichkeit eines Sieges . Und dieser Sieg wird uns sicher , wenn ein Kundiger abermals auszuscheiden und den verbleibenden Rest durch begleitende kleine Vorträge mehr und mehr zu veranschaulichen versteht . Es heißt dann immer aufs neue : » Du wirst dabei in einer Stunde mehr gewinnen , als in des Jahres Einerlei « . Und still dankbar klangen in meinem Herzen diese Worte nach . Unter den Schätzen ,