: » Elisabeth scheint nicht allein dort zu sein . « Diese Worte hatte Elisabeth selbst vernommen . » Das ist Paulinens Stimme , « sagte sie zu Jaromir ; » komm - Hand in Hand wollen wir ihr unser Glück verkünden , das sie vielleicht ahnt , das ich ihr bis jetzt aber noch nicht zu gestehen wagte . - « Ohne daran zu denken , daß wahrscheinlich auch Pauline nicht allein käme und nicht nur laut mit sich und den Bäumen gesprochen - trat die von ihrer Seligkeit halbberauschte Braut an der Hand des Geliebten unter den Bäumen hervor . Plötzlich standen sich vier überraschte Menschen sprachlos gegenüber . Elisabeth war plötzlich regungslos wie festgezaubert , die Blicke zu Boden gesenkt , als sie Thalheim erkannt hatte . Diesen selbst durchzuckte bei Jaromirs Anblick eine seltsame Art von Schmerz - wenn auch unschuldig , war dieser doch die Ursache seines gemordeten Lebensglückes und daß er nun gerade ihm hier begegnen mußte . Jaromir sann nach , wer der Fremde wohl sei , der ihn mit einem so seltsamen Blicke maß - und der ihm wohl auch kein ganz Fremder sei - er mußte ihn schon irgend einmal gesehen haben . Am Unbefangensten war noch Pauline , die sich doch über weiter Nichts zu verwundern hatte , als daß sie Jaromir so vertraulich an der Freundin Seite sah . Daher konnte auch sie zuerst das Wort nehmen , und indem sie Elisabeths Hand drückte , sagte sie : » Also überraschen wir Dich doch ! Schon glaubte ich , Du wärest auf dieses Wiedersehen vorbereitet . « Und eh ' noch die Angeredete geantwortet , übernahm sie deren Amt und stellte die Herrn einander förmlich vor . Bei Nennung von Thalheims Namen zuckte es auch seltsam über Jaromirs Gesicht - aber das war bald verbannt und vorüber und er erwiderte Thalheims Gruß mit einigen freundlichen Worten . Elisabeth war noch immer sprachlos geblieben - ein Schweigen , das für die Andern beinah peinlich zu werden begann - da sagte sie plötzlich mit der ihr eignen Heftigkeit , welche sie jedes Mal überkam , sobald sie sich bei erschütternden Momenten bemüht hatte , ihrer Bewegung Meister zu werden und dann still bei sich dies Bemühen um äußerer Formen und des Herkommens willen kleinlich und unwürdig der edleren Gefühle gefunden hatte , gegen deren Aeußerung sie damit eben ankämpfte : » Es ist zu viel Glück auf ein Mal ! Neben mir der , den mir heute Elternsegen zum Bräutigam gegeben - mir gegenüber plötzlich mein verehrter Lehrer , den ich kaum wiederzusehen hoffen durfte - neben mir die langentbehrte Freundin - was fehlte noch , um ein Menschenherz so von Wonne überfließen zu lassen , daß es darüber die Sprache verliert ? « » Vielleicht ich ? « sagte lachend Aurelie , die eben auch zu der Gruppe trat - eine neue Ueberraschung für Thalheim und Pauline , denn Beide wußten noch Nichts von ihrer Anwesenheit . Und wie es dann manchmal geht , wenn je mehr der verschiedenen Elemente mit ihren verschiedenen Berührungspunkten , je nachdem innre Wahlverwandtschaften zu einander hintreiben oder äußere Einwirkungen die Annäherungen und Mischungen erleichtern - so war denn auch jetzt durch das Hinzutreten der Allen bekannten , aber Allen mehr gleichgültigen Aurelie in ihrer heitern Harmlosigkeit plötzlich die feierliche Stimmung , welche sich mit einem beinah ängstigenden Druck dieser vier Menschen hatte bemächtigen wollen - von ihnen genommen und wich einer leichtern heiteren Unterhaltung , aus Glückwünschen für das Brautpaar , Fragen nach dem inzwischen Erlebten und Gesehenen gemischt . Elisabeth erklärte dann fröhlich entschieden , daß heut ' ihr schönster Festtag sei und daß Niemand , wer einmal gekommen sei , unterlassen dürfe , ihn mit zu feiern - Niemand werde vor Abend wieder vom Schloß entlassen . Ein Diener berief dann die kleine Gesellschaft zur Gräfin , und als diese dann hier Elisabeths Einladung freundlich wiederholte , so galt weiter keine Einrede , man blieb beisammen wie der Zufall es einmal gefügt hatte . Aurelie begegnete Paulinen mit Herzlichkeit , obschon sie sich vorher nicht hatte überwinden können , sie in der Fabrik aufzusuchen , freute sie sich doch jetzt aufrichtig dieses unverhofften Wiedersehens . Pauline empfand bei Elisabeths Glück die fröhlichste Theilnahme - aber zuweilen , wenn sie einen jener zärtlichen Blicke sah , wie Liebende sie gern zu tauschen pflegen , oder einen jener innigen Händedrücke bemerkte , oder ein liebeseliges Wort , das sie einander zuflüsterten , vernahm - da beschlich eine unendliche Wehmuth ihr Herz , ein bitteres , unzufriedenes Gefühl mischte sich hinein , und tief in ihrem Innern schrie es auf , wie eine schrillende Dissonanz . - Und wenn sie auf Thalheim sah , der mit obenan saß neben dem Grafen Hohenthal und von diesem mit hochachtungsvoller Aufmerksamkeit behandelt ward - da zuckte es auch seltsam traurig durch ihre Seele wie zu einer anklagenden Frage an das Schicksal - sie dachte an Franz , an den ausgestoßenen armen Franz und deshalb war sie zuweilen so still und in sich gekehrt unter all ' diesen frohen Menschen , deren Glück ihr doch auch so Viel galt . Sie meinten wohl , es sei ihre Art so , oder bürgerliche Schüchternheit , wenn sie still war . Nur Thalheim sah , was in ihr vorging - er fühlte dann das Gleiche mit und konnte selbst sie kaum ohne Wehmuth betrachten . Aber auch Elisabeth ' s Schicksal bekümmerte ihm Der erklärte Geliebte der Sängerin Bella , er , der schon so viel Mädchenherzen durch seine Schönheit , sein einnehmendes Wesen , durch all ' seine geistig hervorragenden Eigenschaften , freilich oft mehr willenlos als absichtlich an sich gefesselt hatte - und sie dann wegwarf , weil er keine Befriedigung bei ihnen gefunden - gleich viel , ob sie dabei brachen und blutend zuckten - konnte der eine Bürgschaft dafür geben , daß Elisabeth endlich dies ruhelose Herz ausfüllen und daß er sie dauernd beglücken werde ? Elisabeth