und vom Plafond herab grüßten , wenn auch stark nachgedunkelt , die großen , nach Giulio Romanoschen Originalen im Corte reale zu Mantua ausgeführten Deckenbilder , mit denen der prachtliebende König den ganzen ersten Stock hatte dekorieren lassen . An diese Gesellschaftsräume schlossen sich nach rechts und links hin zwei kleinere Zimmer , einfenstrig mit breiten Wandflächen , die , weil mehr benutzt , auch mehr eingebüßt und von ihrer ehemaligen reichen Ausschmückung nur die Deckenbilder , darunter ein » Nacht und Morgen « und einen » Sturz des Phaethon « , gerettet hatten . Das eine dieser beiden kleineren Zimmer war das geheimrätliche Arbeitscabinet , dessen der Tür gegenüber befindliche Längswand von zwei hohen , eine ganze Registratur bildenden Aktenrealen eingenommen wurde . Zwischen diesen Realen auf einem freigebliebenen Wandstreifen hing das Bildnis einer schönen jungen Frau , deren Ähnlichkeit mit Kathinka unverkennbar war . Dasselbe ins Rötliche spielende kastanienbraune Haar , vor allem derselbe Augenausdruck , so daß das einzige , was abwich , das minder scharfgeschnittene Profil , als etwas Gleichgiltiges erscheinen konnte . Durch die halbe Länge des Zimmers hin zog sich ein großer Arbeitstisch ; er stand so , daß das Auge des Geheimrats , wenn er aufsah , das schöne Frauenporträt treffen mußte . Im übrigen hatte das Cabinet manches , was an die Einrichtung eines Junggesellenzimmers erinnerte . Neben dem altmodischen , mit Bildern aus der biblischen Geschichte geschmückten Ofen machte sich ein ziemlich großer , aber flacher und mit roten Tuchflicken angefüllter Korb bemerkbar , der einem englischen Windpiel als Lagerstätte diente , während in einem in der Fensternische stehenden Glasbassin mehrere Goldfischchen ihr munteres Spiel trieben . Die halb herabgelassenen Rouleaux dämpften das ohnehin nur mäßig einfallende Licht ; alles war Wärme und Behagen . Die kleine Pendule schlug eben zehn , als der Geheimrat eintrat , ein Sechziger , groß und schlank , das kurzgeschnittene graue Haar voll und dicht nach oben gerichtet . Er trug einen veilchenfarbenen Samtschlafrock , unter dem er sich in bereits sorglichster Toilette zeigte . Seine Haltung , vor allem die Adlernase , gaben ihm etwas entschieden Distinguiertes . Das Windspiel drängte sich an ihn , um ihn respektvoll , aber verdrießlich zu begrüßen , und zog sich dann zitternd , während das Glöckchen an seinem Halse hin und her tingelte , wieder in seinen warmen Korb zurück . Der Geheimrat seinerseits schritt auf das Bassin zu , um die Fischchen mit einigen Krumen und Insekteneiern zu füttern ; er verweilte minutenlang dabei und nahm dann Platz an seinem Arbeitstisch , auf dem amtliche Schreiben , auch mehrere Zeitungen , darunter englische und französische , ausgebreitet lagen . Er pflegte zunächst alles Geschriebene zu erledigen ; heute hielt er sich zu den Zeitungen und nahm den » Moniteur « . Überlassen wir ihn auf eine Viertelstunde ungestört seiner Lektüre und erzählen wir , während er sich in Empfangsfeierlichkeiten und Loyalitätsadressen vertieft , einiges aus seinem Leben . Alexander von Ladalinski war um die Mitte des vorigen Jahrhunderts auf dem den Mittelpunkt der gleichnamigen Herrschaft bildenden Schlosse Bjalanowo geboren . Die nächste größere Stadt , aber doch mehrere Meilen entfernt , war Czenstochau . Einige der zur Herrschaft gehörigen Güter zogen sich westlich und griffen mit ihrem Hauptbestande ins Herzogtum Schlesien hinüber , das eben damals preußisch geworden war . Der junge Ladalinski empfing eine sorgfältige Erziehung , ging , um diese zu vollenden , erst nach Paris , dann nach Wien und hatte , dreiundzwanzig Jahre alt , eben die Verwaltung seiner Güter übernommen , als die Verhältnisse des Landes ihn in die politischen Kämpfe hineinzogen . Sowenig er diese Kämpfe liebte , so gewissenhaft führte er sie durch , nachdem er erst in dieselben eingetreten war . Er saß im Reichstag und zählte zu den Hervorragendsten unter den Führern der antirussischen Partei . Schon damals sprach sich in seiner Haltung eine bei mehr als einer Gelegenheit hervortretende Hinneigung zu Preußen aus . Diese Hinneigung , vielleicht auch der schon erwähnte Umstand , daß ein Teil seiner Besitzungen dem preußischen Staatsverbande zugehörte , war es wohl , was bei Veranlassung der Thronbesteigung König Friedrich Wilhelms II. seine Mission an den Berliner Hof veranlaßte . Er fand an demselben ein ihn auszeichnendes Entgegenkommen , besonders von seiten des Ministers von Bischofswerder , in dessen Hause er sehr bald ein täglicher Gast wurde . Hier war es auch , wo er die junge Comtesse Sidonie von Pudagla kennenlernte . Was ihn vom ersten Augenblicke an mehr noch als ihre Schönheit bezauberte , war der heitere Übermut ihrer Laune , die mit graziöser Rücksichtslosigkeit geübte Kunst , den Schaum des Lebens wegzuschlürfen . Etwas Pedantisches , das ihm eigen und dessen er sich , in seinen jungen Jahren wenigstens , zu seiner eignen Unzufriedenheit bewußt war , ließ ihm diese Kunst ausschließlich im Lichte eines Vorzugs erscheinen . Ehe er Berlin verließ , wurde die Verlobung gefeiert ; in der Weihnachtswoche folgte dann die Hochzeit , die , unter Teilnahme des ganzen Prinz Heinrichschen Hofes , von dem Bruder und der Schwägerin der Braut : dem Grafen und der Gräfin von Pudagla , in Rheinsberg ausgerichtet wurde . Hatte schon die Hochzeitsfeier einen glänzenden Charakter gehabt , so noch mehr die Hochzeitsreise . Es war wie die Einholung einer Prinzessin . An jedem Rastplatze immer neue Überraschungen , die sich steigerten , je näher man dem Ziele kam . Endlich lag Bjalanowo vor ihnen , hoch , im Abenddunkel eben noch erkennbar , und als nun der vorderste Schlitten in die breite , winterlich kahle Avenue einbog , da wurden auf den vier dicken Rundtürmen vier große Feuer angezündet , in deren Schein jetzt der alte , halbverfallene Backsteinbau dalag wie ein Schloß aus dem Märchen . Unter dem jubelnden Zuruf aller Hintersassen fuhr das junge Paar in den Schloßhof ein . Die Freude , die der Gemahl über die glückliche Durchführung des von ihm selber angeordneten Schauspiels empfand , ließ ihn die Mienen seiner jungen Frau nicht