daß ihm Wort gehalten werde . Freiwillig entläßt er Sie Ihres Contractes nicht , und contractbrüchig werden Sie doch schließlich auch nicht heißen und nicht werden wollen ! Sie sprachen hin und her ; der Baumeister verrieth nichts von dem , was ihm widerfahren war , aber der Amtmann , welcher gut zu fragen und zu hören wußte , kam durch einzelne Aeußerungen Herbert ' s ziemlich auf die rechte Spur , und was er von dem Freiherrn auch Gutes sagen mochte , seine Worte trugen doch alle das Gepräge der Abneigung , welche er gegen die Herrschaften hier in der Gegend , wie er den Adel nannte , in sich hegte . Selbst in Eva sprach sich die gleiche Gesinnung aus , und wenn der Amtmann sich mehr an das Allgemeine hielt , so wußte Eva so viel kleine Züge von der Selbstsucht und dem Stolze , den Galanterieen und den Liebesabenteuern der adeligen Damen zu erzählen , wie sie als Gerüchte von einem Amthause in das andere getragen wurden , daß Herbert den letzten Rest des sanften Zaubers schwinden fühlte , in welchem sein Verhältniß zu dem freiherrlichen Hause und zu Angelika ihm erschienen war . Er begann sich in seinem Innern einen eiteln Thoren , einen schwachherzigen Neuling zu schelten . Er malte es sich aus , wie man ihn im Schlosse jetzt geringschätzig verlachen möge , und während der Amtmann und seine Schwester mit Vergnügen davon sprachen , daß sie Herbert nun bei sich behalten würden , während sie ihm vorschlugen , wie er es sich bei ihnen bequem machen könne , dachte er nur daran , überhaupt aus der Gegend fortzukommen . Eva ' s zuversichtliche Betheuerung , daß er bleiben werde , weil ihr Bruder gesagt habe , daß er bleiben müsse , steigerte seine Sehnsucht , sich loszureißen . Er konnte den Augenblick bis zur Rückkehr des Boten kaum erwarten , und mitten in dem Plaudern von Eva und trotz der Unterhaltung mit dem Amtmanne war er innerlich nur damit beschäftigt , sich die Art und Weise vorzustellen , in welcher der Freiherr in die Aufhebung des Contractes willigen und ihm seine Entlassung zugestehen werde . Es fiel ihm schwer , bei Eva vor der Thüre sitzen zu bleiben , als er den Knecht am Nachmittag über den Hof kommen sah ; selbst Eva wurde unruhig über die Langsamkeit , mit welcher derselbe die Weste aufknöpfte , unter der er das Schreiben des Barons , welches er der Vorsicht wegen noch mit seinem Tuche umwickelt hatte , hervorzog . Aber schon der Anblick dieses Schreibens machte Herbert betroffen . Es war ein kleines Blättchen , leicht zusammengelegt , wie man es einem Untergebenen als Anweis oder mit einem Befehle wohl einmal sendet ; und wie sein Aeußeres war auch der Ton , in dem es gehalten . » Machen Sie sich keine Sorge « , schrieb der Baron . » Ich bin durchaus nicht unzufrieden mit Ihnen und Ihren Leistungen , im Gegentheil ! Ich pflege auch nicht aufzugeben , was ich unternehme , und erwarte das Gleiche von jedem Manne , der sich zu respectiren weiß . Bleiben Sie also ruhig in Rothenfeld , das ist Ihrem Werke sicher förderlich , besonders da Sie Steinert zur Hand haben . Wegen meines anderen Vorhabens sprechen wir bald das Nähere . Ich werde Sie in den nächsten Tagen benachrichtigen und Zeit und Stunde bestimmen . « Das war Alles . Der Brief trug keine Anrede und keine Unterschrift , als das mit langem Zuge versehene A. , mit welchem der Freiherr wie ein König die Erlasse an den Amtmann zu unterzeichnen pflegte . Er behandelte Herbert , als sei gar nichts vorgegangen , als habe nie eine andere als die geschäftliche Beziehung zwischen diesem und dem freiherrlichen Hause Statt gefunden , als könne des jungen Mannes Wunsch , sich von der ihm aufgetragenen Arbeit zurückzuziehen , gar keine andere Ursache haben , als seine Besorgniß , daß der Freiherr mit seinen Leistungen nicht zufrieden sei . Eine Zurechtweisung , eine Anmahnung zur Pflichterfüllung enthielt das Schreiben , kein Wort der Begütigung , wie die Einleitung von Herbert ' s Brief sie forderte , wenn man ihn festzuhalten wünschte und ihn nicht hatte kränken wollen . Er las den Brief noch einmal und noch einmal . Es war die schwerste Demüthigung , welche er empfangen hatte ! Eva , die ihn während des Lesens genau beobachtete , hatte bemerkt , daß er blaß geworden war . Ihre großen Augen hingen ernst an seinen Mienen . Nun ? fragte sie , da er das Schreiben schweigend in die Tasche steckte . Ich bleibe hier ! gab er ihr zur Antwort . Ihr Gesicht erhellte sich , sie hob die Hände empor , um sie vor Vergnügen zusammen zu schlagen , ließ sie aber , als sie in sein verstörtes Antlitz blickte , eben so schnell wieder sinken und meinte kleinlaut : Das thut mir leid , wenn es Ihnen so hart ankommt ! Die Worte , mehr noch der Ausdruck , mit welchem sie dieselben sprach , bewegten ihn . Er wollte sie um Vergebung bitten , ihr eine Freundlichkeit erwidern , indeß er konnte es in diesem Augenblicke nicht . Sie sind recht gut , Eva ! sagte er , indem er ihr die Hand gab . Was nützt das , wenn ich Ihnen nicht helfen kann ? entgegnete sie , indem sie sich von ihm losmachte und sich entfernte . Es war bei ihr immer , in Fröhlichkeit und Betrübniß , derselbe gute und werkthätige Sinn ; aber es war Herbert doch erwünscht , allein zu sein . Er konnte eben jetzt keine Hülfe und keine Gesellschaft brauchen . Er ging auf sein Zimmer und an seine Arbeit , denn arbeiten , vorwärts kommen , hieß jetzt für ihn , seiner Freiheit näher rücken . Aber wie er den Sinn auch auf die Verknüpfung der Linien und Zahlen richtete , es brannte immer in