versichert der steten Bewunderung Ihres ( will ' s Gott ) getreuen Schildknappen und Wagenlenkers . « Xaver Graf Krastinik . Mein lieber Graf Krastinik , Ihr Schreiben hat mich gerührt und bin ich Ihnen dafür zu Dank verpflichtet . Allein Ihre schmeichelhafte Verwunderung reizte mich - verzeihen Sie meine Offenheit - zu stiller Heiterkeit . Nehmen Sie es als etwas Ehrendes , wenn ich Ihnen zurufe : Ach , sind Sie noch grün ! Die sogenannten Schriftsteller , sowohl die ungeheure Menge der Mittelmäßigen als auch die wenigen Bedeutenden , zerfallen moralisch in drei Kategorieen ( Ausnahmen bestätigen nur die Regel ) : die Schurken , die Lumpe und die Dummköpfe . Die Schurken verfolgen mit allen Mitteln lediglich ihre Privat-Interessen , die Lumpe haben gar keine Meinung und die Dummköpfe eine Meinung , welche meist noch schlimmer ist als gar keine . Glauben Sie etwa , daß die Burschen , welche die » Oeffentliche Meinung « ( lucus a non lucendo ) vertreten , es auch nur der Mühe werth finden , die Autoren zu lesen , über die sie ein Verdikt abgeben ? Hören Sie einen solchen Nullmenschen über mich faseln , so fordern Sie ihm sein Ehrenwort ab , ob er wirklich auch nur eins meiner Hauptwerke gelesen habe ! Doch , pah ! Das nützt nichts : Wo keine Ehre ist , wirkt auch kein Ehrenwort . - Lassen Sie ' s gut sein ! Eines Tages muß die Wahrheit durchdringen ; so groß ist ihre innere Unwiderstehlichkeit . Noch eins . Sie werden wahrscheinlich gehört haben , ich hätte die Schwäche , Collegen zu » entdecken « , großzupreisen und dann ebenso schnell fallen zu lassen . Lassen Sie sich nichts vorreden ! Tauschender Schein , leerer Schwindel - nichts weiter ! Ganz grundsatzgetreu bleiben bekanntlich nur die Bösewichter und seine Ansicht corrigiren ist kein Fehler . Aber nicht einmal das kann man mir bei genauer Prüfung vorwerfen . Ich habe stets dasselbe über Andere gedacht und geschrieben von anfang bis heute . Zwar muß man abrechnen , daß ich einerseits gutmüthig und besonders dem Mitleid für » Verkannte « zugänglich , andrerseits nervös und verbittert bin - daß also der schändliche Undank , den ich stets von » Collegen « zu genießen das Glück hatte , mich irritirt . Das würde aber jeden Andern vielleicht noch mehr empören und ganz bestimmt dessen Urtheil beeinflussen , während bei mir die Objectivität stets die gleiche bleibt . Man wird Ihnen sagen - die nicht gelobten Collegen nämlich , die mein Lob über Andere ärgert - , daß ich später scharfe Dinge geäußert hätte über Leute , die ich früher zuerst begrüßte . Spezielle Widersprüche wird man zwar vergebens suchen , da mein Urtheil über das Einzelne stets feststand , einmal für immer . Aber der Uebergang von wärmster Empfehlung der Begabung bis zu kühler Betonung der Grenzen dieser Begabung war immer der gleiche . Kaum hatte ich durch rücksichtsloses selbstaufopferndes Eintreten für hülflose Anfänger oder Verkannte denselben Bahn gebrochen , als auch die kritiklose Welt diese an meinen Rockschößen baumelnden Anhängsel für Gleichberechtigte neben mir selber hielt und mich mit diesen , von mir über Nacht geschaffenen neuen » Namen « in einen Topf warf . Ich müßte kein Mensch sein , wenn mich das nicht peinlich berühren sollte ! Allein , das Peinliche liegt hier keineswegs in einem egoistischen Grunde : Wären diese Neuen , diese » Dichter von Leonhart ' s Gnaden « , wirklich auch nur entfernt gleichberechtigt , so würde ich der Erste sein , der dies anerkennte , so wie ich vor einem Größeren als ich mich neidlos beugen würde . Daran zu zweifeln , scheint für jeden Psychologen wohl ausgeschlossen . Die Logik spricht dafür ; denn wer sich selbstlos bemüht , Andere , die ihm in keiner Weise nützen können , zu fördern und auf seine Stufe zu heben , der würde auch das Höhere mit gleicher Neidlosigkeit und Wärme anerkennen . Aber das oben berührte Peinliche würde allein mein Wohlwollen noch nicht erschüttern . Da kommt aber ein andrer Umstand hinzu , welcher freilich in der Niedrigkeit der Menschennatur begründet . Die von mir Aufgepäppelten nämlich fühlen mit Unwillen die Last der Dankbarkeit . Sie fühlen ferner , daß das Vermengen ihres » Entdeckern « mit ihnen selbst , wie es der thörichten Welt beliebt , von diesem selbst nicht gebilligt wird . Den nothwendigen Abstand von ihm , in dem er sie , mehr unbewußt als absichtlich , seinerseits zu halten weiß , empfinden sie wiederum als eine Kränkung . Seiner Superiorität , welche sie früher , als sie sich schmeichelnd an ihn wandten , schon dem äußeren litterarischen Verhältniß nach als selbstverständlich anerkennen mußten , hat er sich durch seine Uneigennützigkeit ja nun selbst entäußert . Und die Welt , die es natürlich buchstäblich nimmt , wenn der Warmblütige irgend einen beliebigen Verkannten mit dem schirmenden Schilde » Mein Freund , der hochbegabte X. « deckt , nennt ja selbst » Leonhart , X. , Y. , Z. und all die Andern « ruhig in einem Athem - die Welt muß es ja am besten beurtheilen können ! Von jetztab beschuldigen sie ihn in den Krämpfen ihres heimlichen Neides , den sie nicht Wort haben möchten , des Größenwahns , weil er nicht dulden will ( so sehr er sonst auch für sie ins Zeug geht ) , daß sie ihn ( dem sie litterarisch alles verdanken , ja der oft gleichsam ihr litterarischer Erzeuger gewesen ist ) mit frecher Familiarität unter den Arm nehmen . - Nun kommt das Entscheidende ! Ihr » Gönner « hat tausend Feinde . Diese sagen sich , daß es das sicherste Mittel sei , ihn zu isoliren , wenn sie plötzlich seine früher überall todtgeschwiegenen oder gar beschimpften Schützlinge zu loben anfangen - auf seine Kosten natürlich . Und siehe , sie haben sich nicht getäuscht . Unter heuchlerischem Hin- und Herwenden , knüpfen die werthen Genossen und