der Thür . Die vier schwerfälligen Braunen wedelten sich bedächtig mit den langen Schweifen die Fliegen ab , und der schweigsame Kutscher klatschte regelmäßig alle fünf Minuten mit der Peitsche , aus purer Gewohnheit und nicht etwa , um die Reiselustigen zur Eile zu ermahnen , was dem seiner Herrschaft schuldigen Respect ebenso sehr widersprochen hätte , wie seinem phlegmatischen Naturell . Ich wußte es ja schon vorher , sagte die Baronin , ihrem Gemahl ein Glas halb voll Moselwein schenkend - trink das , lieber Grenwitz , es wird Dich zu der langen Fahrt stärken - ich wußte es ja vorher . Er schlägt unsere freundschaftliche Einladung aus , weil er sich nicht ganz wohl fühle ! lächerlich ! Er sieht wirklich , seitdem wir in Barnewitz waren , recht angegriffen aus , liebe Anna-Maria , sagte der alte Baron , und dann ist es auch wohl nicht ganz in der Ordnung , daß wir ihn auffordern , mitzufahren in dem Augenblicke , wo der Wagen schon vor der Thüre steht . Wir hätten das auch wohl früher thun müssen . Ich begreife Dich nicht , lieber Grenwitz , sagte die Baronin ; Du thust doch gerade , als ob Herr Stein unsers Gleichen wäre ! Da ist es gar kein Wunder , wenn der junge Mann sich vor Hochmuth nicht zu lassen weiß . Zu einer Fahrt in die Nachbarschaft ihn eine Woche vorher auffordern ! Das fehlte noch ! Haben wir doch selbst über die Helgoländer Reise noch nicht einmal mit ihm gesprochen ! Ich hätte es längst gethan , wenn Du nur einen bestimmten Entschluß hinsichtlich seiner fassen könntest : sagte der alte Herr , sich hinter dem Ohr krauend . Ich habe jetzt meinen Entschluß gefaßt , sagte die Baronin gereizt ; in diesem Augenblick gefaßt . Wenn er uns nicht einmal auf einer dreitägigen Fahrt in die Nachbarschaft begleiten will ; wenn es ihm zu umständlich ist , bei unsern Bekannten , die ihm alle mit der größten Herablassung entgegengekommen sind , mit uns einen Abschiedsbesuch zu machen , so zeigt er ja deutlich , daß er gar nicht Abschied zu nehmen gedenkt , und so mag er denn bleiben , wo er will . Aber liebe Anna-Maria , sagte der Baron , das ist doch am Ende nicht ganz dasselbe , und dann , wo soll er unterdessen bleiben ? und wie sollen wir mit den beiden Knaben allein fertig werden ? Ich sage Dir ja , lieber Grenwitz , entgegnete die Baronin , es ist mir ganz gleich , wo er bleibt , ganz gleich . Er geht ja im Allgemeinen so gern seine eigenen Wege , so mag er es auch in diesem Fall . Er kann eine Fußreise durch die Insel machen , oder seinen Freund Oldenburg besuchen , oder schlimmsten Falls hier bleiben , obgleich sein Hierbleiben allerdings Umstände machen würde . Uns ist er auf der Reise , die so schon kostspielig genug ist , eine ganz überflüssige Last . Er wird sich wie gewöhnlich nur um Bruno bekümmern und die Sorge um Malte gütigst uns überlassen . Bleibt er hier , so muß Bruno schon nothgedrungen sich mehr an Malte anschließen , und da es sich während dieser Zeit doch nur um die Aufsicht der Knaben handelt , so übergebe ich die unserm Johann eben so gern und lieber noch als Herrn Stein . Ja , wir können auf der Rückreise , wenn wir Helene noch bei uns haben , nicht einmal alle in einem Wagen fortkommen . Nein ! , nein ! er bleibt hier ; ich bin jetzt mit mir darüber ganz im Reinen - vollkommen im Reinen . Ich weiß nicht - sagte der alte Herr verdrießlich . Aber ich weiß es , sagte die Baronin aufstehend ; das pflegte Dir ja sonst genug zu sein , lieber Grenwitz . Komm , es ist die höchste Zeit , daß wir aufbrechen , wenn wir zu Mittag noch beim Grafen Grieben sein wollen . Da kommt Malte . Bist Du auch warm angezogen , lieber Junge ? Wo steckt denn der Bruno ? Oben beim Doctor . Er will nicht mit , wenn der Doctor zu Hause bleibt . Siehst Du , lieber Grenwitz , da haben wir ' s , eine vortreffliche Erziehung , in der That ! Sogleich gehe hinauf , Malte ! Bruno soll sich sofort fertig machen , hörst Du : sofort ! Ich werde mich wohl hüten , erwiederte Malte , das magst Du ihm selber sagen . Das werde ich , sagte die Baronin und zog die Schelle . Ich lasse Herrn Doctor Stein bitten , sagte sie zu dem eintretenden Bedienten , auf einen Augenblick zu mir zu kommen . Der Bediente verschwand , die Baronin ging mit schnellen Schritten in dem Gemache auf und ab . Nur um Himmelswillen keine Scene , liebe Anna-Maria , sagte der alte Herr , der ebenfalls aufgestanden war , ängstlich . Die Baronin antwortete nicht , denn in diesem Augenblicke öffnete sich die Thür , und herein traten Oswald und Bruno , Bruno mit düsterem , trotzigen Gesicht und die Spuren eben geweinter Thränen in dem dunklen Auge , aber vollkommen reisefertig , den mit Wachsleinen überzogenen Strohhut in der Hand . Sie befehlen , gnädige Frau ? sagte Oswald , sich vor der Baronin verbeugend . Die Baronin war durch diese unerwartete Lösung der schwierigen Frage ein wenig aus der Fassung gebracht . Ich hörte , Bruno weigere sich , uns zu begleiten , sagte sie , und da wollte ich - Verzeihen Sie , gnädige Frau , unterbrach sie Oswald , von einer Weigerung Bruno ' s , einem ausdrücklichen Wunsche Ihrerseits nachzukommen , kann wohl selbstverständlich nicht die Rede sein . Bruno hätte mir gern Gesellschaft geleistet , das ist Alles . Es bedurfte natürlich nur eines Wortes , ihn daran zu erinnern , daß er meinethalben nicht die Rücksichten aus den Augen setzen dürfe , die er