« sagte er zu mir , er schenkte dem Juden zuerst ein , der aber reichte mir sein Glas , ich sagte , daß ich keinen Wein trinke . » Aber nippen können Sie doch wohl , « sagte er - ich nahm ' s ihm ab und schluckte ein wenig davon , er dankte mir und trank es auf der Stelle aus , dann sah er mich lächelnd an , als wollt er sagen : » Freut ' s Dich , daß ich Dir so viel Achtung bezeige ? « - Ich lächelte mit ihm , und ich war ganz rot geworden vor Vergnügen . Weiß sprach noch allerlei mit ihm , was bewies , daß er ihn sehr in Achtung hält . - Weiß sagte von mir : » Was meint Ihr , Ephraim , daß wir jetzt so allerliebste Studenten haben , hier wird das erste Semester gehalten , und ich werd Euch bei so feinen Studenten empfehlen , das wär Euch wohl ein groß Vergnügen , diesem kleinen Studenten Unterricht zu geben ? « - Es war ein so liebenswürdiger Adel in allem , was er sagte und wie er den gutherzigen Scherzen des Weiß eine feine Wendung gab , daß sie mich nicht verletzen sollten , daß ich ganz eingenommen von ihm war und mich wirklich sehr in acht nahm , ihm solche Antworten zu geben , die ihm Interesse sollten für mich geben ; zwei Stund hab ich so mit ihm geplaudert , und ich dacht schon drauf , wie ich ' s machen wollt , daß ich ihn öfter sehen könnt , so sagt ich , wie er wegging an unserer Tür vorbei , daß ich da eine Schwester noch habe , und ich wünschte gar sehr , daß sie auch seine Bekanntschaft machen möchte , er versprach mir , daß , wenn er wieder käme , so wolle er bei mir anklopfen . Ich freu mich recht drauf . Von Frankfurt hab ich Abschied genommen wie ein Has übers beschneite Feld jagt , man sieht kaum seine Pfötchen im Schnee , und es war auch kein Jäger da , der mich gern geschossen hätt . Beim Primas war ich sehr lustig auf der Fastenmahlzeit , wie ich Abschied nahm , sagte er : » Ich freu mich auf Ihre Wiederkunft , « und nahm mich bei der Hand und begleitete mich durchs . Vorzimmer . In Offenbach hab ich alles mit der Großmutter besprochen , aber in den Garten , der nicht mehr rauscht , konnt ich nicht gehen , um Abschied zu nehmen , so gern ich gewollt hätt und lieber als von allen andern , denn ich war vertrauter mit ihm ; dann war ich auch beim Gärtner und fragte , ob er meine Bäume ins Winterquartier wollt nehmen , und wenn Du aus dem Rheingau kämst , so würdest Du den Kanarienvogel abholen , er fragte , ob ich den nicht bei ihm wollt lassen , ich versprach ihm , daß wenn Du einwilligst , so darf er ihn behalten , und einer kleinen Koketterie machte ich mich aufs pläsierlichste schuldig , ich nahm den Vogel aus dem Käfig , küßt ihn auf sein klein Schnäbelchen und sagt : » Adieu , lieber Gärtner . « Als ich zur Großmutter zurückkam , war ' s schon bald Nacht , die Meline und Tonie wollten zurückfahren , ich bat sie , noch eine Viertelstund zu bleiben , und wie es schon ganz Nacht war , da hab ich mich doch in den Garten geschlichen und hab die Augen zugemacht , bis ich an den Pappeln war , und hab sie alle getröst mit Worten , denn ich dacht , wer weiß , wie mir ' s geht , ob ich nicht auch einmal so trostlos dasteh , sollt sich da mein Freund vor mir scheuen , weil ' s ihm zu traurig ist ? - Und das Herz war mir viel leichter , ich würde auch jetzt wieder hingehen , wenn ich noch dablieb , denn wie könnt ich ihnen alles vergelten , wenn ich jetzt nicht wollt mit ihnen sein wie früher , und das wär doch das schönste Geheimnis dieses Umgangs mit ihnen , wenn ich sie jetzt verleugnen wollt , es wär grad wie eine ewige Liebe zum Helden , die wie Spreu auseinander fliegt , weil der zum Krüppel geschossen worden . - Es ist mir da im Garten recht deutlich geworden und viel empfundner in der Seele , daß das Beleben Genie ist - eine Seele , die aus meiner Seele aufsteigt und das , was mich erregt , bewohnt , so zärtlich , so edel ich empfinden kann . Die rauschenden Bäume haben mich bewegt , davon ist meine Seele wach geworden und ist aufgestiegen und hat jene Bäume belebt und sollte diese Seele ihnen jetzt absterben , weil sie irdisch elend sind ? - Da würd ich mich ja selbst töten in ihnen . Nein , in jedem Unglücklichen soll man doppelt lebendig werden . - Eh wir abreisten , hatte ich noch manchen Kampf mit den andern , man war nicht einig , ob ich dem Savigny nicht lästig sein würde , weil man glaubt und gewiß weiß , daß er nichts auf mich hält . Ich halte nun auch eben nichts Besondres von mir ; ich hab ihn immer noch wie sonst lieb , und so scheu ich mich gar nicht mit ihm zu leben , obschon er einen Widerwillen gegen meine Natur zu haben scheint , um so glanzvoller erscheint mir Deine Nachsicht mit mir ; und er behauptet , ich sei hochmütig - manchmal glaub ich ' s gar , weil er doch gescheiter ist als wir alle - und kann also einen Charakter besser beurteilen . - Und dann kann ich Dir sagen , freu ich mich ordentlichermaßen über diesen Hochmut und denke , es muß doch wohl auch was hinter mir sein ; denn ohne Ursache dazu