um die Länge seiner eigenen stumpfen Nase schlägt . Die Reiter springen aus den Sätteln . Julius läuft auf das Fenster zu und ruft : Ich war doch der Erste , Mama ! Ja , erwiderte Melitta , mach ' nur , daß Du herein kommst , und sag ' Onkel Oldenburg , er solle sich nicht so lange bei Almansors Sattel aufhalten . Neunundzwanzigstes Capitel Es war nach dem Thee . Julius war bereits zu Bett gegangen . Der alte Baumann hatte die Sachen abgeräumt und sich dann mit einem wohlwollenden Blick auf seine Herrin und ihren Besuch entfernt . Melitta und Oldenburg waren allein in der » rothen Stube « Weshalb bist Du heute so verstimmt ? sagte Melitta , die auf dem Sopha saß , während der Baron seiner Gewohnheit gemäß langsam im Zimmer auf und abschritt . Ich bin nicht verstimmt . Nun denn , nachdenklich ? Das eher . Ich habe heute Nachmittag einen Brief von Birkenhain gehabt . Hattest Du in den letzten Tagen einen Brief von ihm ? Nein ; weshalb ? Hm ! Ist das eine Antwort ? Gewiß und zwar eine sehr vieldeutige . Hm ! bedeutet sehr viel - In diesem Falle zum Beispiel ? Weißt Du , daß wir aller Wahrscheinlichkeit nach , ohne eine Ahnung davon gehabt zu haben , mit Czika und Xenobi und mit Oswald zu gleicher Zeit in Fichtenau gewesen sind ? Melitta wurde sehr roth und wußte nicht sogleich , was sie erwidern sollte . Oldenburg ließ ihr aber auch keine Zeit zu einer Erwiderung , sondern nahm Birkenhains Brief aus der Tasche , setzte sich an den Tisch , Melitta gegenüber und sagte : Birkenhain schreibt nämlich , nachdem er mir auf meine Anfrage wegen Julius Auskunft ertheilt - Julius soll mindestens bis Neujahr mit allem Unterricht verschont werden - Folgendes : Sie haben sich , Herr Baron , in Ihren Briefen so oft und so theilnehmend nach dem Professor Berger erkundigt , dessen Bekanntschaft Sie bei mir im Sommer gemacht hatten , daß es Sie interessiren wird , von diesem in der That außerordentlichen Manne wieder einmal zu hören . Sie erinnern sich aus den Gesprächen , die Sie mit ihm geführt haben , daß sein Wahnsinn zu der Kategorie der philosophischen gehörte , und daß er seinen Fundamentalsatz , oder vielmehr seine fixe Idee von der absoluten Nichtigkeit alles Seins - dem großen Urnichts , wie er es nannte - mit der ganzen Gelehrsamkeit und dem ganzen Scharfsinn , die ihm in so reichem Maße zu Gebote standen , vertheidigte . Meine Hoffnung , den ausgezeichneten Mann in kurzer Zeit herstellen zu können , erwies sich leider als vergeblich , und ich gestehe , daß die Methode , welche ich bei ihm einschlug , vielleicht nicht die richtige war . Ich wollte durch Claustration , Entziehung von Büchern u.s.w. ihm die Empfindung des Verlassenseins , der Langweile wecken und damit zugleich die Complementsempfindungen der Sehnsucht nach Gesellschaft , nach Unterhaltung , mit anderen Worten : die Lust am Leben . Aber ich hatte den Fonds von innerm Leben , welcher dem Kranken zu Gebote stand , bei weitem zu gering angeschlagen . Er hätte Jahre lang von den Schätzen seines Geistes zehren können , und die einzige Folge meiner Bemühungen war , daß er sich ungestört tiefer in sein bodenloses Urnichts versenkte . Indessen hoffte ich doch noch immer auf eine günstige Reaction , die meiner Meinung nach bei einem so kräftigen Geiste , wie Berger trotz alldem war , nicht ausbleiben konnte . In dieser Zeit - es war genau an demselben Tage , als Sie mit Frau von Berkow hier waren , und ich vergaß damals nur bei der Eile , welche Sie hatten , mit Ihnen von diesen Dingen , die mich höchlichst interessirten , zu sprechen , kam mir ein Besuch , welcher sich bei mir für Berger angekündigt hatte , gerade recht . Es war dies ein junger Mann , Namens Doctor Stein , - Oldenburg blickte nicht auf , als er an diese Stelle gekommen war - von dem mir ein jüngerer Grünwalder College , in dessen Gesellschaft er reiste , geschrieben hatte , daß er der Liebling und vertrauteste Freund Bergers gewesen sei . Ich versprach mir von diesem Besuche die günstigsten Resultate , eine Hoffnung , die allerdings einigermaßen abgeschwächt wurde , als ich die persönliche Bekanntschaft des Herrn Stein machte , eines auffallend schönen , vornehm aussehenden Mannes , der aber , bei offenbar bedeutenden Gaben und tüchtiger Bildung , mit sich und der Welt so zerfallen schien , wie wir das leider in unserer that- und haltlosen Zeit , die weder weiß , was sie will , noch , was sie soll , nur zu häufig in höherem oder geringerem Grade bei den begabtesten Individuen finden . Freilich hätte ich bei reiflicher Ueberlegung mir voraus sagen können , daß Jemand , an den sich Berger in der allerletzten Zeit vor dem Ausbruche seines Wahnsinns so innig attachirte , wohl ebenfalls ein Hypochonder sein mußte . Aber , er war nun einmal da und die Sache nicht mehr rückgängig zu machen ; überdies hatte ich Herrn Stein , ehe ich ihn zu Berger ließ , sehr bestimmte Instruction seines Verhaltens gegeben und erwartete nun mit großer Spannung das Resultat dieser Zusammenkunft , bei der ich geflissentlich nicht zugegen war . Dieses Resultat war eigenthümlich genug . Als ich von der Unterredung mit Ihnen und Frau von Berkow nach Hause kam , begab ich mich sogleich zu dem Kranken , der unterdeß mit seinem Besuch auf meinen Wunsch einen Spaziergang in den Wald gemacht hatte . Mein erster Blick überzeugte mich , daß etwas Besonderes mit ihm vorgegangen sein mußte . Er ging in heftiger Erregung auf und ab . So wie er mich sah , blieb er vor mir stehen und sagte : Was halten Sie von einer Theorie , Doctor , die sich praktisch noch nicht erprobt hat ? - Nicht