im allerschlimmsten Falle . « » Aber es steht doch schlimm ! « » Noch nicht ! « » Man wird sie gleich einholen . « » Sie kommen ja grad auf uns zu ! Mit jedem Sprunge der Pferde wird es besser . « Kaum hatte er das gesagt , so geschah etwas , was dieses Wörtchen besser Lügen strafen zu wollen schien . Der Scheik der Kalhuran nämlich hatte bisher angenommen , daß er es nur mit zwei feindlichen Abteilungen zu thun habe ; nun aber sah er auch noch andere Reiter , die sogar genau von vorn grad auf ihn zukamen . Er mußte auch sie für Gegner halten . Die Entfernung war ja noch so groß , daß vom Erkennen der Gesichter keine Rede sein konnte . Er glaubte sich also in der allerhöchsten Not und versuchte , noch Rettung dadurch zu finden , daß er von der bisherigen Richtung schief nach rechts abwich . Er konnte freilich hoffen , hierdurch an den neuerschienenen Feinden glücklich vorüberzuschneiden , gab damit aber dem » Rittmeister « eine bedeutend größere Chance , ihn einzuholen . » Das ist falsch ! « rief Tifl erregt aus . » Das sollte er nicht thun ! « » Er weiß doch nicht , wer wir sind , und daß wir ihn retten wollen ! « antwortete Kara . » Giebt es denn nicht vielleicht ein Zeichen , welches er kennt ? « » Nein ! « Aber schon nach einigen Augenblicken hatte er sich auf etwas besonnen . Er fügte hinzu : » Doch , aber doch ! Ich habe einen Gedanken . Ich werde einen Raum zwischen dir und mir lassen . Hoffentlich sieht er dann , daß hier die Stute unseres Ustad läuft . Und meine Mütze , die ich so oft vor ihm vom Kopf genommen habe ! Ich zeige sie ihm . Wenn er scharfe Augen hat , so erkennt er mich an ihr ! « Er ließ zwischen sich und Kara so viel Abstand entstehen , daß die » Sahm « von Karas Pferden abgesondert zu sehen war . Dann richtete er seine lange , schmale Figur möglichst hoch empor , nahm die Mütze vom Kopfe und schwang sie in so auffälliger Weise über sich , daß der Scheik der Kalhuraa ganz besonders auf ihn aufmerksam werden mußte . Zur großen Freude des » Kindes « ließ der Erfolg der gegebenen Winke auch gar nicht lange auf sich warten ; Hafis Aram lenkte wieder in die vorherige Richtung ein , und man sah trotz der noch großen Entfernung deutlich , daß er den Arm in die Höhe hob , um Antwort zu geben . Ganz natürlich hatten aber seine Verfolger dieselbe Beobachtung wie er gemacht . Zwar wußte der » Rittmeister « nichts über Kara und Tifl ; aber dafür mußte es dem » Oberleutnant « um so klarer sein , daß und durch wen den Flüchtlingen jetzt diese Hilfe kam . Es war zu sehen , daß er seine Leute antrieb , ihre Eile zu vergrößern . » Er hat mich verstanden ! « jubelte Tifl . » Aber , schau , was ist ' s mit seinen Pferden ? « Diese Frage war sehr gerechtfertigt , denn die Schnelligkeit der Verfolgten begann jetzt plötzlich , sich zu vermindern . Ihre Pferde konnten nicht mehr weiter . Sie fielen aus der bisherigen Karriere zunächst in einen kurzen , stoßweise noch erzwungenen Galopp ; dann hielt mitten in demselben das eine an , that noch einige wankende Schritte vorwärts und brach hierauf , vollständig erschöpft , zusammen . Es war dasjenige , welches die Frau des Scheiks ritt . Sie besaß Gewandtheit genug , während des Sturzes abzuspringen , so daß sie nicht mit zu Falle kam . Sie ließ das Tier liegen und lief , so schnell sie konnte , weiter . Da stand auch das andere still , Hafis Aram glitt aus dem Sattel , faßte sein Weib , als es ihn erreichte , bei der Hand und zog es in eiligstem Laufe mit sich fort . Während dies geschah , hatte sich der Abstand zwischen den verschiedenen Parteien so verringert , daß Kara und Tifl das jubelnde Geschrei der Verfolger hören konnten . Der erstere maß mit scharfem Auge die verschiedenen Abstände ; der letztere besaß diese ruhige Kaltblütigkeit nicht . » Das Geheimnis , das Geheimnis ! « rief er aus . » Wir kommen sonst zu spät ! « » Nein , « entgegnete Kara . » Vielleicht nachher , doch nicht jetzt ! Wir kommen grad zur letzten , rechten Zeit ! « Er hatte ganz richtig geschätzt . Der » Oberleutnant « ritt von allen seinen Leuten das beste Pferd und befand sich infolgedessen dem Scheik am allernächsten . Seine Untergebenen waren wohl noch an die hundert Pferdelängen hinter ihm . Man hörte seine drohend brüllende Stimme . Dreihundert Längen jenseits , links von ihm , kam der » Rittmeister « herangestürmt . Da fragte Tifl , natürlich mitten im Jagen : » Werden Assil und Barkh sich nicht weigern , den Scheik und seine Frau zu tragen ? « » Nein , « antwortete Kara . » Ich sage ihnen ein Wort ; das genügt . Ich befürchte nichts . Nur der Oberleutnant kann uns stören . « » Kümmere dich nur um die zu Rettenden , damit sie nicht zögern , aufzusitzen ; ihn aber überlaß mir ! « » Getraust du dich an ihn ? « Da lachte » das Kind « laut auf und sagte : » Getrauen ? Hast du mich für feig gehalten ? Paß auf ! Gleich sind wir da . « In diesem Augenblick blieben die Flüchtlinge stehen ; sie waren außer Atem . Aber sie erkannten Tifl , sahen zwei ledige Pferde und sandten den Rettern freudige Rufe entgegen . Diese sausten heran . Kara zügelte seinen Ghalib und hielt mit ihm und den beiden Rappen vor Hafis Aram an