antwortete Zusel spitz , » hat man uns auf den Freitag zum Pfarrer befohlen . Du bist mir gar nicht die Rechte zum Predigen über glückliche Ehen . Es fehlt da zu sehr am guten Beispiel . « » Aber nicht an Erfahrung . « » Gut , so benütze sie nur für dich ! « » Es ist schon zu spät , wenn man einmal gegen sein Herz , gegen sein Gewissen gehandelt hat in einer so wichtigen Sache - wenn das große Ja vor dem Altar nur eine Lüge gewesen ist . Ein kleines Unrecht , nur eine Verirrung ragt oft wie ein Schatten in die ganze Zukunft hinein . Ich bitte dich um Hansens , um deines Glückes willen , keinen Fluch mit in die Ehe zu nehmen . Oh , die Tropfen sind furchtbarer Same des Unglücks , die über eine Verbindung in gerechtem Schmerz geweint werden ! Denk ' an Hansjörg und an Dorothee ! « » Das « , lachte Zusel gezwungen , » sind freilich nur Schatten , und vor denen fürcht ' ich mich nicht . Die sollen meinetwegen nur hereinragen ... ! « In diesem Augenblicke begann die Sturmglocke zu läuten , und vor dem Haus entstand ein gewaltiger Lärm . Aus dem Durcheinander von Fragen und Antworten brachte Angelika schließlich heraus , daß es hinten im Dorf irgendwo brenne , daß aber Genaueres in dem Schneegestöber nicht zu erkennen sei . » Jesus Maria , mein Margretle ! « jammerte die junge Mutter schon unter der Stubentür . » Um Gottes willen , Schwester , komm ! « » Was kann ich tun ? « fragte Zusel ruhig . » Es wird jetzt nicht gerade bei dir brennen müssen . Der Vater ist nicht da , jemand aber muß daheim sein . Ist mir eigentlich auch ganz recht . Wochenlang hätt ' ich keine Ruhe mehr bei Tag und Nacht , wenn ich so ein Elend mitansehen müßte . « Der größte Teil dieser Rede war von Angelika nicht mehr gehört worden . Mit einem » Ach Gott ! « stürzte sie die Stiege hinunter und befand sich jetzt schon mitten unter denen , die auch zum Retten und Helfen auf den Schauplatz des Unglückes eilten . Der Schmied mit den jüngeren Burschen der Gemeinde war fluchend bemüht , die Feuerspritze unbeschädigt durch die enge Gasse und noch überdies zwischen Zaunpfählen , die starr aus dem Schnee herauf in den Weg hineinragten , halb zerfallenen Mauern und Holzbeigen hineinzubringen . Es war aber nicht mehr möglich , auch bei dem hinter einem Hause rechts und links aufgehäuften Bauholz vorbeizukommen . Mit unsäglicher Mühe mußte die Spritze wieder um die ganze Länge des Hauses zurück und aus der Gasse auf den Schnee gebracht werden , dessen untere Schicht zwar ziemlich hart , aber doch nicht fest genug gefroren war für solche Last . Nur schrittweise war hier , wo keine Pferde mehr benützt werden konnten , dem brennenden Hause näher zu kommen . Auf den Ruf des Schmieds ging es einen Ruck um den anderen . Auch Weiber und Mädchen halfen ziehen und stoßen oder waren doch wenigstens mit anderen am Platze . Sogar Angelika stand still und dachte ans Helfen . Aber die Angst der Mutter trieb sie bald wieder vorwärts auf dem schlechten Weg . Sie mußte doch vor allem wissen , ob ja nicht ihr Haus bedroht oder gar von dem Unglücke getroffen sei . Der Sturm ließ nach , das Schneegestöber legte sich , und am bleiernen Himmel sah man da und dort ein Sternlein flimmern . Im Dorfe ward es immer heller , und jetzt fuhr ' s über den Schnee wie der Blitz . Der gleich folgende Schlag war dem des fernen Donners ähnlich . Angelika hatte bei der furchtbaren Beleuchtung schon genug gesehen . Einen leisen Schrei ausstoßend , sank sie zusammen , aber schon im nächsten Augenblick eilte sie über den Schnee , wie es nur eine Mutter konnte , der es das Leben des einzigen Kindes zu retten galt . Das Auffliegen des Pulverfasses hatte auch dem Krämer , welcher ziemlich nahe dem brennenden Hause bewußtlos im Schnee lag , die Besinnung wiedergeweckt . Erschrocken sprang er auf und sah , wie das stattliche Gebäude schon an drei Ecken in Flammen stand . Alles , was er in den letzten Viertelstunden durchmachte , lag auf ihm mit furchtbarer Schwere und würde den Greis wieder in den früheren Zustand niedergedrückt haben , wenn er nicht noch ans Margretle , das liebe , gute Kind , gedacht hätte . Das lag nun in dem brennenden Hause , vielleicht von der erwarteten Mutter träumend oder von ihm , während sich die Flamme näher und näher wälzte , immer lauter brummend und prasselnd , wie vorhin im Stadel . Diese Vorstellung gab dem Krämer alle seine Kräfte mit einemmal wieder . Wie oft auch der Schnee jetzt unter seinen schweren hastigen Tritten brechen und er fast knietief einsinken mochte , dennoch kam er früher als Angelika vor dem Hause an . Ach , alle die vielen sah er einzig mit der Rettung der anderen Häuser beschäftigt . » Niemand « , rief er verzweifelnd , » niemand hat ein Herz für das arme Kind , niemand , niemand ! « Kein Mensch hatte gesehen , was der Krämer litt , als er den Himmel röter und röter werden , die ernsten Felsenköpfe da droben immer heller leuchten sah , während die Sturmglocke läutete . Niemand wußte noch , daß auf ihm allein alles mit doppelter Schwere liege , was diese Stunde der ganzen Gemeinde brachte . Aber eine Empfindung davon weckte schon der Ton seiner Stimme . Es war etwas in seinem Ausruf , das alle schaudern machte und ihr Mitleid mit dem sonst so unbeliebten Mann erregte , daß auch die Nachbarn sogar nicht mehr an die Gefahr dachten , die ihren Häusern drohte . Es war nur den folgenden Worten des Krämers zuzuschreiben ,