zwar nicht selbst die englische Uniform in Quebec und am Lorenzostrom , war aber dem bis zum Obersten Emporsteigenden immer zur Seite und kehrte , mehr als sein Freund , denn als sein Diener , mit ihm nach Europa zurück . Zu Kocher am Fall , in der Nähe des gutmüthigen , alle schroffen Gegensätze dieser Familie mit unendlicher Güte und Milde ausgleichenden Dechanten zu St.-Zeno , einem alten , reich dotirten Stifte , einem der wenigen , die in ihrem alten Glanze durch die neuen Zeitläufe deshalb unberührt geblieben waren , weil der Kaiser von Oesterreich einen Theil der Patronatsrechte besaß , siedelte sich der Oberst Ulrich von Hülleshoven zunächst an und man versuchte nun von dort aus , soweit es der schroffe , düstere und der Aussöhnung wenig geneigte Sinn desselben gestattete , die so gewaltsam zerrissenen Familienbande wieder anzuknüpfen . Hedemann war nach Westerhof und dem Institut der Englischen Fräulein entsendet gewesen , um den Onkel Levinus und die Tante Benigna zur Aussöhnung , Armgart aber zu einem Besuch des Vaters , den sie nie gesehen und der seinerseits aufgesucht sein wollte , zu bewegen . Statt der Aussöhnung und statt Armgart ' s brachte Hedemann , der mit Benno von Asselyn , dem von ihm fast erzogenen Adoptivsohn des verstorbenen Max von Asselyn , in der Residenz des Kirchenfürsten zusammengetroffen und von diesem nach Kocher am Fall auf dem Dampfboot und zu Fuß begleitet worden war , einen Brief der Lehrerin Angelika Müller an den Dechanten . Was er enthielt , wußten Hedemann und Benno nicht , der ihn für die Dechanei an sich nahm . Als jener dem jungen Kinde gesagt hatte , der Vater nähme Anstand , sie in Lindenwerth selbst zu besuchen , so sehnsüchtig er nach ihr verlangte , er wünsche und hoffe aber , daß sie , wenn nicht ihn , doch den Onkel Dechanten , wie Franz von Asselyn in allen diesen Familien hieß , besuche ; da hatte Armgart nichts erwidert als daß sie zwar von namenlosester Sehnsucht zu ihrem nie gesehenen Vater erfüllt wäre , jedoch erst mit dem Pfarrer zu Drusenheim in dem der Insel Lindenwerth gegenüberliegenden Enneper Thale , dann mit den beiden Englischen Fräulein , dann mit Angelika Müller , dann vor allem mit ihren wahren Aeltern , Tante Benigna und Onkel Levinus , über einen so wichtigen Schritt Rücksprache nehmen müßte . Mit schwärmerisch andachtsvollem Emporblick hatte Armgart hinzugefügt : Auch meine arme Mutter hat Rechte auf meine Liebe und ich glaube nicht , daß meine Bitte für sie zur seligsten Jungfrau unerhört an der Gnadenreichen vorübergeht ! ... Ihre Mutter , Monika von Hülleshoven , lebte zu Wien noch vor kurzem in einem Kloster , in das sie sich , aus Unmuth , ermüdet vom Kampf mit ihrer Familie , entsagend selbst auf das eigene , aus Strafe ihr geraubte Kind , vor zwölf Jahren zu einer Freundin geflüchtet hatte ... Armgart begleitete bis an die Maximinuskapelle mit dem ganzen Institute den guten Hedemann ( der Wunderdinge von den Wilden und den Wäldern und Wasserfällen Canadas , auch bei der Hinreise nicht oft genug eine große Rettungsthat des Vaters , die einem jungen , im Institut durch Verwandte bekannt genug gewordenen Kaufmann aus der nahe gelegenen handelsreichen Residenz des Kirchenfürsten gegolten , wiederholen konnte - auf der Rückreise war er schweigsamer geworden - ) ; dort aber war sie freilich von ihrer löblichen Absicht , ganz und allein nur den Fragen nach Vater und Mutter zu leben , abgekommen ; denn am Ufer und schon am vielbesungenen Hüneneck sah sie Benno und den noch dazu zum ersten mal in Uniform ! Benno war erst als Student dem Kinde bekannt geworden . Sieben Jahre später wurde er von Westerhof aus gebeten , sich um die nach Lindenwerth zu den Englischen Fräulein gegebene Armgart in sorgsamer Obhut zu bekümmern ; er wohnte dafür nahe genug in der Stadt , wo er bei Dominicus Nück , dem großen Rechtsgelehrten , arbeitete . Seit sechs Monaten sah er sie fast jeden Sonntag ; heute aber zum ersten mal im bunten Rock , der alle Mitpensionärinnen an ihre Brüder und Vettern erinnerte . Da gab es Vergleiche , Erkundigungen , Erinnerungen für diese glückliche junge Welt und so viel wurde nach dem 40. , 36. , 22. Linieninfanterieregiment , nach den Jägern , Husaren , Premier- , Secondelieutenants und Fähnrichen und der Dauer der diesmaligen Uebungen und den in einfachen Gemeinenuniformen steckenden Assessoren , Referendaren , Doctoren und Kaufleuten gefragt , daß das eine der beiden Englischen Fräulein , die das Institut dirigirten , den Verlust der Sammlung zur Andacht in der Kapelle befürchtete und dann nur noch Armgart gestattete , über ihre Familienangelegenheiten , dans ses affaires , wie sie sagte - sie war eine Strasburgerin - , mit dem so ehrbaren oder doch seinen Humor unter Ernst versteckenden Freiwilligen sich zu necken und auszuscherzen . Diese Freiheit war dann auch vollständig von Armgart benutzt worden bis zum Abschiede , den Lucinde gestört hatte . Benno brauchte sich nicht zu stolz zu dünken auf Armgart ' s Vertraulichkeit . Sie liebte im Grunde nur ein Wesen , ihre für sie ganz seraphische , immer nur wie in Marienkränzen , die durch weiße und rothe Wolken gingen , eingerahmte Paula . Benno sah das aufs neue an der augenblicklichen Erkennung eines Wesens , von dem ihr Paula nur erzählt hatte ! Von ihrer eigenen Anwesenheit auf Schloß Neuhof wußte sie nichts mehr - Hühner und Tauben und Schwäne und türkische Enten konnten in Armgart ' s Seele nicht haften bleiben , das mochte geringere Naturen fesseln . Armgart hatte im Stift Heiligenkreuz eine fast klösterliche Erziehung genossen . Frühzeitig hatte diese auch sie zur Traumwandlerin gemacht ; nicht so , wie man bei Gräfin Paula in Wirklichkeit gefürchtet , daß sie ' s bis zum Wandeln im Schlafe bringen könnte - seitdem sie das Streckbett verlassen , waren der Hochschlaf und die Sehergabe entschwunden - nein , nur