, es gekocht und grünen Tee aufgeschüttet . Als das unentbehrliche Getränk bereitet war , reichte er seinem Herrn eine Tasse . Mynheer van Streef führte sie so langsam und mürrisch zum Munde , wie er in allen seinen Bewegungen bisher gewesen war . Er kostete und kostete , die schlaffen Lippen zogen sich ein wenig zusammen , dann schluckte er bedächtig den Inhalt der Tasse hinunter , und sagte ; » Sebulon noch eine . « - Sebulon sah seinen Herrn bedenklich an und schüttelte den Kopf . Die zweite Tasse trank Mynheer van Streef , ohne zu kosten , aus . Seine Augen bekamen während des Trinkens eine Art von Glanz und er sagte : » Sebulon noch eine . « - Sebulon reichte ihm zitternd und eine große Unruhe in seinen Zügen die dritte Tasse . Diese stürzte Mynheer van Streef beinahe hastig hinunter und darauf sah er fast gen Himmel . » Ach , Mynheer ! « rief der Diener besorgt , » was ist Euch widerfahren ? Sonst braucht Ihr ja auf drei Tassen Tee drei Viertelstunden , und hier geht es wie mit Extrapost in den Magen . « Der alte Holländer sah sehr nachdenklich aus und sagte endlich nach langem Schweigen : » Sebulon , dieser Tee hier schmeckt mir besser als der auf meinem Landhause Welgelegen eine Stunde von Amsterdam . « Da raufte der treue Diener sein Haar , weinte und schrie : » O wehe mir , wehe ! Mynheer van Streef ist auf diesem nichtswürdigen Berge toll geworden ; sein Tee schmeckt ihm dahaußen besser als daheim ; er lobt die Fremde auf Kosten von Altniederland , er ist abgefallen von Oranjeboven und Altniederland . « » Sebulon erhitze dich nicht « , sagte der Herr gleichmütig und freundlich . » Ich habe meinen Verstand nicht verloren . Weißt du , was Schwärmerei bedeutet ? Es ist der Zustand , worin sich der Hanswurst von Franzosen , und der Bull von Engländer oft befindet , und der deutsche Muff fast immer , Altniederland aber niemals . Die Sache sollte aber zur Probe auch einmal an uns kommen , denn bei Gott ist kein Ding unmöglich . Ich liefere die Probe . Ich schwärme , Sebulon , das ist das Ganze . In dem Tee muß etwas sein ; ich bin von dem Tee ein Schwärmer geworden , denn ich muß es noch einmal sagen ; er schmeckt wahrhaftig besser , als der auf meinem Landgute Welgelegen . Es wird aber schon wieder vergehen . « Nur mit Mühe gelang es dem schwärmerischen Holländer , seinen Diener zu beruhigen . Am meisten wirkte dazu die Versicherung , daß aller Wahrscheinlichkeit nach dieser exaltierte Zustand eine rettende Krise seines Übels sei , daß die Wassersucht durch die Schwärmerei eine Stopfung erhalten habe . Der alte Schwärmer stand auf und schickte sich zum Rückwege an , Sebulon packte das Teegerät zusammen . Mynheer van Streef sah sich um und sagte : » Ich möchte wohl ein Angedenken an diesen ziemlich erträglichen Platz und an die schöne Stunde , in welcher mir der Tee so wohl schmeckte , mitnehmen , ein Erinnerungszeichen an die hiesige Schwärmerei . « - » Was sollen wir mitnehmen ? « versetzte Sebulon noch immer ziemlich kleinlaut , » wir können doch nicht die Boompges ( er meinte die Lorbeeren ) oder die großen Klinker ( er meinte die Klippen ) einpacken . « - In diesem Augenblicke sah er mich , der ich hinter einem Felsen den schwärmerischen Auftritt belauscht hatte , zog mich hervor und rief : » Was für eine Kreatur ist das ? « Der schwärmerische Holländer besah mich , und sagte dann langsam : » Wirf dem Vieh einen Strick um den Hals , Sebulon . Das will ich mitnehmen als Angedenken an diese schöne Stunde . Es scheint zu einer unbekannten Tierart zu gehören ; Mynheer de Jonghe , der in Batavia gewesen ist , soll mir sagen , ob sie auch auf Java vorkommt . « Was sollte ich machen ? Ein Entrinnen war nicht möglich , auch muß ich bekennen , daß die Reste der Menschheit in mir einige Freude darüber empfanden , wieder unter ihresgleichen zu kommen ; obgleich eine geheime düstere Ahnung mir zuflüsterte , daß die Schwärmerei des Holländers mir drückend werden könne . - Ich ließ mir das Fangseil geduldig um den Hals schlingen und verließ mit meinem neuen Herrn , der sacht voranritt , und Sebulon , der mich am Stricke hinter sich her führte , den Berg , auf welchem mir so vieles begegnet war . Vor unserem Abmarsche hatte Sebulon die Kantinen , die zu beiden Seiten des Pferdes hingen , mit Wasser der Hippokrene füllen müssen zu einem nochmaligen Tee auf dem Landhause Welgelegen . Am Fuße des Berges war Mynheer van Streef schon wieder ebenso verdrießlich , wie vorher , und diese Stimmung blieb ihm auch während der ganzen Reise . Wir setzten dieselbe , nachdem wir in ebnere Gegenden gekommen waren , zu Wagen fort , d.h. Herr und Diener saßen im Wagen , und ich lief nebenher - ihr mögt mir es glauben oder nicht , es liegt mir nichts daran , aber wahr muß wahr bleiben - ich habe die paar hundert Meilen zu Fuß zurückgelegt , ausgenommen eine kurze Strecke des Adriatischen Meers , die wir auf einer sklawonischen Schebecke durchschnitten . Ja , neben holländischen Schwärmern läßt sich schon zu Fuß fortkommen ! Bald genug aber sehnte ich mich auf den Helikon zurück . Denn die Herrschaft von Altniederland ist die härteste , die es gibt . Ich wurde behandelt wie eine Kolonie , für mein Futter mußte ich selbst sorgen , auf der sklawonischen Schebecke bekam ich , Gott verdamme mich , nichts zu genießen als den Duft von Hyazinthenzwiebeln , die Mynheer van Streef gekauft hatte , und welche neben meinem Verschlage lagen . Dazu die Einseitigkeit einer Reise nach dem Bleistiftstrich ! Denn