uns die Hände nach und flehte : » Erbarmen , Effendi , Erbarmen ! Hier gehe ich zu Grunde ! « Da hielt ich an und antwortete : » Was habe ich dir heut früh vorausgesagt ? Du werdest auf den Knieen liegen und mich um was für eine Erlaubnis bitten ? « » Dir mein Geständnis machen zu dürfen ! « jammerte er . » Nun gut ! Ich habe mein Wort erfüllt . Was tust du nun , um dich zu retten ? « » Die Wahrheit sagen . Weiter kann ich nichts ! « » So sprich ! « Ich tat einen Ruderschlag , um ihm wieder näher zu kommen . Sobald er dieses Zeichen der Geneigtheit sah , kehrte ihm der verlorene Mut zurück . Noch vor dem Gerippe schaudernd , von dem er sich ab- und zu uns wendete , wagte er doch , von Neuem zu lügen und zu leugnen : » Ich weiß , du prüfst mich nur , Effendi . Du willst sehen , ob ich ein Mensch bin , der sich Unwahres ersinnt , um sich zu retten , und wirst mich dann , wenn ich es nicht tue , nur um so höher schätzen . Ich habe mit dem Scheik ul Islam wirklich nichts zu tun . Nimm mich jetzt wieder mit , und führe mich in dein Haus , so werde ich dir die Beweise geben , daß ich nur zu Euerm Glück zu Euch gekommen bin . Ich teile dir alle Geheimnisse dieser Ruinen und die sämtlichen Absichten Eurer Feinde mit . Ihr wandelt schnurgerad in das Verderben . Ich aber zeige Euch den Rettungsweg ! Die Faust ist hoch erhoben , die Euch treffen soll . Wenn nicht schon heut , so fällt sie doch ganz sicher morgen auf Euch nieder . Ich aber , der ich Alles weiß , werde als Euer Beschützer bei Euch wohnen und - - - « » Und dann mit deiner Pekala beim neuen Schah in Isphahan erscheinen ! « fiel ich da ein . » Du Narr ! Das war die letzte deiner falschen Karten . Zu denken , daß wir diesem Trumpfe glauben , nachdem wir alle andern schon als falsch erkannten , ist nicht mehr Wahnsinn , ist Vermessenheit ! Fort , Kara , nur fort ! « Uns von ihm abwendend , senkten wir die Ruder . Einige kräftige Schläge und der Stein lag schon im tiefsten Dunkel . » Halt , halt ! Ich will gestehn , gestehn - - - gestehn ! « schrie es hinter uns , und alle Säulen hallten es wider . Wir kehrten uns nicht daran und überließen ihn der Finsternis , die nicht nur um ihn , nein , auch in ihm gähnte . - - - - - - Drittes Kapitel Vor dem Rennen Am nächsten Morgen vermaß ich mit Karas Hilfe die Ruinen , so unauffällig wie möglich . Die Aufmerksamkeit der Dschamikun war derart auf den Rennplatz gerichtet , daß sie uns gar nicht beachteten . Ich fand , daß meine Vermutungen mich nicht getäuscht hatten . Die Seitenkanäle lagen genau unter den sich amphitheatralisch erhebenden einzelnen Stockwerken . Und das Alabasterzelt stand , allerdings in viel größerer Höhe , ebenso genau über der Nische des hintern Bassins . Nachdem ich dieses festgestellt hatte , machte ich einen Spazierritt , ja , einen Spazierritt , freiwillig , ohne daß ich vom Pferde dazu gezwungen wurde . Es ging vortrefflich , rund um den See , hübsch langsam und bedächtig , bis Assil auf den Gedanken kam , doch auch mal einen Trab mit mir zu versuchen . Das schukkerte ein bißchen , und ich kam einige Male etwas schief auf die Seite ; aber ich konnte mich doch unmöglich vor meinem eignen Pferde blamieren und so hielt ich es nolens volens aus . Da kam mir eine Schar von Jungens entgegen , welche , hier wie überall , den künftigen Ereignissen vorzugreifen suchten . Die kleineren saßen auf alten Ziegenböcken , die größeren auf Eseln . Laut schreiend , lachend , jubelnd kam mir diese Bande entgegen , mit allen Beinen zappelnd und mit allen Händen in der Luft . Sie füllten den ganzen Weg , und Keinem fiel es ein , mir auszuweichen . Das sah Assil ebenso gut wie ich . Er wollte sie nicht über den Haufen rennen , prallte mitten im Trabe auf die Seite und stand fest . Das gab für mich zwei ganz unerwartete Stöße , die mich allerdings nicht im geringsten geniert hätten , wenn ich schon wieder bei vollen Kräften gewesen wäre . So aber war ich nicht stark genug , mich in den Bügeln zu halten . Ich verlor die Balance und wäre wohl herabgestürzt , wenn ich nicht schnell den zweiten Stoß benutzt hätte , in möglichst unlächerlicher Weise aus dem Sattel zu kommen . Ich schwang , mich auf den Sattelknopf stützend , das eine Bein über das Kreuz des Pferdes auf die andere Seite herüber , um der Sache den Anschein zu geben , als ob ich absichtlich habe hinabgleiten wollen , doch hatte ich diesem Schwunge trotz meiner Entkräftung oder noch wahrscheinlicher grad wegen derselben zu viel Kraft gegeben und kam darum nicht nur ganz elegant vom Pferde herab , sondern setzte mich noch viel eleganter auf den Boden nieder . Für einen Augenblick war ich ganz starr darüber , daß mir , mir , mir so Etwas hatte geschehen können . Auch Assil drehte den Kopf herum , hob sehr verwundert den Schweif und spielte mit den Ohren , als ob er diese ganze , kolossale Fatalität für gar nicht wahr , sondern nur für eine ausgesonnene Geschichte halte . Dann stand ich auf und gab mir Mühe , ein möglichst unbefangenes Gesicht zu machen , ungefähr so , wie ein Pudel , der beim heimlichen Milchtrinken ertappt worden ist und sich noch schnell den weißen Schnurbart abwischen will , aber doch nicht