Urtheil der Welt nicht , ich verlange nur Wahrheit zwischen uns . « » Und ich - darf Sie Ihnen - heut nicht geben . « » Heut nicht - « wiederholte langsam die Geheimräthin . » Da es kein Dieb und Räuber war , denn es ist doch nichts entwendet , und er floh vor dem Anblick einer schwachen Frau , kann es nur ein leidenschaftlicher Mensch gewesen sein . Da Du aufschrieest , war es auch kein Rendezvous , sondern er überraschte Dich , oder vielleicht aus Mitleid oder Schonung willst Du seinen Namen jetzt nicht nennen . Nun das pressirt ja auch nicht . Du willst ihn nicht wiedersehen , und wenn Du es ihm selbst schon gesagt , überhebst Du mich der Mühe , ihm mein Haus zu verbieten . Auch wirst Du klug sein , um Dich und mich nicht in Demelés zu verwickeln , und die Vorsicht gegen Andere beobachten , die Du gegen mich übst . Im Uebrigen könnte es mich wenig kümmern , wer es ist , da es an thörichten Menschen in der Stadt nicht fehlt , die Dich auf Schritt und Tritt angaffen und uns Beiden Inkommoditäten verursachen , wenn ich nicht besorgen müsste , daß es einer der Freunde unseres Hauses wäre . Wenn das ist , müsste ich Mamsell Alltag bitten , bis morgen sich zu besinnen , ob sie mir den Namen nennen will , denn Personen , welche hinter meinem Rücken das Recht der Gastfreundschaft verletzen , müsste ich den Stuhl vor die Thüre setzen . « Sie hatte sich umgewandt . An der Thür holte Adelheid sie ein . Sie presste die Hand der Geheimräthin an die Lippen und bedeckte sie mit heißen Thränen : » O verzeihen Sie mir , ich bin ein undankbares Geschöpf , aber , - nicht so undankbar , - nein , aus Ihrem Hause ist er nicht , er ist nie über Ihre Schwelle getreten , er darf nicht über Ihre Schwelle treten . « Mit dem Lichtstrahl , der plötzlich in der Lupinus aufschoß , fiel ein schwerer Stein von ihrem Herzen . Es war ein erstes , wohlgefälliges Lächeln , das über ihre Lippen schwebte . Sie hatte an den Legationsrath gedacht , jetzt schämte sie sich fast , daß sie an ihn denken können . Sie zupfte Adelheid am Ohr : » Nimm Dich in Acht ! - So verräth man sich . - Ich hoffe , Du hast Dich gegen ihn nicht verrathen ? - Doch wie kam er ins Haus ? « - Plötzlich stand der fremde Bediente vor ihren Augen , dessen blitzende Augen sie am Abend erschreckt . » Ich werde künftig dafür sorgen , daß man keine Verkleidungen in meinem Hause aufführt , und Du - nun das hängt von Dir ab . - Es ist spät , wir wollen zu Bett gehen . « Dem späten Einschlafen der Geheimräthin gingen Träume vorauf , die wir nicht begleiten . Nur einmal schrie und fuhr sie auf . Sie hatte von der Folter geträumt : ihre Glieder wurden zerschlagen . Sie befühlte ihren Arm . Sie hörte ein stilles Weinen . Die Wände sanken nieder , die ihr und Adelheids Schlafzimmer trennten . Adelheid lag auf ihrem Bett , mit den schlaflosen Augen ins Wüste starrend : » Es leidet noch Eine hier , « flüsterte der Dämon , und eine wohlthätige Wärme verbreitete sich wieder durch ihre Adern . Sie lächelte als sie einschlief . Neunundzwanzigstes Kapitel . Scheiden und Meiden . Jülli weinte , den Kopf auf den Tisch gelegt , still vor sich hin . Vor ihr lag ein kleiner Beutel mit Geld . Am Tisch stand Louis Bovillard mit untergeschlagenen Armen , den Hut auf dem Kopf , der beinahe die Decke des engen Hofstübchens berührte . Es war nichts Freundliches in der Stube , bis auf die Resedatöpfe im Fensterbrett , auf welche gerade ein durch zwei hohe Hinterhäuser sich drängender Sonnenstrahl fiel . » Damit willst Du mich abkaufen , « schluchzte sie . Er antwortete nicht . » Du willst verreisen , nicht wieder kommen . « » Ich verreise nicht , « sagte er nach einer Pause . » Aber Du willst mich nicht wieder sehen . Warum giebst Du mir mehr , als Du geben kannst ? Dein Vater giebt Dir nichts , Du hast Schulden , ich weiß es . - Wozu brauchte ich denn soviel Geld ? « Plötzlich war sie aufgesprungen , die Thränen brachen ihr aus den Augen , und sie stürzte mit wilder Heftigkeit ihm um den Hals . » Nein , Louis , verzeih ' mir Louis , ich weiß nicht , was ich sage , Du hast mich nicht abkaufen wollen . Was hättest Du abzukaufen ! Du bist die Großmuth selbst . Nur aus Mitleid , aus purem Mitleid hast Du mich aus dem Staube aufgerafft , bloß um die dumme Schmarre da am Halse . O hätte der Herr seinen spitzen Degen mir durchs Herz gestoßen , dann wären meine Schmerzen aus , und ich machte Dir nicht so viele . Du hast Recht , stoße mich fort , ich bin eine Last an Deinen Hacken . Du liebst mich nicht , Du hast mich nie geliebt . Sag ' s raus , grade raus , das wirkt vielleicht wie die Degenspitze - und dann ist alles gut . « » Mädchen , sei nicht närrisch . « » Närrisch bin ich nicht . Ich hab ' s wohl überlegt , Du hast unrecht gethan , daß Du mich hier in das Haus brachtest , wo Du selbst wohnst . Das schadet Deinem Ruf . « Er lachte auf : » Ich habe keinen zu verlieren . « » Doch ! O mein Gott , ja , ich habe es selbst von den Herren gehört : Wenn er wenigstens die Schicklichkeit beobachtet hätte , das Geschöpf auswärts einzumiethen . Man kann ja nicht mehr